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    BASEKTBALL: ALL-STAR-DAY

    Protest gegen Trump beim Allstar Day

    Wie die Reklameveranstaltung der Basketball-Bundesliga erstmals politisch wurde.

    Julian Gamble schmeißt den Basketball in hohem Bogen so in Richtung Korbanlage, dass er ihn nach dem Aufdotzen mit mächtig Karacho durch den Ring stopfen kann. Unterm Korb steht ein Mann mit Donald-Trump-Maske. Beim Sprung räumt der schwarze US-Amerikaner das Trump-Double mit seinen Beinen ab. Der US-Präsident liegt am Boden. Auf dem Rücken. Gamble reckt die rechte Faust in die Höhe. Dann geht er in die Knie.

    Willkommen beim ersten Allstar Day der Basketball-Bundesliga in postfaktischen Zeiten. Von wegen der Basketball im Allgemeinen und der Allstar Day im Besonderen können nicht auch politisch sein. Durch das Statement Gambles während des Dunking-Wettbewerbs ist die gesamte Veranstaltung an ihrem 30. Geburtstag erwachsen geworden und vermutlich erstmals auch über ihr Hauptziel hinausgewachsen, ausschließlich Reklame zu machen für eine von vielen Medien – auf jeden Fall vom Fernsehen – oft eher stiefmütterlich behandelte (Rand-)Sportart und deren Premium-Spielklasse in Deutschland.

    "Ich halte mich aus der Politik raus so gut es geht"

    Freilich: Sportler und Sportorganisationen tun sich mitunter nicht sehr leicht damit, Politik zu kommentieren – was man am Samstagabend in der Göttinger Lokhalle auch bewiesen bekam. Die den Showtag ausrichtende Bundesliga ordnete Gambles Aktion unter dem Stichwort „Meinungsfreiheit“ ein, die sie nicht bewerten wollte, wie ein Klassen-Sprecher sagte. Und auch landsmännische Kollegen Gambles, der für die Telekom Baskets Bonn Körbe verteilt, schlossen sich seinem Protest nicht vorbehaltlos an: „Ich halte mich aus der Politik raus so gut es geht“, sagte etwa Peyton Siva von Alba Berlin, der nach dem 145:132 (74:64)-Sieg der internationalen Auswahl von Medienvertretern zum wertvollsten Spieler dieser als Partie getarnten Schau gewählt wurde. Bei der hatten neben den in Diensten von s.Oliver Würzburg stehenden Spielern Maurice Stuckey (14 Punkte) und Robin Benzing (zehn) auch der komplette Trainerstab um Chefcoach Dirk Bauermann und das etatmäßige Baskets-Betreuerteam trotz der Niederlage ihren Heidenspaß – es war der neunte Erfolg der Importspieler im zehnten Duell.

    Dass die Akteure sich dabei weniger weh tun als im Training, versteht sich von selbst, und so viel gelacht und gegrinst wird auf dem Parkett sonst auch nicht. Freunde des spektakuläreren Balltanzes kommen voll auf ihre Kosten, weil es mit der Zeit bei Alley oops nur noch darum geht, wie lange die Kugel in der Luft ist, bevor sie durch den Ring gepresst wird, bei Dreiern, ob man es nicht auch mal aus der eigenen Hälfte versuchen mag, und bei den Dunkings darf man sich nur wundern, dass nicht mehrere Korbanlagen zerstört werden. Freilich alles kein Wunder, wenn zwei Mannschaften spielen, als würde die Annäherung an den Gegner auf weniger als einen Meter mit einem disqualifizierenden Foul bestraft.

    Ein Tag für die Fans

    „Der Tag ist für die Fans, und wir hatten alle viel Spaß“, meinte Benzing, und auch sein Trainer war angetan von der „guten und toll organisierten Veranstaltung“. Für sein Engagement als Coach der deutschen Auswahl bekam Ex-Bundestrainer Bauermann (wie sein österreichischer Kollege aus Bayreuth Raoul Korner) einen hochwertigen Hartschalentrolley geschenkt. Koffer für Trainer – das entbehrt nicht einer sicher unfreiwilligen skurrilen Symbolik.

    Gambles Kniefall erkannten bestimmt viele der weit über 3000 Zuschauer als Zeichen. Es war eine Art Reminiszenz an US-Sportler, die im vergangenen Jahr beim traditionellen Abspielen der Nationalhymne vor ihren Begegnungen kollektiv auf die Knie gegangen waren und so erst gegen Polizeigewalt und dann auch gegen Rassismus protestiert hatten. Und dafür von US-Präsident Trump heftigst bis beleidigend verbal abgewatscht worden waren.

    „Sein Einfluss ist negativ. Er ist nicht das, wofür ich als Amerikaner, als schwarzer Mann stehe“, sagte Gamble am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. „Es sind schwere Zeiten voller Rassismus für uns. In Europa teilt man die Menschen nicht in Schwarz und Weiß, hier ist man Amerikaner, Belgier, Deutscher. In den USA klassifiziert man die Menschen aber nach ihrer Hautfarbe, es gibt einen systematischen Rassismus.“

    Dirk Bauermann empfand Gambles Aktion als bedeutend: „Ich finde es bemerkenswert und richtig, wenn Athleten ihre Position nutzen, um auf schwerwiegende gesellschaftliche Missstände hinzuweisen. Ich unterstütze seinen Protest ausdrücklich.“

    Kritik von LeBron James

    In den USA kritisierte NBA-Superstar LeBron James Trump mehrfach aufs Schärfste, zuletzt trug er einen schwarzen und einen weißen Schuh, auf denen stand „Equality“: Gleichheit. Gamble meinte am Samstag: „Als Athlet – egal, ob du LeBron James bist oder ein Bundesligaspieler – bist du ein Vorbild, ob du es willst oder nicht. Ich denke, wir können einen positiven Wandel erreichen, wenn mehr Sportler es wollen.“ Mit Informationen von dpa

    Plan für Pokal-Reform

    Die Basketball-Bundesliga erwägt eine Reform des nationalen Pokals mit einer deutlichen Ausweitung des Teilnehmerfelds. „Wir denken über ein Modell mit 16 Teams nach, die ab dem Achtelfinale im K.o.-Modus starten“, sagte BBL-Geschäftsführer Stefan Holz beim Allstar Day in Göttingen. „Wir werden es aber nur machen, wenn es sportlich attraktiver ist, mehr Reichweite und mehr Geld generiert.“ Bislang spielen sechs Teams in der Qualifikation drei Halbfinalplätze aus. Zudem ist der Gastgeber des Top-Four-Turniers beim Final-Wochenende dabei. Halbfinale und Finale steigen heuer am 17./18. Februar in Neu-Ulm. dpa
    tbr

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