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    FUßBALL: REGIONALLIGA BAYERN

    FC 05 fällt bei Charaktertest durch

    Auch beim 0:3 in Eichstätt werden die Schweinfurter Opfer ihrer Überheblichkeit: Ohne Biss und Leidenschaft hätten sie beim Aufsteiger gar noch höher verlieren können.

    Böser Ausrutscher: Der FC 05 Schweinfurt um Lukas Billick (Mitte) ist bei Aufsteiger VfB Eichstätt um Jonas Fries und Lu... Foto: Johannes Traub

    Natürlich weiß Gerd Klaus, was man als Trainer der Auswärtsmannschaft bei einer Pressekonferenz so sagt. Und so waren seine ersten Worte nach der blamablen 0:3-(0:1)-Niederlage des FC 05 in Eichstätt auch Schmeichelei für den Gastgeber: „Bockstark“ hatte er den VfB gesehen. „Die waren uns in den Zweikämpfen weitaus überlegen, präsenter, haben sogar besser Fußball gespielt.“ Hinterher freilich redete Klaus Tacheles und den blutleeren Schweinfurter Auftritt alles andere als schön. Freilich war ihm nicht entgangen, dass seine Spieler zum wiederholten Male beim Charaktertest in der Fremde mit Pauken und Trompeten durchgefallen waren.

    Mitverfolger Nürnberg am Montag abgewatscht, Ingolstadt spielfrei, die Löwen mit einer 0:2-Pleite in Burghausen – alles war gerichtet für den Sturm auf Platz zwei bei nur noch sechs Punkten Rückstand auf den TSV 1860 München.

    Und dann das! Ohne Biss, ohne Zweikampfwille, ohne Wucht nach vorn, ohne (von Adam Jabiris Kopfball an den Außenpfosten gleich nach der Pause abgesehen) Torchancen ergaben sich die Mannen von Gerd Klaus ihrem Schicksal – bei einem fraglos starken Aufsteiger, der von der ersten Minute an forsch sein Heil in Angriffsfußball suchte und gar höher gewinnen hätte können als durch Treffer von Fabian Eberle (32., 65.) und Lucas Schraufstetter (51.). Alleine Letzterer hätte einen Hattrick vorlegen können, doch hielt 05-Keeper Alexander Eiban zweimal prima (6., 10.) und einmal ging der Ball knapp drüber (12.).

    „Wir schaffen es auswärts einfach nicht, so leidenschaftlich zu spielen. Wir haben da nicht die Einstellung des jeweiligen Gegners. Wir fordern es von den Spielern immer wieder ein, aber es kommt nicht“, schüttelte Klaus extrem verärgert den Kopf. Dass die Mannschaft nicht hinter ihm stehen könne, ist Humbug, schließlich zeigt sie daheim im Willy-Sachs-Stadion jeweils ein ganz anderes Gesicht.

    Vielmehr grenzen die auswärtigen Leistungen an Überheblichkeit: Rosenheim, Seligenporten, Unterföhring, Eichstätt – wer ist das schon? Da gehen die Schweinfurter nicht an die Grenzen, denken offenbar, das Plus an fußballerische Qualität müsse reichen. Es fehlt an einem Führungsspieler, der seinen Kollegen auf dem Platz und in der Kabine in den Allerwertesten tritt, ihnen als kämpferisches Vorbild dient. Lukas Kling hätte so einer sein können, war jedoch meist verletzt bisher. Wie?s geht, zeigte der Schweinfurter Profitruppe mit dem Eichstätter Eberle ein Lehrer, der tagsüber seinem Beruf nachgeht: Noch in der Schlussminute rannte er sich beim Stand von 3:0 mit einem irren Spurt die Lunge aus dem Leib, nur um sich den Ball zu erkämpfen.

    Da blieb auch 05-Kapitän Lukas Billick, noch einem der Willigsten in Eichstätt, nur Schulterzucken: „Uns fehlt auswärts das Entschlossene, das Gezielte. Wir hatten vorher noch besprochen, viel aufs Tor schießen zu wollen. Und dann haben wir bis zur Pause keinen einzigen Torschuss.

    “ Es scheint mehr und mehr zur Kopfsache zu werden beim FC 05 – es fehlt in der Fremde komplett an jener unbändigen Willensstärke, mit der beispielsweise die Würzburger Kickers bei ihrer Regionalliga-Meisterschaft auf Dorfplätzen in letzter Sekunde noch einen dreckigen Sieg erzwungen haben. Und so verbot sich und seinen Kollegen Billick auch gleich den Blick aufs an sich willkommene Münchner Resultat: „Auf Sechzig brauchen wir wirklich nicht schauen, so lange wir dank unserer Auswärtsbilanz genug mit uns selbst zu tun haben.“

    Derweil sehnt sich Klaus nach der Winterpause: „Wenn wir uns in die noch halbwegs ordentlich rein retten, haben wir eine gute Chance oben dran zu bleiben. Denn in der Restrunde verlieren wir nicht mehr viele Punkte“, glaubt er fest daran, dass dann das immens gesteigerte, einige Frisch-Profis noch überfordernde Trainingspensum Früchte trägt. „Dann haben wir mehr Kraft als die meisten anderen.“ Helfen soll auch frisches Personal. Ein, zwei Spieler sollen noch geholt werden. Nichts wird?s jedoch mit Wunschkandidat Stephan Schröck. Der Ex-Fürther und Mittelfeld-Allrounder kommt auf den Philippinen nicht aus seinem Vertrag.

    Die Statistik des Spiels

    Fußball: Regionalliga Bayern VfB Eichstätt – FC 05 Schweinfurt 3:0 (1:0)

    Eichstätt: Gurski – Wolfsteiner, Waffler, Schmidramsl, Graßl – Panknin (66. Federl), Fries – Schäll (78. Kügel), Schraufstetter (87. Schröder), Scintu – Eberle.

    Schweinfurt: Eiban – Messingschlager, Strohmaier (55. Schlicht), Wolf (55. Jelisic), Paul – Fery, Billick – Willsch, Krautschneider, Weiß (46. Pieper) – Jabiri.

    Schiedsrichter: Benedikt Öllinger (SV Riedlhütte). Zuschauer: 780. Tore: 1:0 Fabian Eberle (32.), 2:0 Lucas Schraufstetter (51.), 3:0 Fabian Eberle (65.). Gelb-Rot: Sebastian Graßl (84., Eichstätt). Gelb: Waffler, Eberle – Paul, Jabiri, Messingschlager, Pieper.

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