• aktualisiert:

    BASTIANS BEGEGNUNGEN:

    Vom Kriegsgerät zu Olympia

    Unser Mitarbeiter Bastian Reusch hat die Grafenrheinfelder Bogenschützen besucht.

    Wohl kaum ein Sportgerät der Moderne kann eine solch lange Geschichte aufweisen wie der Bogen. Bereits seit ungefähr 14000 Jahren nutzen Menschen diesen mit Pfeilen, wobei sich die Nutzung grundlegend gewandelt hat. Neben der Jagd war der Bogen eine wirksame Fernkampfwaffe in vielen kriegerischen Auseinandersetzung bis in die frühe Neuzeit.

    Die berühmtesten Vertreter der schießenden Zunft in bewaffneten Konflikten waren in Europa die Mongolen im Osten, im Südosten die Türken und ab dem Hochmittelalter die englischen Langbogenschützen, durch die England im Hundertjährigen Krieg mehrere Schlachten gegen Frankreich trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit für sich entscheiden konnte. Mit der Entwicklung von Schusswaffen wie Musketen verlor der Bogen seine überragende Stellung und wurde als Hauptwaffe im Fernkampf abgelöst.

    Auch die Entwicklung als Sport vollzog sich zunächst in England vom 16. bis ins 19. Jahrhundert, wobei die erste Organisation hierfür 1790 entstand und britische Meisterschaften ab 1844 ausgetragen wurden. Im viktorianischen Zeitalter übten diesen vor allem Frauen aus, da Frauen übermäßige Bewegung untersagt war - man befürchtete durch zu viel Aktivität könnte die Fruchtbarkeit beeinträchtigt sein.

    Bereits 1900 bis 1920 im Olympischen Kanon vertreten, kehrte der Bogensport 1972 zu den Spielen zurück.

    So kam ich also zum Schützenverein nach Grafenrheinfeld und bekam nach der Begrüßung von Trainer Gerd Bock erstmal eine zusammengerollte Zielscheibe in die Hand gedrückt. „Schau mal da durch, wie durch ein Fernrohr“, kam die Aufforderung, der ich etwas irritiert nachkam. Doch die Erklärung folgte auf dem Fuß: „Beim Bogenschießen geht es nicht darum ob du Rechts- oder Linkshänder bist, es geht um das dominante Auge, das Auge mit dem man zielt.“ So stelle man sicher, dass man den Bogen in einem richtigen Winkel zum Ziel hält und nicht schon beim Zielen Fehler macht. So bekam ich also einen Rechtshänderbogen und atmete innerlich auf, da meine linke Hand noch gut ist um Dinge zu halten oder tragen, aber nicht zu viel mehr.

    Hernach erklärte mir Bock die verschiedenen Bögen und es zeigte sich, dass die Auswahl mannigfaltig ist. Von Blankbögen über Jagdbögen bis hin zu Recurvebögen und Compoundbögen mit und ohne Visier ist alles möglich. Ebenso verhält es sich beim Modus. Hier variieren die Entfernungen und Größen der Scheibe je nach der Klasseneinteilung der Schützen, wobei des „manchmal verwirrend ist, es gibt mittlerweile für eigentlich alles eine eigene Klasse“, meint Schützin Diana Machacek. Auch muss man bei der Auswahl der Pfeile darauf achten, dass diese zum Bogen passen, die Länge ist dabei genauso wichtig wie das Material.

    Dann kam der Moment des Ausprobierens. Ausgerüstet mit einem Übungsbogen und einigen Pfeilen ging es ans Schießen. „Das wichtigste ist ein sicherer Stand“, erklärte mir Bock, „die Füße müssen schulterbreit auseinanderstehen, Schultern und Hüfte bilden eine Linie zur Scheibe.“ Gesagt, getan. Und nach einigen Fehlversuchen sprang sogar einmal Gold heraus – aus immerhin zehn Metern. „Das Bogenschießen geht sehr ins Mentale, es beruhigt und ist zusätzlich noch gut für den Rücken, da die Kraft für das Ankern, das Ziehen des Bogens, aus den Schultern kommt und nicht aus den Armen.

    Im Moment des Schusses gibt es nur dich, deinen Bogen und das Ziel. Die restliche Welt wird vollkommen ausgeblendet.“ Und damit hatte Bock recht. Lediglich die Konzentration auf den Schuss war in diesem Moment für mich wichtig.

    Besonders interessant war aber hernach das sogenannte 3D-Schießen. Hierbei bewegt man sich im freien Gelände und schießt auf extra hierfür aus Holz und Pappmaché gebastelte Tiere, es gibt sogar extra Wettkämpfe und Parcours. Ich hatte eigentlich wenig Hoffnung, etwas zu treffen, aber letztlich konnte ich doch eine erlegte Ratte und einen Kauz zu meiner hungrigen Familie mit nach Hause nehmen. Immerhin.

    Weitere Artikel

    Kommentare (0)

    Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!