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    TISCHTENNIS: BUNDESLIGA

    Die ideale Koalition

    Diese TSVler sind mit ihrem Auftreten die denkbar besten Botschafter ihrer Heimatländer.

    Sie harmonieren als Team: Mizuki Oikawa (von links), Kilian Ort, Darko Jorgic, Filip Zeljko und Trainer Koji Itagaki vom... Foto: Rudi Dümpert

    Logisch: Je höher der Aufstieg des Tischtennis-Bundesligisten TSV Bad Königshofen ging, desto weniger wurden erst die einheimischen, dann sogar die deutschen Spieler, desto häufiger osteuropäische, schließlich sogar asiatische. Seit sein jahrelanger Begleiter Christoph Schüller seine beruflichen Ziele über ein Auslandsstudium in Prag zu erreichen sucht und auch seine Grenzen in der Zweiten Bundesliga selbst erkannt hatte, blieb Kilian Ort als letzter Lokalmatador.

    Für beide Seiten ein Gewinn

    Alle deutschen Bundesligaspieler sind A- und B-Kader-Spieler – und für den TSV Bad Königshofen unerschwinglich. Mizuki Oikawa, Filip Zeljko und Darko Jorgic waren bezahlbar, weil jung und unbekannt. Riskant waren die Verpflichtungen von gerade der Pubertät entwachsenen, 18-jährigen Rohdiamanten ohne Zweifel. Aber sie waren entwicklungsfähig und für beide Seiten war es ein Gewinn. Möglicherweise hätten sie sich bei keinem anderen Bundesliga-Verein so entwickeln können, weil sie zu weniger Einsätzen gekommen wären. Diese Erfahrung machte der junge Portugiese Joao Geraldo, den es aus Bad Königshofen nach Ochsenhausen zog, wo er an Position 5 durchgereicht wurde. Er stand diese Saison drei von 13 Mal im Aufgebot, machte vier Spiele (1:3), wechselt nun nach Frankreich.

    Bei den drei Bad Königshöfern, dem Japaner Mizuki Oikawa (21, Bilanz: 7:12), dem Kroaten Filip Zeljko (20, Bilanz: 1:4) und dem Slowenen Darko Jorgic (19, Bilanz: 12:8) ist das anders. Zuerst dachte man, ohne Kilian Ort (21, Bilanz: 1:9) würde die Mannschaft vom TSV-Publikum nicht angenommen. Doch der Tischtennisfan denkt sportlicher und globaler, sieht die Leistung und den Menschen, der dahinter steht. Und mit diesem Trio hat Manager Andy Albert dreimal ein goldenes Händchen bei der Verpflichtung bewiesen. Leistung, Entwicklung und die Charaktere passen zusammen. Mit ihrem Auftreten sind sie die denkbar besten Botschafter ihrer Heimatländer. Derweil sind alle drei auf ihre eigene Art Sympathieträger. So verschieden sie sind, zeigen sie doch viele Gemeinsamkeiten. Die wichtigste: Unter der Regie von Kilian Ort haben die Individualsportler eine ideale Koalition von Mannschaftssportlern gebildet.

    Schüchterne Schönheit

    Bereits im dritten Jahr spielt Mizuki Oikawa beim TSV. So richtig, aus fränkischer Sicht, aufgeblüht ist er ja immer noch nicht. Oikawa ist wie die schüchterne Schönheit einer Amaryllis im japanischen Blumengarten: Schön, aber erst wunderschön, wenn sie voll aufgeblüht ist. Der introvertierte Japaner ist der inzwischen zur Nummer 1 der U21-Weltrangliste aufgerückt. Die Faust, wenigstens ab und zu nach einem tollen Schlag, hat er nach zweieinhalb Jahren endlich gelernt. Aber nur horizontal, nah am Körper. Nach oben gestreckt hielte er sie für respektlos dem Gegner gegenüber. Richtig jubeln gesehen hat man ihn vor ein paar Wochen zum ersten Mal, als er, den Jetlag in Körper und Kopf, gegen Grünwettersbach sein erstes Spiel 0:3 verloren, zwei Stunden später sein zweites im fünften Satz gegen den Nationalspieler Ricardo Walther mit 11:9 gewonnen hatte. Völlig erschöpft fiel er rücklings zu Boden, reckte beide Fäuste nach oben, stand dann aber rasch wieder auf und guckte verlegen, als müsste er sich dafür entschuldigen. Sein im Spiel zur wachsartigen Maske erstarrender Blick verrät nicht Freud nicht Leid. Doch das Publikum mag seine Bescheidenheit: Nach dem Spiel ein schüchternes, antrainiertes Winken und ein Danke per Kopfnicken mit leichtem Rundrücken.

    Nur annähernd so, wie es ihm Andy Albert beigebracht und Coach Koji Itagaki als ratsam bestätigt hat, muss es Oikawa vorkommen wie Ekstase.

    Völlig anders ist Filip Zeljko, seit eineinhalb Jahren im TSV-Trikot. In der Zweiten Bundesliga mit negativer Bilanz, hat Albert an ihm als viertem Mann festgehalten. Zeljko dankte es ihm mit bewundernswerter Loyalität. Es ist ja nicht einfach, immer topfit zu sein und damit rechnen zu müssen, doch nicht spielen zu dürfen. Durch Kilian Orts Probleme kam er aber bereits in fünf Spielen zum Einsatz. Siegbringend war sein Erfolg gegen Lubomir Jancarik gegen Mühlhausen. Wobei sich der Kroate, total extrovertiert, selber aufputscht zu jedem Punktgewinn und eine Klasse besser zu spielen scheint als im Vorjahr.

    Alles im sportlichen Rahmen

    Seit August und nur noch bis Ende März ist Darko Jorgic Teil des TSV, bevor er weiterzieht nach Saarbrücken. Das Thema ist durch, die Fans haben seine Entscheidung akzeptiert. Dass sie ihm nicht leicht fiel, dem Emotionsbündel, wenn er mental die Fans in sein Spiel mit einbezieht, sie Teil seiner Taktik werden lässt: alles im sportlichen Rahmen. Sein Spezialschlag, die Rückhand, als Peitsche, Topspin oder Block, ist absolute Spitze in der Liga.

    Spitze ist auch, wie er sich in ein Match hinein kämpft, Satzverluste absorbiert, immer positiv denkt und seinem Selbstvertrauen vertraut. Auf der Suche ist er noch nach einem probaten Mittel gegen Abwehr-Konter-Spieler wie Filus und Xi von Fulda.

    Unterdessen ist Andy Albert längst wieder beim Basteln, Telefonieren, Sondieren und Zusammenstellen eines Kaders für die kommende Bundesliga-Saison. Dass es immer so passt wie bisher, ist kein Automatismus, sondern harte Arbeit mit viel Fingerspitzengefühl.

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