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    Fußball: Ballkontakt

    Das Gesicht des TSV Stetten

    Er ist Trainer, Spartenleiter, 1. Vorsitzender, Schiedsrichter und war vor kurzem auch noch Spieler:

    Er ist Trainer, Spartenleiter, 1. Vorsitzender, Schiedsrichter und war vor kurzem auch noch Spieler: Kaum einer im Landkreis Rhön-Grabfeld vereinigt so viele ehrenamtliche Funktionen auf sich wie Oliver Zehe vom TSV Stetten. Er ist das Gesicht des Vereins.

    Der 29-Jährige, geboren in Schweinfurt, fing mit sechs Jahren das Fußballspielen beim TSV Willmars an. Sein Trainer hieß damals André Petzold, der ihn immer mit dem Auto zum Training abholte. Auf dem Kleinfeld spielte Oliver Zehe im Sturm. Zwei Jahre lang war er beim TSV Willmars aktiv, ehe ihm im Alter von acht Jahren eine seltene Krankheit diagnostiziert wurde. Diese führte dazu, dass sein rechtes Bein geschient werden musste und er dieses zwei Jahre lang nicht mehr belasten durfte.

    Mit zehn Jahren zog er von Sands nach Ostheim und zwei Jahre später fing er in der D-Jugend bei der SG Ostheim-Sondheim/Rhön wieder mit dem Fußballspielen an. Sein Trainer in dieser Zeit: Karl-Heinz Amthor, von allen nur „Charly“ genannt. Dieser war ein richtiger Kumpeltyp, der viel Ahnung vom Fußball hatte. Aufgrund seiner Krankheit war Oliver Zehe damals Ergänzungsspieler. Er musste sich langsam zurückkämpfen.

    In der C-Jugend kickte er dann unter Coach Günther Krines bei der SG Ostheim/Eußenhausen/Willmars. „Günther Krines war schon etwas strenger. Er wollte uns was beibringen und wollte auch Erfolg haben“, erinnert sich Oliver Zehe, der aufgrund seiner Krankheit notgedrungen vom Rechtsfuß zum Linksfuß wurde. Er agierte dann auf der linken Außenbahn. In der B- und A-Jugend spielte er für die SG Ostheim/Willmars. In dieser Zeit stand er unter den Fittichen von Stefan Knöss, der ein echter Kumpeltyp war.

    Mit 18 Jahren trat der TSV Stetten in Oliver Zehes Leben. Voraus ging ein Besuch des Bike-Weekends in Mellrichstadt. Mit dabei sein bester Freund Tobias Lindner. Auf diesem Event lernte Oliver Zehe Manuel Keller kennen. Durch ihn erhielt Oliver Zehe erstmals Kontakt zum TSV Stetten. Der TSV wurde sein neuer Verein. Dort trainierte er zunächst mit und wurde als Ergänzungsspieler in der ersten Mannschaft eingesetzt, und zwar als Stürmer.

    Seit 2014 fungiert er als Spartenleiter, seit November 2016 als Spielertrainer und seit März 2017 auch als erster Vorsitzender des TSV Stetten. In der kommenden Saison will er sich aber ganz auf seinen Trainerjob konzentrieren. Auf dem Platz will er nur noch als „Notnagel“ zur Verfügung stehen, schließlich ist er immer noch gesundheitlich eingeschränkt.

    Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus: Als erster Vorsitzender des TSV Stetten richtet Oliver Zehe schon jetzt seinen Fokus auf das Stetten-Turnier, das der TSV 2019 ausrichten wird. Dieses Turnier findet immer an Pfingsten statt, wobei sich daran neun Ortschaften, die den Namen Stetten tragen, beteiligen. Dieses Turnier hat längst Kultcharakter. „Wenn man das Stetten-Turnier gewinnt, ist dies gleichzusetzen mit dem Sieg in der Champions League“, schmunzelt Zehe. Kameradschaft werde beim Stetten-Turnier ganz groß geschrieben. „Freunde treffen und Spaß haben“, umschreibt er den Charakter dieser Veranstaltung.

    Auch als Trainer der ersten Mannschaft des TSV Stetten hat Oliver Zehe klare Ziele: Es gelte, das sogenannte „Mittelfeldloch“ der Tabelle zu überwinden, das sich in der vergangenen Saison in der B-Klasse auftat. Ein guter Platz im Mittelfeld soll in dieser Runde für den TSV Stetten in der B-3 herausspringen. Um dies zu erreichen, müsse aber die Chancenverwertung – das große Manko – verbessert werden. Als Trainer ist Oliver Zehe eher der Kumpeltyp („weil ich aus der Mannschaft komme“), der auf den Zusammenhalt seiner Mannschaft, auf den Teamgeist baut („jeder kämpft für den anderen“). Er betont jedoch gleichzeitig: „Wenn es mir aber zu bunt wird, haue ich schon mal auf den Tisch.“ Oliver Zehe verfügt über einen Kader, der knapp 20 Spieler stark ist. Sollte mal Not am Mann sein, dann würden Routiniers und Fußball-Legenden wie Michael Schilling, Ralf Hohmann und Michael Link wieder aushelfen. Zuletzt haben drei Asylbewerber mittrainiert, die ihre Fähigkeiten aufblitzen ließen.

    Was hat sich in den letzten Jahren im Regionalfußball verändert? Nach den Worten Zehes nehme das Interesse der Jugendlichen am Fußball immer mehr ab. „Es gibt viele gute, talentierte Fußballer Mitte 20, die keine Lust mehr haben, sich zu plagen, die nicht mit Kritik umgehen können und sich deshalb auch nicht mehr weiterentwickeln“, unterstrich Oliver Zehe.

    Oliver Zehe schwärmt von Stettens Herzlichkeit: „Hier bin ich mit offenen Armen empfangen worden. Ich fühle mich hier wie daheim.“ Sein eigentliches Zuhause ist aber Sands. Oliver Zehe ist ein Fan des FC St. Pauli, der etwas andere Fußballverein. „Ein Club so wie ich“, spielt er wohl auf seine positive „Fußball-Verrücktheit“ an.

    Von Heiko Rebhan

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