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    TISCHTENNIS: ZWEITE BUNDESLIGA

    Die Halle bebt

    Acht Tischtennisspieler und über 500 Zuschauer, darunter der Bischof von Würzburg, verwandelten die Halle in Bad Königshofen für gut dreieinhalb Stunden in ein Tollhaus.

    Seinen ersten Auftritt in einem Heimspiel in dieser Saison bestritt Mizuki Oikawa für den Tischtennis-Zweitligisten TSV ... Foto: Rudi Dümpert

    Acht Tischtennisspieler und über 500 Zuschauer verwandelten am Samstagabend die Dreifachhalle in Bad Königshofen für gut dreieinhalb Stunden in ein Tollhaus. Sie verwöhnten sich gegenseitig mit absolutem Spitzensport auf der einen sowie Szenenapplaus und einer fantastischen Stimmung auf der anderen Seite. Hallensprecher Jürgen Halbig hatte das Publikum ja voller Respekt „auf ein wieder sehr enges Spiel“ bei der Begrüßung der Gäste aus dem Ruhrgebiet vorbereitet. „Und wenn sie noch so viele Punkte Rückstand und schlechtere Einzel-Bilanzen haben, reisen sie nie als Außenseiter an.“ Wie wahr. Selbst Borussen-Frontmann Erik Bottroff läuft nach eigenen Angaben „in dieser Halle und vor diesem Publikum immer zur Topform des Jahres“ auf.

    Stimmung wie beim Fußball

    „Ein schnelles 1:0 sagt man im Fußball“, verkündete Halbig nach dem nur im ersten Satz schwierigen 3:1-Doppel-Sieg von Ort/Vyborny gegen das ungarische Meisterpaar Majoros/Szudi. „Wir haben wirklich gut gespielt“, hielt der sonst sehr selbstkritische Leitwolf Richard Vyborny den Ball flach. Und er machte, weil der Borussia-Fanclub Rhön auch farblich und akustisch einen Touch von Fußball in die Halle brachte, in dem Stil weiter, als die Youngster Oikawa/Zeljko die beiden Oldies Bottroff/Fadeev 3:2 niedergekämpft hatten.

    Halbig jetzt wie im Fußballstadion: „Neuer Spielstand: Bad Königshofen zwei, Dortmund null.“ Es schien, als könnte diesmal wirklich der erste Heimsieg gegen die Schwarz-Gelben gelingen und etwas schneller zudem. Doch nach fast zwei Stunden stand es plötzlich 2:2 und dann sogar 2:3. Von wegen schneller.

    Das Einzel der beiden 20-Jährigen Kilian Ort und Bence Majoros war eines der besten und auf jeden Fall das längste und spannendste des TSV in den vier Jahren Zweite Bundesliga. „Fränkischer Jugendstil“ überschrieb die Süddeutsche Zeitung am Samstag eine Geschichte über den TSV Bad Königshofen. Und Kilian Ort hatte eine Herausforderung zu bestehen, an der er reifen kann, sportlich wie mental. Vier der fünf Sätze gingen in die Verlängerung. Im zweiten war der Tisch-Schiedsrichter Jürgen Ziegler ratlos, weil die alte Zähltafel nicht mehr über 21 hinaus reichte, zählte dann bis 2:4 für Majoros weiter, der ihn mit dem rekordverdächtigen 24:22 für sich entschied. Ort gewann den dritten Satz, verlor den vierten und fünften je 11:13. Wie würde er das verkraften? Kein Schlägerwurf nach gefühlten 20 vergebenen Satz- und zehn Matchbällen insgesamt. Handtuch vors Gesicht, einen Schluck aus der Flasche und dann die Kumpels anfeuern.

    Am anderen Tisch siegte der 2,04-Meter große Dortmunder Bottroff gegen den 1,61-Meter großen Japaner Oikawa, dem er im Vorjahr noch unterlegen war. Oikawa war geknickt: „Einmal spielt der wie die Nummer 10 der Weltrangliste, dann wie die 400. Er hat mich verrückt gemacht, sorry.“ Es kam aber noch dicker und der Besuch von Bischof Friedhelm Hofmann half zunächst auch nichts, als er der Partie Filip Zeljko gegen den ungarischen Einzelmeister Adam Szudi sehr lebhaft und applausfreudig direkt an der Box beiwohnte. Zeljko ging zwar in Führung, war dann der höheren Qualität von Szudi aber nicht mehr gewachsen – Zwischenstand 2:3. Dafür zeigte im Duell der alten Füchse Richard Vyborny eiserne Nerven, flotte Beine und sein bekannt lockeres Händchen und lieferte gegen Evgeny Fadeev den von ihm erwarteten Punkt zum 3:3 – gespielt waren bereits drei Stunden.

    Doch wer sollte die fehlenden drei Punkte nun holen? Das vordere Paarkreuz etwa, das im ersten Durchgang leer ausgegangen war? Genau. Mizuki Oikawa hatte keinen Knacks bekommen und zeigte dem Ort-Bezwinger Majoros mit 3:0, was eine Harke ist. Jürgen Halbig, von der Visite des Bischofs völlig aus seinem offensiven Konzept gebracht, meldete sich wieder zurück: „4:3, wir sind wieder im Geschäft.“ Und Kilian Ort drehte ebenfalls den Spieß um, legte den Oikawa-Bezwinger, den Vulkan Erik Bottroff still, ebenfalls 3:0 – und die Halle jubelte – 5:3. Und sie bebte erst recht, als Richard Vyborny auch sein zweites Einzel gegen Szudi in drei Sätzen gewonnen hatte zum 6:3 und ließ den Hallensprecher erst wieder zu Wort kommen, als die lang anhaltenden stehenden Ovationen beendet waren. Sie hatten das Gespür dafür, dass das hier der entscheidende Schritt zur Meisterschaft gewesen sein muss, die man dann in 14 Tagen beim letzten Spiel gegen Passau gebührend feiern will. Wenn nichts mehr dazwischenkommt.

    Die Statistik des Spiels

    Zweite Bundesliga TSV Bad Königshofen – Borussia Dortmund 6:3

    Oikawa/Zeljko – Bottroff/Fadeev 3:2 (12:10/6:11/11:8/2:11/11:8)

    Ort/Vyborny – Majoros/Szudi 3:1 (8:11/11:5/11:8/11:2)

    Oikawa – Bottroff 1:3 (10:12/11:7/7:11/10:12)

    Ort – Majoros 2:3 (14:12/22:24/11:7/11:13/11:13)

    Vyborny – Fadeev 3:1 (6:11/14:12/12:10/11:4)

    Zeljko – Szudi 1:3 (11:8/6:11/6:11/7:11)

    Oikawa – Majoros 3:0 (13:11/11:1/11:5)

    Ort – Bottroff 3:0 (11:8/11:8/11:6)

    Vyborny – Szudi 3:0 (11:5/14:12/11:5).

    Oberschiedsrichter: Trautwein (Uettingen).

    Zuschauer: 503.

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