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    BASKETBALL: BUNDESLIGA MÄNNER

    Würzburgs Basketballer werden abgewatscht

    Mit 75:99 unterlag Bundesligist s.Oliver Würzburg bei Alba Berlin. Die Niederlage erinnerte an die Pokalpleite von vor einem Jahr.

    Wie schon im Hinspiel am 3.Dezember 2016 (im Bild: Kapitän Kresimir Loncar) war für s.Oliver Würzburg auch im Rückspiel ... Foto: Heiko Becker (HMB Media/ Heiko Becker)

    Gastspiele in der Bundeshauptstadt sind für Basketball-Bundesligist s.Oliver Würzburg vor allem solche der Extreme: Entweder sie sorgen für eine faustdicke Überraschung, so wie zum Beispiel letzte Saison mit dem 90:83-Überraschungscoup im Februar vergangenen Jahres oder – unvergessen – dem 91:84-Play-off-Triumph im Mai 2012. Oder es gibt kräftig auf Mütze. Diese leidige Erfahrung machten die Baskets an der Spree nun zum zweiten Mal binnen 14 Monaten. Das Ausscheiden im Viertelfinalspiel des Pokalwettbewerbs am 25. Januar 2016 und der jüngste Auftritt am Samstagabend vor 10 288 Zuschauern in der Mercedes-Benz-Arena wiesen dabei sowohl in ihrem Zustandekommen als auch in den Aussagen der Beteiligten danach frappierende Parallelen auf:

    Deutliches Ergebnis

    25. Januar 2016: 102:73 (56:36). 11. März 2017: 99:75 (52:29).

    Frustrierte Trainer

    25. Januar 2016: „Ich bin sehr enttäuscht von der Leistung meiner Mannschaft.“ (der damalige Baskets-Cheftrainer Douglas Spradley). 11. März 2017: „Es ist enttäuschend, dass die Mannschaft nicht so dagegengehalten hat, wie das nötig gewesen wäre.“ (Baskets-Cheftrainer Dirk Bauermann).

    Starke Berliner

    25. Januar 2016: „Berlin hatte natürlich auch einen Sahne-Tag, da wäre vermutlich sowieso nicht viel zu holen gewesen. Trotzdem dürfen wir uns so nicht präsentieren, das war viel zu deutlich.“ (Baskets-Geschäftsführer Steffen Liebler). 11. März 2017: „Auswärts ist es natürlich immer schwerer. Die Berliner haben sehr schnell ins Spiel gefunden und dann auch die schwierigen Würfe getroffen. Sie hatten einen Lauf und wir haben kein Mittel gefunden, um sie zu stoppen.“ (US-Spielmacher Vincent Sanford).

    Reales Kräfteverhältnis

    25. Januar 2016: „Es reden vor der Saison ja nicht umsonst alle von den drei großen B's, Bamberg, Bayern und Berlin. (…) Um hier etwas zu holen, muss schon alles zusammenpassen, auch dass Berlin mal einen schwarzen Tag erwischt. Das war anders als in der Vorwoche in Braunschweig gegen uns nicht der Fall.“ (Doug Spradley)

    11. März 2017: „Ich glaube, Berlin hat so gespielt, wie es seiner Identität entspricht. Es war hoch aggressiv und hat physisch verteidigt. Trotz der Ausfälle ist das immer noch eine hochkarätig besetzte Mannschaft mit europäischer Erfahrung. Wir waren darauf vorbereitet, dass Alba alles investieren würde, um sich aus der problematischen Lage nach vier Liga-Niederlagen in Serie zu befreien. Insofern muss man Ursache und Wirkung sauber unterscheiden. Und die Ursache für unsere sicher nicht zufriedenstellende Leistung war vor allem die Defensive der Berliner.“ (noch mal Baskets-Coach Dirk Bauermann).

    Mit Oberwasser waren die Würzburger nach dem durchaus eindrucksvollen 98:73 in der Vorwoche gegen Oldenburg an die Spree gereist, um dort nun wieder – um im Bild zu bleiben – auf Tauchstation zu gehen und die achte Niederlage aus den letzten neun Begegnungen zu kassieren. „Wir hatten die Mannschaft nicht nur gewarnt – gewarnt hat auch immer etwas Passives –, sondern wollten, dass sie mit Galligkeit und Biss versuchen soll, die Verunsicherung der Berliner zu vergrößern. Doch genau das Gegenteil ist eingetreten“, resümierte Bauermann, der hernach angesichts des Spielverlaufs und des Ergebnisses von einer „Spiegelung unseres Spiels gegen Oldenburg“ sprach.

    Einmal mehr hatte sich die alte Binsenweisheit im Basketball, dass man sich über die Defensivarbeit das Selbstvertrauen für den Angriff holt, bewahrheitet.

    Was am letzten Spieltag noch für die Würzburger gegen die höher eingeschätzten Norddeutschen galt, machten sich dieses Mal die zuletzt strauchelnden, gegen die reichlich indisponiert auftretenden Mainfranken hochprozentig treffenden „Albatrosse“ zu eigen – und watschten die Baskets nur deshalb nicht noch deutlicher ab, weil diese mit einem 12:0-Lauf in den letzten 119 Sekunden noch etwas Ergebniskosmetik betrieben.

    Bezeichnend, dass bei den Gästen Vincent Sanford derjenige war, der sich am ehesten gegen das drohende Debakel stemmte. Eigentlich hat der US-Spielmacher seinen Platz im Baskets-Farmteam in der drittklassigen ProB, aufgrund der Personalprobleme rückte er jedoch zuletzt in den Profi-Kader auf und war nicht nur wegen seiner 21 Punkte der auffälligste Baskets-Korbjäger.

    Noch am Samstagabend machte sich der Baskets-Tross direkt von der Halle aus auf in Richtung Heimat, erst am Donnerstag wird Bauermann das Team wieder zum Training bitten. „Obwohl mir augenblicklich nicht danach ist, haben die Jungs jetzt vier Tage frei und sollen mal die Köpfe freikriegen. Sie hatten seit August maximal zwei Tage Pause. Insofern ist das die richtige und klügere Entscheidung, als unter dem Eindruck des Spiels jetzt da irgendwelche Maßnahmen zu ergreifen. Das wäre sicher kontraproduktiv“, sagte Bauermann mit Blick auf die spielfreie nächste Woche, an dem ursprünglich das Spiel gegen Hagen angestanden hätte.

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