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    WÜRZBURG

    Besucherrekord beim städtischen Neujahrsempfang

    Über 700 Menschen strömten am Sonntag zum städtischen Neujahrsempfang. Sie erlebten mit Bedford-Strohm einen intellektuellen evangelischen Landesbischof, der auch Selfies kann.

    War es die Neugierde auf die neue Lebensgefährtin von Oberbürgermeister Christian Schuchardt? Oder die auf den Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm? Über 700 Menschen strömten am Sonntag zum städtischen Neujahrsempfang ins Rathaus. Das waren knapp 200 mehr als 2017 und so viele wie noch nie.

    Dicht gedrängt im Ratssaal

    Neben den „üblichen“ geladenen Vertretern der Politik aus Stadtrat, Land- und Bundestag, der Kirchen, Glaubensgemeinschaften, Justiz, Hochschulen, Wirtschaft . . . waren auch viele Normalbürger gekommen. Dicht gedrängt hörten sie im Ratssaal erst die Neujahrsansprache vom OB und lauschten dann den Worten des evangelischen Landesbischofs. Schuchardts Lebensgefährtin Eva-Maria Bast war bei Gesprächen zu beobachten.

    Der OB präsentierte den Zuhörern einen Ausblick auf wichtige Ereignisse des kommenden Jahres im „weltoffenen, lebens- und liebenswerten“ Würzburg. Der Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs, Theatersanierung, Nautiland, Umweltstation, Multifunktionsarena, Bismarkquartier . . . viele Projekte würden 2018 „wachsen und gedeihen“.

    Nach Würz: Morgenmagazin sendet aus Würzburg

    Wichtig für das „Aufblühen“ der Stadtgesellschaft sei aber jeder, der sich für sie stark macht. Besonders bedankte sich der OB deshalb bei allen, die sich ehrenamtlich in Würzburg engagieren. Apropos Würzburg: „Die ARD-Moderatoren werden die Einladung des Rathauses annehmen und nach Würzburg kommen“, verkündete Schuchardt. Eine Sendung des Morgenmagazins von der Landesgartenschau sei geplant. Am Donnerstag hatte das Morgenmagazin Würzburg an den Fluss Würz verortet.

    Warum Helfen Freude bringt

    „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst – Soziales Engagement als wahre Lebenskunst“, war der Titel der Rede des Landesbischofs. Dieses Motto gehöre zu unserem kulturellen Erbe. Es sei aus der Religion als auch aus dem Geist des Humanismus begründet.

    Anhand der Bibel und der Philosophie erläuterte der Landesbischof, warum Helfen glücklich macht. Denn Nächstenliebe und Engagement für andere bereicherten nicht nur deren Leben, sondern zugleich das eigene. „Wir geben, weil wir so viel bekommen“, sagte der Theologieprofessor.

    Immer mehr Menschen engagieren sich

    Die Soziologie habe beobachtet, dass aus diesem Selbstverständnis ein neuer Helfertyp entstünde, der weniger an „Aufopferung als an Selbstentfaltung“ interessiert sei. „Mir geht es gut, da muss ich auch etwas für andere tun“, sei ein weiterer Antrieb. „In unserer Gesellschaft steigt die Bereitschaft zu helfen“, ist sich Bedford-Strohm sicher.

    Er fügte hinzu: „Es muss Schluss damit sein, die Schwachen, die hier schon immer zu Hause sind, gegen die Schwachen, die von anderswoher kommen, auszuspielen. Beide Gruppen verdienen unsere Solidarität.“

    Lob für Optimismus und Charisma

    Mit langem Applaus bedankten sich die Zuhörer für den Vortrag, „der intellektuell, aber nicht verschwurbelt, emotional, aber keine Predigt war“, wie es ein Zuhörer formulierte. „Der Optimismus der Rede“, gefiel Christine Hannig. Ihr Mann Michael Hannig fand, dass davon „jeder etwas für sein Leben und seinen Alltag mitnehmen kann“.

    Für Heike Sämann ist der Landesbischof ein „Mensch mit Charisma“. Sein Wirken verfolgt die Geschäftsfrau schon länger. Auch Asa Petersson, Geschäftsführerin der Region Mainfranken GmbH, ist Bedford-Strohm-Fan. „Ich folge ihm auf Facebook und bin froh, dass ich ihn jetzt live erleben durfte.“

    Der Landesbischof kann auch Selfies

    Bis zu seinem nächsten Neujahrsempfang bei Stuttgart hatte der Landesbischof noch etwas Zeit. Im Gedränge des Ratssaals führte er Gespräche, ließ sich fotografieren und machte selbst Selfies mit seinen Fans – die er zum Beispiel den Mitgliedern des Chors der Ökumenischen Kirche in Lengfeld gleich weiter leitete.

    „Es gibt ein paar Dinge, die kann ich inzwischen“, lachte der Mann, der seit 2011 Bayerischer Landesbischof und seit 2014 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland ist. Begegnungen und Gespräche am Rande seien für ihn immer das schönste an solchen Terminen.

    Neujahrsempfang der Stadt Würzburg

    Zum Neujahrsempfang können alle Bürger ohne Anmeldung kommen. Extra eingeladen werden vom Oberbürgermeister Vertreter aus unter anderem Politik, Kirchen, Glaubensgemeinschaften, Justiz, Hochschulen, Wirtschaft, Verbänden und Vereinen .

    Seit den 50er Jahren redete dabei neben dem Oberbürgermeister ein hoher katholischer Würdenträger – meist der amtierende Bischof. Diese Tradition änderte 2012 der damalige Oberbürgermeister Georg Rosenthal, weil sie im weltoffenen und vielfältigen Würzburg nicht mehr zeitgemäß sei.

    Seitdem waren unter anderem der ehemalige Unipräsident Theodor Berchem, der Journalist Addis Mulugeta aus Äthiopien, der Schweinfurter OB Sebastian Remelé und Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, Redner beim Neujahrsempfang.

    „In unserer Gesellschaft steigt die Bereitschaft zu helfen“,
    Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland

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