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    Göteborg (dpa)

    Pieczkowski: Was Prokop anders macht als Sigurdsson

    Der Einstand von Bundestrainer Prokop war holprig. Das erste Länderspiel ging verloren. Doch der Mann hat einen Plan, wie es mit dem deutschen Handball ganz nach oben gehen soll. Einer, der ihn gut kennt, ist Rückraum-Spieler Pieczkowski.

    Rückraumspieler Niclas Pieczkowski kennt Bundestrainer Prokop gut. Foto: Jan Woitas

    Niclas Pieczkowski wusste nicht, welchem Gefühl er sich hingeben sollte. Mit der stark dezimierten deutschen Handball-

    Nationalmannschaft hatte der Europameister in Göteborg soeben das erste von zwei Länderspielen gegen Schweden mit 25:27 (9:16) verloren.

    Das machte ein mieses Gefühl. Die zweite Halbzeit nach desaströsem ersten Durchgang war aber deutlich besser und ging mit 16:11 an die Deutschen. Das wiederum sorgte für Zufriedenheit. „Im Laufe des Spiels haben wir uns deutlich gebessert und unseren Rhythmus gefunden”, sagte der Rückraumspieler vom SC DHfK Leipzig und kam zu dem Schluss: „Das war ausbaufähig.”

    Pieczkowski will nach dem enttäuschenden WM-Aus im Januar gegen Katar mit dem deutschen Team wieder einen großen Erfolg. So wie bei der EM 2016, als die Deutschen beeindruckend durchs Turnier marschierten. Für neuerliche Titel und Medaillen verantwortlich ist jetzt Bundestrainer Christian Prokop, der Nachfolger von Europameister-Macher Dagur Sigurdsson. Dass Prokop genauso erfolgreich wie der Isländer sein wird, daran hat Pieczkowski keinen Zweifel. „Der neue Bundestrainer ist ein sehr ehrgeiziger Mann. Er arbeitet akribisch, bis alle sein System verinnerlicht haben.”

    Mitunter ist das für die Spieler schwierig, denn Prokop packt viel Stoff in eine Trainingseinheit, fordert seine Profis vor allem geistig. „Das ist mächtig viel Input in kurzer Zeit”, berichtet der Rückraumspieler. „Viele müssen noch überlegen: Was musst du jetzt machen?” Pieczkowski kennt Prokop gut. Schließlich ist der Bundestrainer auch sein Vereinscoach in Leipzig. „Auch seinetwegen bin ich im vergangenen Sommer von Lübbecke nach Leipzig gegangen”, erklärt der 1,93 Meter große Blondschopf.

    Schon in den ersten Trainingseinheiten beim Auswahl-Lehrgang in Hamburg staunten einige Spieler. „Das sind schon größere Umstellungen. Es ist anders als das Konzept von Dagur”, betont Pieczkowski. Vor allem in der Abwehr sollen die Spieler mehr Variabilität, größere Dynamik erhalten. „Jetzt müssen wir als Abwehr beweglicher sein. Damals waren wir defensiver, nun wird es offensiver.”

    Noch bis zum Sommer bleibt Prokop auch Vereinstrainer in Leipzig. Dann verlässt er den SC DHfK - und auch Pieczkowski. Dessen Vertrag in der Sachsenmetropole läuft bis 2018. „Ich fühle mich da wohl. Der Verein hat mich überzeugt. Es ist schön zu erleben, wie sich ein kleiner Verein entwickelt”, sagt der gebürtige Hohenlimburger, der in der vergangenen Bundesliga-Saison 115 Tore geworfen hat. „An Toren messe ich mich nicht. Eine super Abwehrarbeit leisten oder tolle Zuspiele liefern, das ist wichtig”, meint der 27-Jährige.

    Wohin seine Reise in den nächsten Jahren geht, weiß er nicht. „Ein Champions-League-Verein - das wäre reizvoll”, gesteht der 33-fache Nationalspieler. „Die Belastung ist zwar wesentlich höher, aber das wäre was.”

    Von Franko Koitzsch, dpa

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