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    FUSSBALL: BEZIRKSLIGA WEST

    Straßberger und das Prinzip Hoffnung

    Aufgeben? Nicht doch! Trotz der heiklen Lage Bayern Kitzingens verbreitet Trainer Burkhard Straßberger weiter Mut – und erklärt, was für die Rettung passieren muss.

    Urgestein und Daueroptimist: Bayern Kitzingens Trainer Burkhard Straßberger. Foto: Michael Kämmerer

    Abstieg aus der Fußball-Landesliga, Trainer weg, Sportleiter weg, Letzter in der Bezirksliga und jüngst ein 0:9 in Schweinheim – der Herbst hat bei Bayern Kitzingen nicht nur im Kalender Einzug gehalten. Als „Nothelfer“ versucht sich derzeit Bayern-Urgestein Burkhard Straßberger. Der Daueroptimist hat – trotz vieler Widrigkeiten – den Klassenverbleib noch nicht abgeschrieben. Wie kritisch beurteilt der 53-Jährige die Lage des Vereins? Wo sieht er noch Hoffnung? Ist das nur Zweckoptimismus oder realer Glaube?

    Frage: Herr Straßberger, wie schätzen Sie die aktuelle Lage der Mannschaften Bayern Kitzingens ein?

    Burkhard Straßberger: Nun ja, bei der ersten Mannschaft hatten wir zuletzt Personalprobleme, dieses Wochenende sollte es zu einer ganz normalen Aufstellung reichen. Beim 0:9 in Schweinheim kam alles Ungünstige zusammen.

    Als Außenstehender hat man den Eindruck, dass bei Bayern Kitzingen derzeit ständig Brandherde entstehen – und Sie kommen gar nicht nach mit den Löscharbeiten.

    Straßberger: Dass es sportlich im Moment schwierig ist, ist klar. Björn Auer hat vor sieben Wochen als Trainer aufgehört. Er hatte sich von einigen Spielern täuschen lassen, die Sachen versprachen, die letztlich nicht gehalten wurden. Nach dem Abstieg sagte mancher, er bleibe, wenn auch Auer bleibe. Das war leider nicht so. Der Kader wäre so stark gewesen, um in der Bezirksliga mitzuspielen, doch er hat sich reduziert und taugt nur für die Bezirksliga, wenn wirklich alle dabei sind.

    Die Statistik sagt, dass die Bayern diese Runde bereits 39 Spieler einsetzten. Wie erklärt sich so eine Fluktuation in fünfzehn Spielen?

    Straßberger: Darin stehen einige, die für uns sportlich sehr wertvoll gewesen wären, wie Daniel Mache oder Hans Hörner, der am Kiefer operiert wurde, sechs Wochen fehlte und danach noch einmal ausfiel. Es kommt eins zum anderen.

    Stammkräfte wie Marco Endres, Shawn Hilgert oder Tolga Arayici haben bisher kein Spiel gemacht. Wo sind die hingekommen?

    Straßberger: Das ist das Problem, das Björn Auer letztlich dazu brachte aufzuhören. Er hatte nach dem Abstieg und einiger Überlegung ja zugesagt, dass er bleibt. Die Spieler hatten in Gesprächen erklärt, dass sie weiter zur Verfügung stehen. Was in einzelnen vorgeht, kann man nicht immer nachvollziehen.

    Wollen die nicht mehr, oder können sie nicht?

    Straßberger: Das müssten Sie die Betreffenden schon selbst fragen, dazu kann ich nichts sagen. Björn Auer war es wichtig, dass zwei von ihnen bleiben. Mit ihnen hätte er Perspektiven gesehen.

    Wie fühlen Sie sich derzeit? Trifft es die Bezeichnung Feuerwehrmann oder Nothelfer?

    Straßberger: Irgendwo zwischendrin sehe ich mich. Ich hätte das Ganze nicht gebraucht, es war auch nicht mein Plan, die Aufgabe zu übernehmen. Aber in der Situation kriegst du als Verein keinen neuen Mann, dann nimmst du halt einen bewährten, der den Verein und die Mannschaft bereits kennt.

    Die Gerüchteküche brodelt. Es heißt, im Winter verlassen weitere Spieler den Verein. Stimmt das?

