RANDERSACKER

Streicheleinheiten für die sozialdemokratische Seele

SPD-Funktionäre beim Neujahrsempfang (von links): Monika Kirschbaum, Stefan Wolfshörndl, Wilhelm ... Foto: Thomas Fritz

„Das war doch mal wieder eine wirklich gute Veranstaltung.“ Zufrieden verabschiedete sich am Samstag Würzburgs SPD-Bürgermeisterin Marion Schäfer-Blake vom Neujahrsempfang ihrer Partei in Randersacker. Knapp 600 Gäste nahmen daran teil. Unter ihnen viele Vertreter von Wohlfahrtsverbänden, die SPD-Unterbezirksvorsitzender Stefan Wolfshörndl und Muchtar Al Ghusain, Vorsitzender der Würzburg-SPD, begrüßten.

Sozialpolitiker und sozial Engagierte hatten ihre Freude. Hauptredner Wilhelm Schmidt, Vorsitzender des Bundesverbandes der Arbeiterwohlfahrt, war Balsam für die gebeutelte sozialdemokratische Seele. Und das tat den Genossen gut. Marion Schäfer-Blake lächelte zufrieden. Walter Kolbow freute sich, seinen langjährigen Weggefährten Schmidt mal wieder zu sehen und junge Parteimitglieder fassten neue Tatkraft.

Denn die Genossen „haben verdammt wenig zu lachen in diesen Wochen“, stellte Muchtar al Ghusain klar. Und den Gästen rief er zu: „Sie sind hier nicht auf einer reinen Wohlfühlveranstaltung. Sie sind immerhin auf dem Neujahrsempfang der SPD.“

Stille in der Halle. Was bewegt den Vorsitzenden der Würzburger SPD zu diesem Pessimismus? Es ist die Demontage des eigenen Führungspersonals, das ihn umtreibt. Die hämischen Kommentare über die „Gutmenschen von der SPD“, so Al Ghusain.

Und trotzdem: Eine Partei, die Kritik und Zweifel offen ausspreche, die keine Gefolgschaft heuchle, sondern Meinung und Haltung zeige – so eine Partei ist dem Würzburger SPD-Vorsitzenden dann doch lieber, als eine „die ihre Kanzlerin heute auf dem Parteitag mit Standing Ovations feiert und schon am Tag drauf mit Leidenschaft an ihrem Sturz arbeitet“. Und dafür gib's Applaus von den Parteifreunden, die sich dann doch ganz wohl fühlen auf dem Neujahrsempfang.

Stefan Wolfshörndl, geschäftsführender Vorsitzender der Landkreis-SPD, betonte die Stärken der Region: Geringe Arbeitslosigkeit, ein stabiler Mittelstand und einer guten sozialen und kulturellen Infrastruktur. Und voller Zuversicht glaubt er, dass gerade in Kenntnis dieser Lage in Stadt und Landkreis Würzburg die Integrationsaufgabe geleistet werden kann. „Wenn wir es richtig anstellen“, so Wolfshörndl.

Froh ist er auch über die Art und Weise wie die Menschen vor Ort mit den Flüchtlingen umgehen. Wolfshörndl lobte die „herausragende Willkommenskultur“ und die lokalen Mandatsträger, die in Stadt und Landkreis Würzburg „sehr verantwortungsvoll“ und „ohne Hetze“ den Diskussionsprozess begleiten.

Wilhelm Schmidt, lange Zeit parlamentarischer Geschäftsführer der Bundes-SPD und Präsident der Arbeiterwohlfahrt, betonte in seiner Rede die besondere Rolle der Zivilgesellschaft und rückte dabei die sozialdemokratischen Werte Solidarität, Gerechtigkeit und Gleichheit in den Mittelpunkt.