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    ERLABRUNN

    Gemeinde Erlabrunn kündigt Bauhofleiter fristlos

    Der 57-Jährige war dafür verurteilt worden, Gisela K. mit einem Streufahrzeug tödlich überrollt und Fahrerflucht begangenen zu haben. Nun ist er auch sein Amt los.

    Der Verurteilung des 57-jährigen Fahrers eines kommunalen Streufahrzeugs zu einer Haftstrafe am 29. November durch das Amtsgericht Würzburg im so genannten „Erlabrunn-Prozess“ folgte schon am Tag nach der Urteilsverkündung schriftlich die fristlose Kündigung des Arbeitsverhältnisses durch die Gemeinde Erlabrunn. Gleichzeitig wurde der Mann auch von seinem Amt als Feuerwehrkommandant entbunden und vom Feuerwehrdienst suspendiert.

    Erklärung des Bürgermeisters

    Die jüngste Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend im Rathaus von Erlabrunn nutzte Bürgermeister Thomas Benkert (UBE) zu einer öffentlichen Erklärung. Darin gab Benkert einen detaillierten Ablauf wider seit dem tragischen Unfallereignis vom 5. Januar 2016. Bei der Erklärung des Bürgermeisters war der Beschuldigte, Mitglied des Gemeinderats, nicht persönlich anwesend, jedoch ein gutes Dutzend Erlabrunner Bürger, darunter auch die beiden Söhne des getöteten 71-jährigen Unfallopfers.

    „Schwerer Vertrauensschaden“

    Bereits am 14. September dieses Jahres, nach dem Beschluss des Amtsgerichts zur Eröffnung des Hauptverfahrens, hatte der Gemeinderat laut Benkert in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen, den Beschuldigten im Falle einer Verurteilung unverzüglich vom Amt des Ersten Kommandanten und vom aktiven Feuerwehrdienst zu entbinden. Benkert begründete den Schritt mit dem „ernsthaften Zweifel an der persönlichen Eignung“. Der Bürgermeister sprach von einem „schweren Vertrauensschaden“ für die Gemeinde sowie für die Feuerwehr.

    Verurteilter verweigerte angebotenen Rücktritt

    Am Tag nach der Urteilsverkündung habe der 57-Jährige am 30. November die angebotene Unterzeichnung einer Rücktrittserklärung vom Feuerwehrdienst im Beisein beider Bürgermeister verweigert.

    In jener September-Sitzung habe das Gremium auch die Entscheidung beider Bürgermeister nach einer Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses „aus wichtigem Grund“ zustimmend zur Kenntnis genommen: Der in erster Instanz Verurteilte war Gemeindearbeiter und Leiter des Bauhofs. „Weitere Einzelheiten hierzu werden in der Öffentlichkeit nicht genannt“, so der Bürgermeister.

    Appell an die Erlabrunner Bürger

    Seine Erklärung schloss Bürgermeister Thomas Benkert mit dem Appell: „Erlabrunn hat es nicht verdient auf das Fehlverhalten einiger Weniger reduziert zu werden. Ich rufe auf und bitte alle Bürgerinnen und Bürger - ganz besonders alle Enttäuschten und Gekränkten - gehen Sie wieder aufeinander zu. Verzeihen Sie!“

    Spektakulärer Prozess

    In einem spektakulären Prozess mit bundesweiter Aufmerksamkeit war der Mann  Ende November schuldig gesprochen worden, die 71-jährige Gisela K. am 05. Januar 2016 mit dem Streufa hrzeug der Gemeinde bei der Ausübung des Winterdienstes überrollt und anschließend Unfallflucht begangen und die Tat vertuscht zu haben. Bei dem Fahrer des Streufahrzeuges handelte es sich um den Bauhofleiter, CSU-Gemeinderat, Feldgeschworenen und Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr in Erlabrunn.

    Berufung gegen das Urteil eingelegt

    Wie berichtet haben Staatsanwaltschaft und Verurteilter zwischenzeitlich fristgerecht Berufung eingelegt gegen das Urteil von 22 Monaten Haft ohne Bewährung.

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