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    Hamburg (dpa)

    Pokalgewinn für THW Kiel „ein Meilenstein”

    Der Pokalsieg des THW Kiel ist auch ein persönlicher Erfolg für Trainer Alfred Gislason. Der Kritik an ihm und seiner Mannschaft war zuletzt heftig. Jetzt genießt er.

    Kapitän Domagoj Duvnjak (vorne) feiert mit seinen Team-Kollegen den Gewinn des DHP-Pokals. Foto: Axel Heimken

    Trainer Alfred Gislason lehnte lässig an der Wand und schaute triumphierend in die Runde. Sein Team THW Kiel ließ derweil den Handball-Pokal und manche Sektflasche durch die eigenen Reihen wandern.

    Das 29:23 im Pokalfinale gegen den Bundesliga-Tabellenführer SG Flensburg-Handewitt war eine besondere Genugtuung für den Coach. „80 Prozent der Experten hatten auf Flensburg getippt”, sagte der Isländer. „Ich habe immer gesagt: Wir sind auf dem richtigen Weg.”

    In den vergangenen Monaten musste sich Dauermeister THW reichlich Kritik für Spielweise und Niederlagen gefallen lassen. Von dem berauschenden Hochgeschwindigkeits-Handball vergangener Jahre war zuletzt nicht mehr viel zu sehen. „Wir sind im Umbruch. Die jungen Spieler sind noch nicht so weit. Dafür brauchen wir Zeit”, hatte Gislason die Kritik stets pariert und um Geduld gebeten.

    Das handballverrückte und erfolgsverwöhnte Kiel, das Pokale und Meisterfeiern auf dem Rathausplatz wie feste Jahrestage einplant, ist jedoch schwerlich auf Entzug zu setzen. Zumal der Mannschaft im vergangenen Jahr erstmals seit 2003 kein Titelgewinn gelungen war und die Fans ein ähnliches Fiasko nicht noch einmal erleben wollten.

    Der souverän herausgespielte Pokalsieg überstrahlt vieles, wird aber manch Rückfall in holprigen Handball nicht verhindern können. Jedoch hat die Mannschaft gezeigt: Wenn es darauf ankommt, läuft sie zu großer Form auf und beeindruckt mit gewaltiger Willensstärke. „Spiele werden eben auch im Kopf entschieden”, sagte Nationaltorhüter Andreas Wolff. Das war gegen Flensburg so, das war auch gegen die Rhein-Neckar Löwen so, als der THW sie aus der Champions League warf.

    Gislason genoss den Erfolg, der zehnte Pokalsieg ist für ihn eine Art Entschädigung. Denn die Kritik auch an seiner Arbeit hatte ihm mehr zugesetzt als er zugeben wollte. „Das geht mir so was am Arsch vorbei”, lautete kürzlich seine Retourkutsche an Kritiker und Grantler. Jetzt gibt er zu: „Dieser Erfolg ist extrem wichtig und bedeutet mir sehr viel. Ich weiß, was ich mache. Dieser Titel ist anders als andere. Es ist ein Meilenstein in unserer Entwicklung.”

    Höchstwahrscheinlich wird Gislason im weiteren Saisonverlauf auf seinen überragenden Kapitän verzichten müssen. Domagoj Duvnjak will sich endlich am lange verletzten Knie operieren lassen. „Dass er sich nicht schont und der Mannschaft helfen will, zeigt seine Qualität als Handballer, aber auch als Kapitän”, würdigte Torhüter Wolf den Rückraumspieler. Geschäftsführer Thorsten Storm berichtete, dass er Tränen in den Augen hatte, als er den Kroaten im Finale mit sieben Toren glänzen sah. „Danke, Dule”, sagte Storm. Und Duvnjak nickte, als wollte er sagen. „Da nicht für. Kein Ding.”

    Von Franko Koitzsch, dpa

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