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    FUßBALL

    Strafanzeige wegen zweiter Unterschrift

    Schiedsrichterin erhebt schweren Vorwurf und legt ihr Amt als unterfränkische Frauen-Schiedsrichter-Beauftragte nieder.

    Gekränkte Eitelkeit? Nestbeschmutzung? Üble Nachrede? Oder doch Urkundenfälschung? Letzteres, und damit eine Straftat, steht im Raum, der Rest ist Spekulation. Der Jahreswechsel war für die Fußball-Schiedsrichter im Bezirk Unterfranken nicht so reibungslos verlaufen, wie sie sich das vorgestellt hatten. Bei den Neuwahlen auf der Bezirks-Hauptversammlung am 29. Dezember in Willanzheim erfolgte ein Positionswechsel alles andere als geräuschlos: Die Frauen-Schiedsrichter-Beauftragte Susanne Grams legte nicht nur ihr Amt nieder, sie hat bei der Aschaffenburger Polizeidienststelle auch Anzeige gegen Unbekannt gestellt. Ihr Vorwurf: Urkundenfälschung. Der Streitwert: 22,10 Euro.

    Alles nahm seinen Lauf im Juni beim Bezirksliga-Lehrgang der unterfränkischen Schiedsrichter. Grams, die für die Gruppe Aschaffenburg pfeift, musste in ihrer Doppelfunktion als Funktionärin des Bayerischen Fußball-Verbands (BFV) bereits einen Tag früher anreisen, konnte nicht mit ihren Kollegen gemeinsam fahren. Somit wurden Fahrtkosten in Höhe besagter 22,10 Euro fällig. Die Grams („in Absprache mit Michael Walter vom Verbandslehrstab“) drei Monate später über das entsprechende BFV-Onlineportal abrechnen wollte – was abgelehnt wurde.

    Denn: Laut Verband soll Grams die Spesen bereits beim Lehrgang in bar und gegen Unterschrift erhalten haben. Was die Schiedsrichterin bestreitet: „Ich habe dort meine Anwesenheit quittiert, aber keine zweite Unterschrift getätigt.“ Und deshalb stellte sie Strafanzeige wegen Urkundenfälschung. „Mir geht es nicht um das Geld. Ich hoffe nur dass geklärt wird, wer die zweite Unterschrift erbracht hat. Die unterscheidet sich nämlich schon deutlich von der ersten.“

    Das „deutlich“ nimmt Bezirksschiedsrichterobmann Norbert Kröckel bewusst raus, räumt ein, dass das „s“ im Nachnamen minimal abweiche, doch „im üblichen Bereich. Der Grundzug der Unterschrift ist absolut identisch.“ Er schließt stellvertretend für den Bezirk aus, ein Anderer als Grams selbst hätte beide Unterschriften geleistet, und sieht keinen Weg zur Einigung: „Wenn Jemand eine Behauptung aufstellt, die objektiv nicht zu halten ist, gibt es selten einen Konsens.“ So sei auch ein Mediationsgespräch zwischen den beteiligten Konfliktparteien am 18. Dezember ergebnislos geblieben.

    Das bestätigt auch Bezirksvorsitzender Jürgen Pfau, der das Gespräch moderiert hatte. Er bestätigt, dass die Ausgabe bereits nach dem Lehrgang als Barauszahlung gegen Unterschrift verbucht worden sei. „Wer würde sich wegen 22,10 Euro verleiten lassen, sich zu bereichern?“ Pfau stellt die Frage nicht ohne Grund, lässt er eine ganz andere Motivation im Raum stehen: gekränkte Eitelkeit. So war Grams, die nach ihrem Eintritt in die Schiedsrichter-Gilde 2010 einen schnellen Aufstieg hingelegt hatte, 2017 wieder aus der Landesliga abgestiegen. Und in der Bezirksliga war ein Beobachter-Bogen nach einer Dissonanz zwischen Beurteilung und Note zu ihren Ungunsten korrigiert worden.

    Nach dem ergebnislosen Mediationsgespräch hatte Grams kurz vor Weihnachten die Obleute im Bezirk per Mail von ihrem Rücktritt informiert und dies auch auf der Bezirksversammlung in Willanzheim persönlich vorgetragen.

    Dort ging der Konflikt in seine bis dato letzte Runde: Grams beklagt sich, Verbandsschiedsrichterobmann Walter Moritz habe sie als Nestbeschmutzerin bezeichnet, worauf sie die Sitzung vorzeitig verlassen habe – „nicht ohne einige nicht druckreife Aussagen“, wie Kröckel sagt. Zunächst will Grams weiter als Schiedsrichterin tätig sein, schließt aber einen Rückzug aus den qualifizierten Klassen in die Gruppenebene nicht aus.

    Derweil wurde in Willanzheim Norbert Kröckel einstimmig als Bezirksschiedsrichterobmann gewählt. Nun muss er nur noch vom Bezirkstag an 9. März bestätigt werden.

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