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    FUSSBALL

    Bei Steffen Hofmann ist noch nicht Schluss

    Der Unterfranke erklärt, warum er mit 36 Jahren doch eine Saison bei Rapid Wien anhängt und warum er nun stolz ist auf seinen Status als Rekordspieler.

    „Es war sehr bewegend für mich“: Steffen Hofmann dankt den Fans bei seiner Ehrung zum Rekordspieler von Rapid Wien vor d... Foto: Imago/Eibner

    Letzte Woche war er zu einem Besuch in der unterfränkischen Heimat. Den er dann schneller beenden musste, als gedacht. Gerade ist zwar Urlaub, aber in Wien gab es einen Termin für Rapid, der wichtig war. Und wenn es gilt, Österreichs wichtigsten Fußballverein zu repräsentieren, dann darf Steffen Hofmann selten fehlen. Seit 15 Jahren spielt er für Rapid. Der Kapitän ist die Vereinsikone, hochgeachtet und beliebt. Daran konnte auch die letzte Saison, die für den Klub chaotisch und für Hofmann selbst problematisch verlief, nichts ändern. Ein Gespräch mit dem Musterprofi, der im September 37 wird – auch über das Älterwerden.

    Frage: Für viele Fußballer ist es eine schwierige Entscheidung, den richtigen Zeitpunkt für das Karriereende zu finden. Philipp Lahm hat gerade mit nur 33 Jahren Schluss gemacht; Ivica Olic ist 37 und hat sich mit der letzten Saison bei 1860 München sicher keinen Gefallen getan. Bei Ihnen, Steffen, ist die Entscheidung nach langer Überlegung erst kurz vor Saisonende gefallen: Sie werden im September 37, hängen bei Rapid aber noch ein Jahr an. Was gab den Ausschlag?

    Steffen Hofmann: Es macht nach wie vor sehr viel Spaß. Ich weiß schon, dass ich nicht mehr die Anzahl von Einsätzen haben werde, wie ich sie vorher gehabt habe.

    Ich weiß aber auch, dass ich den Jungs noch helfen kann, sowohl auf dem Platz als auch außerhalb. Deshalb habe ich mich dafür entschieden, weiterzumachen. Nach so einer Saison aufzuhören, ist ja auch nicht gerade das, was man sich vorstellt.

    Rapid hat gegen den Abstieg gekämpft. Das war Neuland auch für Sie.

    Hofmann: Es war jede Menge los, wir hatten alleine vier Trainer in einem Jahr. Eigentlich ist der Verein nicht dafür bekannt, dass die Trainer kommen und gehen. Aber dieses Jahr war halt wirklich sehr kompliziert.

    Sie selbst hat es getroffen wie vorher nie in Ihrer Karriere. Zwei schwere Verletzungen nacheinander, die ganze Vorrunde der letzten Saison war zum Teufel.

    Hofmann: Ja, leider. Im Eröffnungsspiel des neuen Stadions gegen Chelsea habe ich mir den Meniskus eingerissen und musste operiert werden. Kaum war ich wieder dabei, ist das mit den Adduktoren passiert. Jetzt im Frühjahr ist es aber gut gelaufen – und von daher hoffe ich natürlich, dass es so weiter geht.

    Zu sehen, der Körper ist noch leistungsfähig, das war sicher wichtig für die Überlegung, wie es weiter gehen soll.

    Hofmann: Ja. Als ich zum ersten Mal in der Saison zweimal 90 Minuten innerhalb von vier Tagen gespielt hatte, habe ich mich gut gefühlt. Natürlich zwickt?s am Tag nach dem Spiel ein bisserl mehr, als das früher noch der Fall war. Aber ich habe gesehen, es funktioniert noch.

    Der Klub hat es Ihnen aufgrund Ihrer Verdienste selbst überlassen, ob Sie weiter kicken wollen. Dennoch zog sich Ihre Entscheidung hin.

    Hofmann: Der Vertrag war schnell ausgehandelt, aber es gab einige wichtige Punkte für die Zukunft, die man einfach klären musste. Darum hat es sich so lange hinausgezögert.

