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    OLYMPISCHE WINTERSPIELE

    Bobfahrer Rasp: Der Beste zum Schluss

    Ein Unterfranke bei Winterspielen, das hat schon Seltenheitswert. Doch der Mainbernheimer besitzt sogar Chancen, als Olympiasieger im Viererbob zurückzukehren.

    Das Beste kommt zum Schluss. Und der Beste vielleicht auch. Der Viererbob-Wettkampf gehört traditionell zu den letzten Entscheidungen bei Olympischen Winterspielen. Auch in Pyeongchang werden die vier Läufe an den beiden Schlusstagen (Samstag, 24. Februar, und Sonntag, 25. Februar) gefahren. Deshalb steigt Christian Rasp mit den anderen Anschiebern, die nur in den drei deutschen Viererbobs zum Einsatz kommen, erst am kommenden Montag in den Flieger nach Seoul.

    Zuletzt war zu Hause in Berchtesgaden noch intensives Athletik-Training angesagt, mit bis zu zwei Einheiten am Tag. „Jetzt fahren wir ein bisschen runter“, sagt Rasp, der die Reise nach Südkorea kaum erwarten kann, seit ihn die bereits eingetroffenen Zweierbob-Besatzungen mit Handyfotos versorgen.

    Die letzten Olympischen Winterspiele in Sotschi vor vier Jahren hatte Rasp noch am Fernseher verfolgt. Damals war er Sprinter, mit einer 100-Meter-Bestzeit von 10,45 Sekunden. Er war gut, aber nicht sehr gut. Eine gewisse Stagnation gab es, zudem hinderten ihn Verletzungen. „Ich wusste, dass es die Option gibt, von der Leichtathletik in den Bobsport zu wechseln. Aber konkret beschäftigt habe ich mich damit noch nicht.“

    Weltcup-Debüt im Dezember 2016

    Ein Jahr später aber nahm Rasp mit großem Erfolg an einem Anschieber-Casting teil und sattelte um. Im Dezember 2016 gab es sein Weltcup-Debüt, mittlerweile ist der 28-Jährige aus Mainbernheim im Landkreis Kitzingen bereits einer der Weltbesten seiner Zunft in der Königsklasse des Bobsports. Dass ein Unterfranke an Winterspielen teilnimmt, besitzt schon Seltenheitswert. Doch Rasp hat sogar Chancen, als Olympiasieger im Viererbob aus Südkorea zurückzukehren.

    „Als ich Christian zum ersten Mal beim Anschieben gesehen habe, war mir klar: Den brauche ich“, sagt Johannes Lochner, sein Pilot. Rasp ist 1,83 Meter groß und 95 Kilogramm schwer. „Seine Körperstatur ist für den Vierer ideal“, sagt Lochner. „Er ist eher klein und beweglich. Aerodynamisch ist es optimal, dass er sich während der Fahrt komplett aus dem Wind nehmen kann.“ Deshalb sei Rasp der beste vierte Mann im Bob. „Er ist der, den man in Deutschland schlagen muss, wenn man da hin will.“ Für den Zweierbob bringt Rasp hingegen zu wenig Körpergewicht mit, deshalb fährt Lochner da mit einem anderen Anschieber.

    Das ist Rasps Job

    Die Job-Beschreibung von Christian Rasp selbst sieht so aus: „Ich muss am weitesten laufen, steige als Letzter ein, klappe die Seitenbügel ein, nehme eine aerodynamische Haltung ein. Und im Ziel bremse ich dann.“ Vor allem in den ersten fünf Sekunden eines um die 50 bis 60 Sekunden langen Durchgangs muss bei ihm und den anderen Anschiebern alles stimmen. Um wenige Hundertstel schlechtere Startzeiten als die Konkurrenz in der 15 Meter langen Anlaufzone können einen Verlust von einigen Zehntelsekunden im Ziel bewirken. Deshalb müssen die Anschieber athletisch gebaute, gute Sprinter mit explosiver Schnellkraft sein.

