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    WÜRZBURG

    Politiker in der Schule: Alles andere als Frontalunterricht

    Es braucht nicht viel Beobachtungsgabe, um zu bemerken, dass sich die heutige Unterrichtsstunde von den gewöhnlichen der Melanchthon-Schule unterscheidet.

    Bundestagsabgeordneter Paul Lehrieder im Gespräch mit Schülern der Philipp-Melanchthon-Schule. Foto: Kilian Rützel

    Als „ganz schön kuschelig“ könnte man die Atmosphäre im Raum 205 der Philipp-Melanchthon-Schule bezeichnen. Die Tische des Klassenzimmers sind in die Ecke geschoben worden. In dem kleinen Raum sitzen rund 30 Schüler der elften Jahrgangsstufe in einem sorgfältig angeordneten Stuhlkreis eng aufeinander.

    Zu Gast: Paul Lehrieder

    Es braucht nicht viel Beobachtungsgabe, um zu bemerken, dass sich die heutige Unterrichtsstunde von den gewöhnlichen unterscheidet. Denn abgesehen von zwei Mitgliedern des Lehrerkollegiums befindet sich noch eine weitere Person im Raum. Einen Mann, den man normalerweise nicht in einem Klassenzimmer vermuten würde.

    Auf dem Stuhl vor den Schülern sitzt der Würzburger CSU-Bundestagsabgeordnete Paul Lehrieder – fast wie auf einem Präsentierteller – und steht den angehenden Kinderpflegern Rede und Antwort.

    Politik macht Schule

    Diese Intimität ist Teil des Konzepts „Politik macht Schule“ am Tag der Freien Schulen in Bayern, der in diesem Jahr zum zweiten Mal stattfand. 2016 beteiligten sich dabei 140 Abgeordnete in ganz Bayern, um mit den Schülern ihres Wahlkreises in Kontakt zu treten.

    Neben der Schulleiterin Ulrike Wiesen-Dold war vor allem Karin Böhler-Löhr als Lehrerin für Sozialkunde und Berufskunde für die Organisation des Dialogs verantwortlich.

    „Durch die Aktion wollen wir der Politik ein Gesicht geben; die Distanz zwischen Schülern und Politikern schmälern. Sie sollen sehen, dass Politik eben nicht nur von irgendwelchen Menschen da oben in Berlin gemacht wird; Dass Politiker auch nur Menschen sind.“

    Politik direkt erleben

    Auf der anderen Seite wolle die Lehrerin Politiker direkt an den Menschen, also ihre Schüler bringen. So könnten diese direkt erleben, was junge Leute beschäftigt.

    Tatsächlich wirkt Lehrieder greifbar, wie er dort vorne sitzt. Er erklärt, wer er ist, schildert seinen politischen Werdegang und seinen Alltag als Bundestagsabgeordneter.

    Als Vorsitzender des Ausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sei ihm die Einladung in die Berufsfachschule für Kinderpflege sehr wichtig, sagt er.

    Dann sind die Schüler dran. Sie stellen dem Abgeordneten ihre vorbereiteten Fragen und leiten damit den Dialog ein.

    Von Trump bis Türkei

    Vieles wird thematisiert: Trump, die Türkei, die von der CSU geforderte Obergrenze bei Flüchtlingen. Aber auch Dinge, die gerade für die angehenden Kinderpfleger besonders interessant sind: Die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen und die Zukunft der Kinderbetreuung.

    Was bleibt hängen bei den Schülern? „Auch wenn ich in manchen Punkten anderer Meinung war als Herr Lehrieder, fand ich es spannend, sich über die Themen austauschen zu können“, erzählt Timo Valentin. Der Schüler hat schnell bemerkt, dass Lehrieder gut vorbereitet ist. Zum einen habe es ihm und seinen Mitschülern die Politik nahe gebracht, vor allem aber auch den Politiker.

    Obwohl Melanie Weigand sich selbst nicht als politisch interessiert einstuft, hielt auch sie den Vortrag für sinnvoll. „Es hat auf jeden Fall geholfen, Themen besser zu verstehen und herauszufinden, welcher Standpunkt vom Abgeordneten und seiner Partei vertreten wird.“ Dass Politik gerade auch sie als angehende Kinderpfleger stark betrifft, ist den beiden Klassensprechern bewusst. „Politik ist überall; In unserem Beruf vielleicht sogar noch mehr als in anderen.“ Immerhin hänge die Kinderbetreuung in Deutschland maßgeblich von politischen Entscheidungen ab.

    Vielleicht wurde auch Schülern, die kaum an Politik interessiert sind, eine Tatsache bewusst, die ihr Mitschüler Valentin treffend formuliert. „Es ist wichtig, sich jetzt schon Gedanken zu machen, was Politik für mich ist und wie sie mich betrifft.“

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