    Es ging darum, dass Sportdirektor Fredy Bickel mit der Idee des Talentemanagers Steffen Hofmann herausgekommen ist. Es war Ihnen wichtig, dass Sie als Spieler in die Saison gehen, sich die neue Aufgabe langsam entwickelt und die Gewichtung nicht anders herum ist.

    Hofmann: Ja, so ist es. Wenn ich sage, ich möchte noch ein Jahr spielen, dann möchte ich auch als Spieler gesehen werden und nicht in meiner neuen Funktion. Zuerst wollte ich das mit dem Talentemanager eigentlich nicht machen. Aber dann habe ich darüber nachgedacht, dass ich mich eigentlich schon immer um die jungen und die neuen Spieler im Verein gekümmert habe. Von daher ändert sich nicht so viel. Ich stelle mir die Aufgabe mittlerweile sehr interessant vor. Wie schön wäre es für mich gewesen, wenn sich als junger Spieler bei Bayern München einer von den Profis um mich gekümmert hätte! Manchmal ist es vielleicht nur ein Telefonat oder mal auf einen Kaffee zu gehen. Das gibt den Jungs Auftrieb und für mich ist es eine spannende Geschichte, weil ich sie auf ihrem Weg begleiten kann.

    Das Pokal-Finale gegen RB Salzburg bot die Chance, die verkorkste Saison zu retten und sich doch noch für die Europa League zu qualifizieren. Aber Ihr habt knapp mit 1:2 gegen den großen Favoriten verloren.

    Hofmann: Es war sehr schade, weil es unser bestes Spiel gegen Salzburg in dieser Saison war. Die Jungs haben einen Riesenaufwand betrieben und sind nicht belohnt worden.

    Waren Sie sauer, dass Sie nicht wenigstens eingewechselt wurden?

    Hofmann: Ich habe mir schon erhofft, dass der Trainer mich bringt. Aber es ist, wie es ist. Wenn wir gewonnen hätten, hätte ich mich genauso gefreut wie alle. So ärgert?s mich, dass wir verloren haben.

    Eine Woche vorher gab es einen großen Bahnhof für Sie vor dem letzten Heimspiel der Saison, weil Sie mit Peter Schöttel als Rapid-Rekordspieler gleichgezogen haben. Wie er haben Sie nun 527 Pflichtspiele absolviert. Auf einem Video haben Ihnen viele Weggefährten gratuliert, Sie sind mit Ihren drei Kindern auf einer Ehrenrunde gefeiert worden. Haben Sie ein paar Tränen verdrückt?

    Hofmann: Schon. Es war sehr bewegend für mich, das war sehr schön gemacht vom Verein. Aber das war ja noch keine Verabschiedung! Ich hatte mir sehr lange keine Gedanken über den Rekord gemacht. Aber wenn man so kurz davor steht, dann möchte man ihn auch erreichen. Heutzutage ist es selten, dass ein Spieler so lange bei einem Klub ist wie ich. Von daher macht mich das auch stolz.

    Der vorherige Co-Trainer Goran Djuricin ist vom Interims- zum Cheftrainer befördert worden. Sein Draht zur Mannschaft scheint viel besser zu sein als der seiner Vorgänger Damir Canadi und Mike Büskens.

    Hofmann: Das stimmt. Es ist seine erste Station im Profigeschäft, und das bei einem sehr emotionalen Verein, das ist nicht leicht. Aber bisher macht er seine Sache sehr gut. Die Ergebnisse, die wir unter ihm eingefahren haben, waren in Ordnung.

    Der entlassene Trainer Canadi war nicht gerade Ihr Freund, hatte Sie öffentlich zum Ergänzungsspieler degradiert. Ihm noch einmal über den Weg zu laufen, müsste wohl nicht sein.

    Hofmann: Ich hätte kein Problem, auf einen Kaffee mit ihm zu gehen. Aber diese Situation liegt bereits wieder hinter uns, ich konzentriere mich mehr auf das Kommende.

    Am 20. Juni beginnt schon wieder die Vorbereitung auf die nächste Runde. Wird sie besser?