    Rasp und den ein Jahr jüngeren Lochner vereint der brennende Ehrgeiz, mit dem sie ihrem Sport nachgehen. Lochner weiß, was er an seinem Teammitglied hat: „Er ist so akribisch, arbeitet an sich und an der Technik und will sich immer noch verbessern. Es ist nicht alltäglich, dass sich ein Anschieber so engagiert wie er.“

    Und der Wettbewerb ist hart um die wenigen Plätze in den drei deutschen Top-Schlitten. Kurz vor den Spielen wechselte Lochner noch seinen Zweier-Anschieber Joshua Bluhm aus. Es gebe atmosphärische Störungen, hieß es von Verbandsseite. Der enttäuschte Bluhm wollte daraufhin auch im Vierer nicht mehr dabei sein. In Südkorea wird nun Christian Poser die Position zwei im Lochner-Vierer einnehmen, der eigentlich zum Team von Nico Walther gehört und mit ihm im Zweier fährt. „Im Wettkampf sind wir in dieser Besetzung noch nicht gefahren, aber es besteht kein Grund zur Sorge“, sagt Rasp.

    Es fehlt nur noch ein großer Titel

    Was das Ziel für Südkorea angeht, redet der als Top-Athlet freigestellte Polizeimeister nicht um den heißen Brei herum. Im vergangenen Winter wurde der Lochner-Bob mit Bluhm, dem Dortmunder Christopher Weber und Rasp Weltmeister, holte sich im Januar dieses Jahres auch die Europameisterschaft und gewann die Weltcup-Gesamtwertung mit vier Siegen in acht Rennen. „Da fehlt nur noch ein großer Titel – und der ist das Ziel.

    “ Lochner pflichtet ihm bei: „Es wäre ein Schmarrn, was anderes zu sagen.“ Seine größten Gold-Konkurrenten kommen mit den beiden Sachsen Francesco Friedrich und Nico Walther aus dem eigenen Lager. Leer ausgehen bei den Medaillen wird Deutschland, die erfolgreichste Bob-Nation der Geschichte, anders als vor vier Jahren ganz sicher nicht.

    Wie geht Rasp mit dem Druck um, der aus der Favoritenrolle durchaus erwachsen kann? „Druck hatte ich in den letzten drei Jahren eigentlich immer: bei der ersten Fahrt im Bob, beim ersten Rennen, bei der ersten WM. Aber ich brauche den Druck auch ein Stück weit. Das war schon in der Leichtathletik so. Im Training war ich nie überragend.“

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    Ein Preuße, der Spaß versteht

    In Pyeongchang logieren die befreundeten Teams Lochner und Friedrich, die beide Bobs des österreichischen Herstellers Wallner fahren, gemeinsam in einer großen Ferienwohnung unweit der Kunsteisbahn – und nicht im olympischen Dorf. Das hat seinen Grund. „Wir gehören zu den Letzten, die bei den Spielen noch ihren Wettkampf haben. Die anderen machen alle schon Party und dann hast Du im olympischen Dorf keine Ruhe mehr“, sagt Lochner, der auch in der Zweierbob-Konkurrenz schon eine Medaille gewinnen möchte.

    Wenn für den Vierer dann Party angesagt sein sollte, ist auch von Christian Rasp einiges zu erwarten. „Er ist keine Spaßbremse und ganz locker drauf“, beschreibt Oberbayer Lochner seinen Mitstreiter, den er wahrheitswidrig gerne als Preußen tituliert. Beim Feiern kommt aber eher der Unterfranke heraus: „Christian tendiert schon eher zum Wein als zum Weißbier“, sagt Lochner. Christian Rasp sieht das anlassbezogen. Ein guter Tropfen, der olympischem Edelmetall adäquat wäre, sollte im Deutschen Haus sicherlich aufzutreiben sein.

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