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    BEACHHANDBALL:

    Von Aushilfen zu Meistern in fünf Monaten

    Für den Lohrer Maximilian Schmitt und den Nüdlinger Fabian Tatzel beginnt ihre Reise zur deutschen Meisterschaft mit dem Anruf eines Versicherungsvertreters.

    Es ist ein bisschen wie bei einem Länderspiel. Fabian Tatzel und Maximilian Schmitt stehen still, die Hände hinter dem Rücken verschränkt. Auch die Zuschauer sind aufgestanden, manche blicken auf das Schwarz-Rot-Gold der deutschen Fahne, das vier im Sand knieende Kinder präsentieren. Vor dem Finalspiel bei der deutschen Meisterschaft im Beachhandball in Berlin wird die Nationalhymne gespielt und gesungen. Schmitt und Tatzel, die in der Halle für den HSC Bad Neustadt spielen, tragen auf Sand das Trikot der SG Schurwald, einem Team aus Rechberghausen in Baden-Württemberg. Die ein spannendes Finale im Shoot Out gegen den BHC Beach & Da Gang aus dem hessischen Münster gewinnt. Tatzel, Schmitt und ihre Beachkumpels sind deutscher Meister. „Ein unglaubliches Erlebnis“, sagt Maximilian Schmitt.

    Anruf des Versicherungsvertreters

    Für den Lohrer Schmitt (25) und den Nüdlinger Tatzel (21) beginnt ihre Reise zur deutschen Meisterschaft mit dem Anruf eines Versicherungsvertreters. Alexander Schmid klingelte bei Maximilian Schmitt an. „Bei ihm habe ich meine Sportversicherung“, sagt der HSC-Kapitän über den Kreisläufer des Süd-Drittligisten TSB Horkheim, „und bin mit ihm gut befreundet.

    “ Mit Schmitts Versicherung hatte Schmids Anruf im März allerdings nichts zu tun. Stattdessen wollte er ihn für seine Beachhandball-Mannschaft rekrutieren. Die SG Schurwald spielt seit 2010 Beachhandball und war im Frühjahr auf dem besten Weg, sich für die deutsche Meisterschaft zu qualifizieren. Vor den Turnieren in Münster und Ismaning, wo die noch fehlenden Qualifikationspunkte gesammelt werden sollten, plagten das Team aber personelle Probleme. Maximilian Schmitt hatte Lust, auszuhelfen, und brachte mit Fabian Tatzel sogar noch einen Torwart mit.

    Im Beachhandball ist vieles anders als beim Hallenhandall. Nicht nur, weil nicht getippt werden kann und das Spiel ohne Körperkontakt geführt wird. Auf Sand spielen je vier Spieler inklusive Torwart gegeneinander, der Wurfkreis ist rechteckig, die Halbzeiten dauern zehn Minuten und werden getrennt voneinander gewertet. Endet ein Spiel 1:1, kommt es zum Shoot Out, vergleichbar mit dem Penaltyschießen im Eishockey. Gelingt dem Torwart oder einem für ihn eingewechselten Angriffsspezialisten ein Treffer, gibt es dafür zwei Punkte. Ebenso wenn ein Tor per Kempa-Trick oder nach einer 360-Grad-Drehung erzielt wird.

    „Am Anfang hatte ich so meine Probleme mit den Würfen nach einer Pirouette. In der Halle kann ich auf die Hand des Schützen schauen“, sagt Fabian Tatzel, „am Beach kann man kaum reagieren.“

    Feinkörniger Farbtupfer

    Sand, soweit das Auge reicht: In der Nähe des Berliner S-Bahn-Haltepunkts Nordostbahnhofs liegt eine der größten Beachvolleyballanlage Europas: Beach Mitte. Ein feinkörniger Farbtupfer inmitten der Stadt, in direkter Nachbarschaft zu einem Bürokomplex der Deutschen Bahn. Dort hatte sich der Deutsche Handball Bund (DHB) über das Wochenende einige Courts für seine deutsche Meisterschaft im Beachhandball reserviert. „Beachhandball in der Hauptstadt, das allein war schon der Wahnsinn“, staunt Tatzel. „Diese drei Tage waren ein unglaubliches Erlebnis“, sagt Maximilian Schmitt, der als Angriffsspezialist im Wechsel mit Kim Schmid seine Mannschaft am ersten Turniertag zu zwei Siegen führte.

    Die beiden anderen Gruppenspiele gingen zwar verloren, dennoch „haben wir die Gruppe gut überstanden“, sagt Schmitt. Die Mannschaft hatte sich nicht nur gefunden, sie wurde im Laufe des Wochenendes sogar stärker. Am Samstag kam Dominik Weiß dazu, zweimaliger deutscher Nationalspieler in Diensten des Bundesligisten TVB Stuttgart. Am Sonntag Daniel Rebmann, in der Bundesliga für Frisch Auf! Göppingen aktiv und seines Zeichens Beachhandball-Nationaltorhüter. Viertelfinale und Halbfinale überstand die SG Schurwald „relativ souverän“, sagt Schmitt, „im Finale ging es gegen meinen Turnierfavoriten.“

    Den ersten Satz dominierte Beach & Da Gang, 22:15 endeten die ersten zehn Minuten. Im zweiten stellte die SG Schurwald die Taktik um, setzte verstärkt auf Torwart-Tore von Daniel Rebmann. Das zahlte sich aus und doch wurde es am Ende noch einmal richtig knapp. Als Rebmann einmal mehr abschloss und vorne aus dem Feld lief, schlug der Finalmoment von Fabian Tatzel. Er wechselte hinten zwischen die Pfosten, parierte den Wurf eines Gegners und hielt sein Team auf Kurs Satzgewinn. 22:16 endete der Durchgang für Schurwald, das Shoot Out musste über den Titel entscheiden.

    Dort war es Daniel Rebmann, dem wichtige Paraden gelangen und der selbst den letzten Treffer setzte: 7:6, die SG Schurwald war deutscher Meister. Mittendrin in der Jubeltraube: Maximilian Schmitt und Fabian Tatzel.

    Ein Luxusproblem

    Maximilian Schmitt hat jetzt allerdings ein Problem. Zugegeben, ein Luxusproblem. Als deutscher Meister hat sich die SG Schurwald für den EHF Champions Cup qualifiziert, bei dem Europas beste Mannschaft ermittelt wird. Gewissermaßen der Europapokal der Landesmeister. Auf Gran Canaria, auf einem Spielfeld direkt am Atlantikstrand von Maspalomas. Wenn man die Augen schließt, kann man sich die Traumkulisse vorstellen, fast sogar den Sand zwischen den Zehen spüren. Schmitt wird sich ausmalen müssen, wie sich die Kollegen fühlen werden. Der Termin liegt für den Lehrer Schmitt außerhalb der Ferienzeit und für den Handballer Schmitt inmitten einer Reihe wichtiger Spiele. Teilnahme ausgeschlossen.

    „Das ist eine einmalige Chance. Da muss man zugreifen“, sagt dagegen Fabian Tatzel, der beim HSC ja aus der Drittligamannschaft zurückgetreten ist. Und bei seinen Chefs und Kollegen auf Verständnis für seinen Urlaubswunsch Ende Oktober hofft. „Ich kenne viele von der Ismaninger Frauenmannschaft. Die haben sich jetzt schon das dritte Mal für Gran Canaria qualifiziert und mir gesagt, dass es dort überragend sein muss.“

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