    Straßberger: Das ist ganz normal. Sobald es im Verein nicht läuft, wie sich die Spieler das vorgestellt haben, kommen solche Gerüchte auf. Viele Vereine fragen mal bei den Spielern nach, wie es aussieht, das wird heute sehr schnell ausgenutzt, um Spieler anzugraben.

    Sie sehen keine Personalprobleme für die Rückrunde?

    Straßberger: Wir beurteilen nach den nächsten drei Spielen, wie es für die Rückrunde aussieht. Ist der Rückstand auf den Nichtabstiegsplatz aufzuholen, sehen wir mal. Die drei zuvor genannten Akteure haben ihren Spielerpass noch bei uns. Würden sie spielen, dann wäre die Situation eine andere.

    Muss man sich auch um die Reserve in der A-Klasse sorgen? Reicht dort das Personal?

    Straßberger: Die letzten vier Wochen hatten wir im Schnitt zwischen 16 und 22 Mann im Training der Reserve. Das habe ich noch nie erlebt, dass eine zweite Mannschaft so gut besetzt ist. Letzte Woche haben sich zehn Spieler krank mit Grippe abgemeldet. Wir konnten zuletzt teilweise gar nicht alle einsetzen, die spielen wollten.

    Sportleiter Kabil Jabiri ist ja seit kurzem auch noch weg. Wer macht die Planungen bei den Bayern?

    Straßberger: Wir haben eine Vorstandschaft, in der viele frühere Fußballer sind, und im Hintergrund sind noch weitere, die sich über Jahre mit einbrachten. Der Sportleiter ist ja erst seit kurzem weg. Seine Arbeit ist auf mehrere Schultern verteilt. Es werden Gespräche geführt, aber es geht nicht so schnell.

    Haben Sie bei den Bayern schon einmal so eine Situation erlebt?

    Straßberger: Es kam immer mal vor, dass es sportlich nicht so lief. Ich sehe das Ganze nicht so dramatisch, dass man sagen müsste: Es ist nichts mehr zu retten. Wenn wir komplett sind, ist der Klassenerhalt machbar. Wir werden an diesem Samstag eine Mannschaft aufbieten, die mit jeder Truppe in der Bezirksliga mithalten kann.

    Wie geht es nach den drei Spielen für Sie weiter? Bleiben Sie Trainer?

    Straßberger: Ich habe hier bis zur Winterpause zugesagt. Dann werden wir uns zusammensetzen, um weiterzusehen. Wenn, dann mache ich aus dem einfachen Grund nicht weiter, dass wir im Frühjahr einen größeren Anbau am Haus planen. Daher habe ich schon den Posten als Jugendleiter abgegeben. Ich werde mich nicht aus allem hier zurückziehen, aber sicher nicht als alleiniger Trainer weitermachen. Denn das funktioniert zeitlich nicht.

    Wie nimmt der Verein die Lage wahr? Rücken die Verantwortlichen in diesen Zeiten enger zusammen? Hört man von außen, also den Stammzuschauern, nur Kritik?

    Straßberger: Es gibt immer Leute, die wussten, dass es hinterher falsch ist. Die Kritik hält sich momentan in Grenzen, weil jeder erkennt, dass die Spieler auf dem Platz ihr Möglichstes versuchen.

    Muss man sich um den sportlichen Weg Bayern Kitzingens nicht langsam Sorgen machen?

    Straßberger: Was heißt Sorgen? Die müssten wir uns machen, wenn wir als Ziel den Aufstieg ausgegeben hätten. Es kommt darauf an, was der Verein intern vorgibt und wo er dann steht.

    Den SC Schwarzach, der diesen Samstag mit dem früheren Bayern-Trainer Wolfgang Schneider nächster Gegner ist, hat man ebenso wenig wie Ihr Team so weit hinten erwartet.

    Straßberger: Wenn man sich den Weg der Schwarzacher realistisch ansieht, muss man feststellen: Sie sind in zwei Jahren zweimal aufgestiegen. Die Mannschaft hat sich kaum verändert, der Kader wurde ergänzt. Vor zwei Jahren in der Kreisklasse haben sie die Spiele trotz vielleicht mancher Fehler mit ihrer Qualität gewonnen. In der Bezirksliga sieht es anders aus, da werden diese Fehler bestraft und du verlierst. Wenn dann die Euphorie weg ist, ist eben alles nicht mehr so einfach. Die Spieler kommen an ihre Grenzen.

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