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    WÜRZBURG

    Mit Waffe auf Mutter und Tochter gezielt

    In Todesangst hat ein Mann eine Mutter und ihre Tochter versetzt, als er aus einem Auto mit einer Pistole auf sie zielte und abdrückte. Jetzt wurde er verurteilt.

    26 Jahre ist der Angeklagte jung. Und er stand schon viele Male vor Gericht, saß schon in der Jugendarrestanstalt und im Jugendgefängnis, wurde während der Bewährungszeit wieder straffällig, steht unter Führungsaufsicht . . . Nun muss er wieder einrücken.

    Es geht um einen Vorfall in vergangenen Juni. Der Angeklagte saß auf dem Beifahrersitz eines Autos, auf der Straße ging eine Mutter mit ihrer Tochter. Der 26-Jährige hatte eine Schreckschusspistole bei sich, ein Magazin und acht Knallpatronen. Plötzlich, so die Anklage, habe er die Waffe auf die Frau und ihre Tochter angelegt und abgedrückt. Ein Schuss war nicht zu hören, weil die Munition nicht intakt war.

    “Nur erschrecken wollen“

    Nun steht der Mann wegen „vorsätzlichen unerlaubten Führens einer Schusswaffe“ und „Bedrohung“ vor dem Amtsgericht. „Was machen Sie denn beruflich?“, fragt Richter Jonas Compensis den Angeklagten. „Zur Zeit nix“, sagt der 26-Jährige. „Wie - nix?“, fragt der Richter. „Ich bin daheim“, antwortet der Angeklagte. „Also sind Sie arbeitssuchend?“, bohrt der Richter. Der 26-Jährige antwortet mit einem gedehnten „Ja“.

    Dann rechtfertigt sich der Mann, der ohne Verteidiger erschienen ist. Er habe die Frau und ihre Tochter „nur erschrecken“ wollen, sagt er. „Die hatten meine Ex-Freundin nach einem Discobesuch zusammengeschlagen.“ Er habe auch nicht auf die beiden gezielt, sondern „nur in die Luft“. Und überhaupt habe er ja gewusst, „dass die Pistole kaputt ist“.

    Nicht gemeldet

    Erst als der Richter ihm sagt, dass sogar seine Mitfahrer im Auto erzählt haben, dass er sehr wohl auf die beiden gezielt habe, besinnt sich der 26-Jährige eines Besseren: „Dann wird das wohl so gewesen sein.“

    Nun erzählt er, dass er vor fünf Monaten nach Schweinfurt gezogen sei, weil er sich „was Neues aufbauen“ wolle. Gemeldet ist dort aber nicht, Bewerbungen hat er auch noch nicht geschrieben und angebliche Besuche bei der Suchtberatung kann er nicht belegen.

    Die Polizistin, die den Fall bearbeitet hat, berichtet im Zeugenstand, dass die Opfer des Angeklagten „Todesangst“ gehabt hätten, als der Mann mit der Waffe auf sie zielte. „Sie dachten, sie müssten sterben.“ Sie hat die Schreckschusspistole untersuchen lassen. „Die sah täuschend echt aus“, sagt sie, „die war auch voll funktionstüchtig“. Nur die Munition sei defekt gewesen.

    Viele Chancen vertan

    Dann verliest das Gericht das Strafregister des Angeklagten. Mit 15 Jahren stand er zum ersten Mal wegen versuchten Diebstahls vor dem Jugendrichter. Im selben Jahr musste er wegen Fahrens ohne Führerschein und Fischwilderei eine Woche in den Jugendarrest. 2006 wurde er wegen einer Diebstahlsserie zu zwei Jahren Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt. 2007 folgten zwei Jahre und zehn Monate wegen Diebstahls und Hehlerei und er rückte ein.

    Als er wieder in Freiheit war, ging es weiter mit der kriminellen Karriere: Trunkenheit im Verkehr, Betrug, Sachbeschädigung, Urkundenfälschung, Diebstahl . . . Die Bewährungschancen, die er immer wieder bekam, nutzte der Angeklagte nicht. Ende März 2016 wurde er wieder mal aus dem Gefängnis entlassen und unter Führungsaufsicht gestellt, knapp drei Monate später legte er die Waffe auf Mutter und Tochter an.

    Acht Monate Haft ohne Bewährung fordert die Vertreterin der Staatsanwaltschaft für den 26-Jährigen. Der Angeklagte sagt in seinem letzten Wort, er werde eine Therapie machen und sich Arbeit suchen.

    Das Gericht verurteilt den Mann wegen „vorsätzlichen unerlaubten Führens einer Schusswaffe und Bedrohung“ zu sieben Monaten ohne Bewährung; man kann davon ausgehen, dass seine letzte Bewährung widerrufen wird und er deutlich länger im Gefängnis bleiben muss. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

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