    Hofmann: Eine Saison wie die letzte wird uns nimmer passieren. Es wäre natürlich verwegen, von der Meisterschaft zu sprechen. Red Bull Salzburg ist mit seinen Möglichkeiten so weit entfernt von allen anderen, dass es in Österreich immer nur einen Meister geben kann. Aber wir wollen zumindest einen internationalen Startplatz erreichen.

    Der Umzug ins Allianz Stadion im letzten Jahr hat Rapid trotz der schlechten Ergebnisse einen Zuschauerboom beschert. Mit einem Schnitt von 21 000 Zuschauern thront der Klub weit über allen anderen in Österreich. Aber die Mannschaft hat mit der neuen Umgebung offenbar gefremdelt?

    Hofmann: Alles war plötzlich eine Nummer größer. Die Erwartungen waren gigantisch vor der Saison, viele haben von der Meisterschaft geträumt. Aber das neue Stadion, so schön es ist, schießt keine Tore. Und so ist es in dem neuen Umfeld plötzlich schwieriger geworden. Ich hoffe, dass es im zweiten Jahr hier besser wird.

    Die Rapid-Fans sind sehr engagiert, haben zuletzt das Pokalfinale in Klagenfurt zu einem Heimspiel gemacht. Aber der radikale Teil sorgt immer wieder für Probleme. Welchen mäßigenden Einfluss können Sie als Kapitän und Vereinsikone nehmen?

    Hofmann: Ich kenne nach so vielen Jahren natürlich viele der Fans persönlich und rede mit ihnen. Ich versuche, alle Seiten zu verstehen und darauf hinzuwirken, dass wir auf einen gemeinsamen Nenner kommen und das Beste für den Verein erreichen. Das ist nicht immer leicht, aber man muss es zumindest probieren.

    Noch zum Fußball in Ihrer alten Heimat: Die Würzburger Kickers sind ohne Sieg in der Rückrunde aus der Zweiten Bundesliga abgestiegen. Als Profi können Sie vermutlich nachvollziehen, wie sich Entwicklungen manchmal verselbstständigen.

    Hofmann: Bis zum Winter hat es für die Kickers sehr gut ausgeschaut. Da haben wahrscheinlich einige in und um den Verein eher in die andere Richtung gedacht als nach unten. Es geht dann oft schnell, wenn die Aufstiegseuphorie weg ist und die Ergebnisse nicht mehr so passen. Dann wird es schwer. Wenn man anfängt, darüber nachzudenken, ist es manchmal schon zu spät. So war es bei uns diese Saison, wir haben es Gott sei dank noch drehen können. Für die Kickers und Würzburg tut es mir natürlich sehr leid, dass sie abgestiegen sind.

    Und was ist mit dem FC Kirchheim los? Ihr Heimatverein ist in die A-Klasse abgestiegen.

    Hofmann: Da kann ich nicht viel dazu sagen. Mein Bruder war da Trainer und deshalb halte ich mich da lieber zurück (lacht).

    Zur Person

    Steffen Hofmann wurde am 9. September 1980 in Würzburg geboren, kommt aber aus Kirchheim im Landkreis Würzburg. 1996 wechselte der begabte Fußballer in das Jugendinternat von Bayern München. Von 1999 bis 2002 spielte er für Bayern München II in der Regionalliga Süd, hatte aber nur einen Bundesliga-Einsatz.

    2002 ging Hofmann zu Rapid Wien, wo er mit einer halbjährigen Unterbrechung bei 1860 München im Jahr 2006 noch heute spielt und mittlerweile den Vereinsrekord von 527 Pflichtspielen eingestellt hat. Mit Rapid holte sich Hofmann 2005 und 2008 die österreichische Meisterschaft. 2010 wurde er als Mittelfeldspieler mit 20 Treffern auch österreichischer Torschützenkönig. Für Rapid bestritt er bisher 423 Bundesliga-Spiele mit 97 Toren und 178 Torvorlagen. Dazu kamen 73 Europapokal-Spiele mit 25 Toren und 21 Vorlagen.

    Zu Österreichs Fußballer des Jahres wurde er von Trainern, Spielern oder Zeitungslesern insgesamt neunmal gewählt. Hofmann ist verheiratet und hat drei Kinder. hst

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