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    OCHSENFURT

    Alles neu bei der Polizei

    Die Polizeiinspektion ist nach zweijähriger Bauzeit ins neue Dienstgebäude in der Tückelhäuser Straße umgezogen. Alles ist dort moderner, auch die Arrestzellen.

    Ihrer alten Dienststelle werden die rund 40 Beamten der Ochsenfurter Polizeiinspektion vermutlich keine Träne nachweinen. Seit Samstag residiert die Polizei im Dienstgebäude an der Tückelhäuser Straße. Die neue Inspektion setzt Maßstäbe in Sachen Sicherheit und Transparenz.

    Logistisch und organisatorisch war der Umzug der Polizeiinspektion eine reife Leistung. Schließlich müssen die Beamten zu jeder Zeit voll einsatzfähig bleiben. „Von einem Moment auf den nächsten alles umzuschalten, das war die größte Herausforderung“, sagt Erster Polizeihauptkommissar Jürgen Maier. Die Telefonleitungen, der Anschluss ans Datennetz des Polizeipräsidiums, alles musste quasi auf Knopfdruck umgestellt werden.

    Am Samstag um 6 Uhr am Morgen war dieser Moment – eine Zeit, zu der es normalerweise auch im Polizeialltag etwas ruhiger zugeht. Trotzdem war vorgesorgt: „Wenn irgendetwas Größeres passiert wäre, hätten wir sofort alles abgebrochen“, so Dienststellenleiter Maier.

    Am frühen Vormittag stand fest: alles ist nach Plan gelaufen. Auch Jürgen Maiers größte Sorge – dass der neue Telefonanschluss oder die EDV nicht auf Anhieb reibungslos funktionieren – erwies sich als unbegründet. Während die Dienstgruppe routiniert ihre Schicht fährt, schleppen die Kollegen, die eigentlich frei hätten, Umzugskartons und richten sich an ihren neuen Arbeitsplätzen ein.

    1980 war die Polizei vom heutigen Stadtarchiv in der Kellereistraße in das Gebäude des ehemaligen Gesundheitsamts im Strickleinsweg umgezogen. Bis zuletzt atmete die Dienststelle den Charme der frühen 80er Jahre. Die Wände in freundlosem Beige gehalten, der Hof so klein, dass er die Fahrzeugflotte kaum fassen konnte, geschweige denn die Privatautos der Mitarbeiter. „Es war einem schon etwas peinlich, wenn man den Anwohnern den Parkplatz wegnehmen musste“, sagt Jürgen Maier.

    An der neuen Inspektion ist alles anders: Ausreichend öffentliche Parkplätze vor der Dienststelle gibt es und einen geschlossenen Innenhof, der nicht nur mühelos die Einsatzfahrzeuge fassen kann, sondern auch vor Blicken von außen geschützt ist.

    Helle Farben und moderne Formen dominieren das Innere der Inspektion. Auffallend sind die großen Fenster, die vom Wachraum direkt zur Tückelhäuser Straße weisen. Sie sorgen für Ausblick und Einblick gleichermaßen – für Jürgen Maier eine Zeichen für Offenheit und Transparenz. „Es ist gut, dass die Leute reinschauen können, schließlich ist es ihre Polizei“, sagt er. Die Scheiben bestehen aus schusssicherem Glas.

    In Sachen Sicherheit sei die Ochsenfurter Inspektion ein Referenzobjekt für künftige Neubauten der unterfränkischen Polizei, sagt Jürgen Maier. Das wird auch an der neu konzipierten Sicherheitsschleuse hinter der Eingangstür deutlich. Auf den knapp 1000 Quadratmetern Nutzfläche – mehr als doppelt so viel wie in der alten Inspektion – ist endlich auch Platz für einen angemessenen Sozialraum und einen Saal für Besprechungen und Schulungen.

    Naturgemäß wirken die beiden Arrestzellen weniger einladend. Und doch seien sie ein wesentlicher Fortschritt zum vergitterten Kellerraum im Strickleinsweg, meint Jürgen Maier. Tageslicht fällt durch die Milchglas-Oberlichter. Weil der Weg zum Hintereingang im Innenhof kurz ist, können auch wehrhafte Klienten schnell und gefahrlos hinter schwedische Gardinen verfrachtet werden.

    Erleichterung ist Jürgen Maier anzumerken, als der Umzug kurz vor Mittag fast geschafft ist. Vier Jahre lang habe ihn das Projekt beschäftigt, sagt er. Angefangen von Besuchen bei anderen Polizeidienststellen, um Erfahrungen zu sammeln, über die enge Zusammenarbeit mit dem planenden Architekten bis hin zur Begleitung der Bauarbeiten. Ein „Zeitfresser“, der angesichts der dünnen Personaldecke nebenher mitlaufen musste.

    Vor neun Jahren hat Maier die Leitung der Inspektion übernommen. Der Wunsch nach einer neuen Dienststelle hatte aber bereits seine Vorgänger beschäftigt. Mitte des letzten Jahrzehnts waren die Überlegungen dazu gestoppt worden, weil unklar war, ob die Ochsenfurter Inspektion im Zuge der Polizeireform überhaupt bestehen bleiben wird.

    2013 schließlich erteilte das bayerische Innenministerium den Planungsauftrag für ein Dienstgebäude auf dem ehemaligen Parkplatz der Firma Kindermann, den der Freistaat inzwischen erworben hatte. Weniger als zwei Jahre nach dem ersten Spatenstich im April 2015 ging die neue Polizeiinspektion nun in Betrieb.

    Auch Grit Liebau, zuständige Abteilungsleiterin am Staatlichen Bauamt, spricht von einem „erstaunlich reibungslosen“ Bauablauf. Terminplan und Kostenrahmen seien eingehalten worden. Ein Grund mehr zu feiern also, wenn am 7. April Innen-Staatssekretär Gerhard Eck die Polizeiinspektion offiziell ihrer Bestimmung übergibt. Gekostet hat sie übrigens 4,64 Millionen Euro.

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