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    WÜRZBURG

    "Jugendkultur bis in die Rente"

    Steffen Deeg und Madlen Will leiten die Kultur- und Bildungsstätte für Jugendliche. Was deren Charakter ausmacht und warum sie eine Zukunft hat, erklären sie im Interview.

    Madlen Will und Steffen Deeg, das Leitungsduo des Cairo. Foto: Thomas Obermeier

    Das Jugendkulturhaus Cairo ist mit 30 Jahren erwachsen geworden. Mit zuletzt jährlich über 150 Veranstaltungen, wöchentlichen Workshops und vielen Bildungsangeboten war das Cairo vergangenes Jahr Treffpunkt von fast 30 000 Besuchern und Teilnehmern. Die Diplom-Sozialpädagogen und Kulturmanager Steffen Deeg (40) und Madlen Will (36) leiten die Kultur- und Bildungsstätte für Jugendliche. Was deren Charakter ausmacht und weshalb das Cairo eine Zukunft hat, erklären die beiden im Interview.

    Frage: 30 Jahre Cairo. Was gibt's zu feiern?

    Steffen Deeg: Die gelungene Verwandlung eines Jugendzentrums in ein stadtteilübergreifendes Veranstaltungs- und Bildungshaus. Und das im Rahmen der städtischen Jugendarbeit und mit großartiger Unterstützung unseres Fördervereins.

    Madlen Will: Einen Ort für Kultur und Bildung und viele tolle Menschen, die hier aktiv sind und das Ganze mitgestalten.

    Was bietet das Jugendkulturhaus?

    Deeg: Nach außen wird das Cairo vor allem als Veranstaltungsort für Konzerte oder Impro-Theater wahrgenommen. Doch zum Angebot zählen auch die inhaltliche Auseinandersetzung mit Jugendkulturen, wie zum Beispiel das Thema „Sexismus im Hiphop“. Das Cairo ist zudem Sitz vieler Initiativen und Gruppen. Dazu kommen Workshops wie Hiphop-Tanz, Theaterspiel, Fotos entwickeln, Video oder Töpfern.

    Fotos entwickeln, Töpfern? Das klingt altbacken.

    Deeg: Ist es aber nicht. Gerade Töpfern ist sehr angesagt. Und ein selbst entwickeltes Foto hat einen anderen Stellenwert als eines aus dem Photoshop. Ich glaube, das ist auch eine Art Gegenlauf zur Digitalisierung. Die Menschen wollen etwas in der Tat Greifbares schaffen. Und das gerne gemeinsam mit Gleichgesinnten.

    Wer ist denn das Cairo-Publikum?

    Will: Pauschal schwer zu beantworten. Die Konsumenten, wie die Besucher der Konzerte, stehen nicht so auf Mainstream-Angebote, wollen gern was Neues entdecken. Die Nutzer des Hauses sind vor allem gesellschaftsbewusst und -kritisch, kreativ und sozial orientiert. Das Cairo-Publikum ist überwiegend zwischen 14 und 27 Jahre alt. Doch auch Ältere sind noch dabei. Hier kannst du Jugendkultur bis in die Rente leben.

    Was ist die Grundphilosophie, die Leitlinie?

    Deeg: Zu unserem Kultur- und Bildungsauftrag zählt, junge Menschen zu gemeinschaftlichem und sozialem Handeln, zur Kreativität zu bewegen, ihnen die Möglichkeiten zum Ausprobieren zu geben – unter den Bedingungen, die auch für musikalische Inhalte unserer Konzerte gelten: Kein Rassismus, kein Sexismus, keine Diskriminierung.

    Und welche Rolle spielen die beiden hauptamtlichen Leiter dabei?

    Deeg: Wir sind die Motivatoren, versuchen das Haus attraktiv zu halten und schaffen den Rahmen für die Angebote.

    Das funktioniert?

    Will: Sehr gut sogar. Das Cairo-Angebot tragen im Wesentlichen 60 bis 80 Ehrenamtliche. Diese organisieren die Konzerte, die Theater-Treffs, die Kurse. Und wir unterstützen sie, kümmern uns um die Technik, den Schreibkram und Organisatorisches.

    Woher wisst ihr, was die jungen Leute wollen, was die Trends sind?

    Deeg: Wir lassen die Trends entdecken. Denn diese kennen am besten die ehrenamtlich Aktiven, die auch das Programm machen. Die Musikveranstalter laden noch unbekannte Bands ein, Nadine Antler organisierte 1999 den ersten Impro-Theater-Workshop, der HipHop-Tanzkurs kam auf Initiative junger Leute dazu, eine Praktikantin organisierte das erste vegane Barbecue, aus dem die vegane Volksküche entstand, hier im Hof setzten die „Stadtgärtner“ ihr erstes Urban Gardening-Projekt um.

    Ist damit auch die Zukunft des Cairo gesichert?

    Deeg: Da bin ich mir recht sicher. Auch wenn die Konkurrenz an Veranstaltungen immer größer wird und die Leute immer weniger Zeit haben. Die Lust auf gemeinschaftliches Gestalten und Erleben sowie am Ausgehen wird bleiben. An Angeboten von unserer Seite wird's nicht fehlen. Und die Stadt, allen voran Sozialreferentin Hülya Düber, unterstützt unsere Bemühungen.

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