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    Eine vermaledeite Szene

    Fußball (jüs) Toto-Pokal, 1. Hauptrunde auf Verbandsebene TSV Rannungen – FC Würzburger Kickers 0:8 (0:4) Diese eine verflixte Szene kurz vor Spielende wog weit schwerer als die acht Gegentore zuvor.

    Reichlich Verkehr gab es immer wieder vor Rannungens Keeper Florian Erhard angesichts Würzburger Offensivfreuden.Foto: J...

    Fußball (jüs)

    Toto-Pokal, 1. Hauptrunde auf Verbandsebene TSV Rannungen – FC Würzburger Kickers 0:8 (0:4)

    Diese eine verflixte Szene kurz vor Spielende wog weit schwerer als die acht Gegentore zuvor. Verdacht auf Kreuzbandriss bei Julian Stahl, einfach so nach einer Allerwelts-Bewegung. Kein Foul, nicht einmal eine Berührung eines Gegenspielers lag vor. Behandlungspause, Transport ins Krankenhaus – und sichtlich geschockte Mitspieler, die nach dem Schlusspfiff von Schiedsrichter Steffen Mix einen Kreis bildeten. Mittendrin der Trainer, der da mehr den Psychologen denn den Übungsleiter gab, um seine Truppe an das Gute zuvor zu erinnern.

    Eine Portion Selbstvertrauen

    Was ja wirklich gut war, weil ein 0:8 gegen einen Drittligisten nun mal ein vorzeigbares Ergebnis ist für einen Aufsteiger in die Bezirksliga. „Die Sache mit Julian tut richtig weh. Ansonsten war ich absolut zufrieden. Als wir den Respekt abgelegt haben, haben wir mutig und couragiert gespielt. Und wir werden am Sonntag mit einer Portion Selbstvertrauen nach Wiesentheid reisen“, schaute TSV-Übungsleiter Klaus Seufert in die nahe Zukunft. Weil es ja weiter gehen muss, auch wenn die „18“ wohl länger fehlen wird.

    Kein Pflichtspiel hatte der Zweitliga-Absteiger in 2017 gewonnen, und dieser Makel sollte in der ersten Runde des bayerischen Verbandspokals endlich von den Rothosen gewaschen werden. Entsprechend zielstrebig starteten die Mainfranken vor den 881 zahlenden Zuschauern, darunter nur wenige Kickers-Fans, in die Partie.

    Nach zehn Minuten führten die Gäste aus der Bezirkshauptstadt bereits mit 2:0 durch den Kopfball von Franko Uleac und den 18-Meterschuss von Emanuel Taffertshofer. Kaum zu sehen für TSV-Torsteher Florian Erhard, der mit starken Aktionen ein zweistelliges Ergebnis zu verhindern wusste. „Man muss von Beginn an das Tempo haben und hellwach sein. Das ist in solchen Partien entscheidend. Und wenn du dann ein, zwei Tore machst, wird es auch einfacher. Man hat gesehen, dass die Spieler Spaß daran hatten, sich Tore zu erarbeiten und Chancen zu erspielen“, sagte Kickers-Trainer Stephan Schmidt, der am Samstag auf weit mehr Gegenwehr stoßen wird im DFB-Pokalspiel gegen den SV Werder Bremen auf dem Bieberer Berg in Offenbach. Mit den vier Gegentreffern vor und nach der Pause konnten die Gastgeber sehr gut leben. Auch damit, dass die eigenen Akzente ob der vier Spielklassen Unterschied überschaubar blieben. Am hörbarsten von den Zuschauern gefeiert wurde die blitzsaubere Grätsche von Daniel Kraus gegen Simon Skarlatidis.

    „Das war ein Erlebnis, mal gegen Vollprofis zu spielen. Da ist alles präziser und einen Tick schneller. Aber wir haben nach der Nervosität zu Beginn immer versucht, den Würzburger Druck mit spielerischen Mitteln zu lösen“, sagte Florian Erhard, der als Vereins-Vorsitzender noch etwas anderes los werden wollte: „Bei der Vorbereitung auf dieses Spiel haben uns die Kickers in jeder Beziehung top unterstützt.“ Unter anderem hatte der Neu-Bezirksligist kurzfristig einen Vorverkauf im TSV-Sportheim auf die Beine gestellt, der gut angenommen wurde.

    Nicht nur deshalb zeigte sich Michael Hobelsberger angetan von der reibungslosen Organisation. Gut 60 Helfer hatte der TSV Rannungen an diesem Abend aufgeboten, um allen Anforderungen gerecht zu werden. „Das lief alles professionell ab und zeigt die Rannunger Gemeinschaft. Trotz der 1000 Zuschauer gab es an den Verpflegungsständen keine Wartezeiten“, bilanzierte der TSV-Abteilungsleiter, dessen Sohn Benno übrigens ins Gücker-Kostüm geschlüpft war und gemeinsam mit dem Kickers-Maskottchen für einen bunten Farbtupfer am Spielfeldrand sorgte. Im „Kalle vom Dalle“ steckte mit Maximilian Büttner tatsächlich ebenfalls ein Rannunger.

    „Seit April teile ich mir diesen 'Job' bei Heimspielen auf dem Dallenberg mit einem Bekannten. Schon seit Regionalliga-Zeiten hatte ich Kontakt zu den Kickers, der nie abgerissen ist. Heute ist das quasi eine Ausnahme, aber die liegt ja nahe“, sagte der 30-jährige TSV-Kicker kurz vor der Verwandlung in den fotogenen Fantasie-Fuchs. Gute Laune allerorten – bis zu dieser vermaledeiten Szene.

    Rannungen: Fl. Erhard – Kraus (73. Wolf), Gehrig, J. Stahl, M. Leurer (58. Faulstich) – Berninger, P. Leurer, Herbig (46. T. Stahl), Kaufmann, Röder – Fa. Erhard. Tore: 0:1 Franko Uzelac (7.), 0:2 Emanuel Taffertshofer (9.), 0:3 Enis Bytyqi (17.), 0:4 Simon Skarlatidis (30.), 0:5 Felix Müller (53.), 0:6 Enis Bytyqi (64.), 0:7, 0:8 Dominic Baumann (71., 88.).

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