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    BASKETBALL: BUNDESLIGA

    Bamberg will größer denken

    Der alte und neue deutsche Basketballmeister steht vor einem größeren Umbruch. Und hat - wie Würzburgs Basketballer auch - Hallenträume.

    Andrea Trinchieri, am Sonntag mehrfach gebierduschter Meistertrainer, bei der Feier am Sonntagabend auf dem Bamberger Ma... Foto: Sportfoto Zink/Imago

    Gegen Ende bettelte Andrea Trinchieri dann sogar um Gnade. „Please, have mercy“, sprach der kleine Italiener mit dem Hang zur großen Geste, der in größerer Runde gerne mal einen auf Spaßvogel macht. Dann schob er noch ein paar „Bitte“ hinterher. Der 48-Jährige hatte auf der Pressekonferenz dem Fragesteller aus Nürnberg das Wort abgeschnitten, noch bevor der den Basketballtrainer zu seiner Zukunft befragen konnte. „Bitte, frag mich bitte nicht, ob ich bleibe. Und frag bitte auch nicht Spieler, ob sie bleiben“, flehte Trinchieri. „In diesem Moment ist die Zukunft zu weit weg.“

    In diesem Augenblick wollte der Meistertrainer feiern. Zu diesem Zeitpunkt wusste er auch nicht, dass sein Geschäftsführer Rolf Beyer in der Halbzeit des letzten Finalspiels um die deutsche Meisterschaft Trinchieris Bleiben im Gespräch mit dieser Redaktion bereits bestätigt hatte. Der Vertrag des Italieners galt zwar eh noch bis 2018 – was unter anderem EuroLeague-Teilnehmer Maccabi Tel Aviv freilich nicht davon abgehalten hatte, kräftig um Trinchieri zu buhlen.

    Trinchieris „süßester“ Erfolg

    Trinchieri, bis 2013 ausschließlich in seiner Heimat tätig, wo er zweimal zum Trainer des Jahres gewählt worden war, kam nach einem Jahr als Vereinstrainer im russischen Kasan, als er zeitgleich auch noch die griechische Nationalmannschaft betreute, 2014 zu Brose Bamberg. Am Sonntag feierte er mit den Oberfranken seine dritte deutsche Meisterschaft, zudem gewann er in dieser Saison den Pokal, das vierte Double in der Bamberger Vereinsgeschichte, der neunte Meistertitel insgesamt. Trinchieri nannte den jüngsten Erfolg den „süßesten“ – womöglich auch, weil er im März gar nicht mehr so selbstverständlich erschien wie in den Jahren zuvor. Vielleicht haben die Bamberger auch deshalb nach dem 76:58 (39:34) in der dritten Partie gegen den Überraschungsfinalisten EWE Baskets Oldenburg ausgelassener gefeiert als vergangenes Jahr.

    „Im März haben wir viele Spiele verloren“, sagte Trinchieri, es sei eine „harte, harte, harte, harte Zeit gewesen“. Im März hatten sie innerhalb von elf Tagen drei EuroLeague-Partien (davon zwei verloren) und zwei Bundesligaspiele zu absolvieren, dabei waren sie beim großen, selbst ernannten Rivalen Bayern München unterlegen und kassierten gegen den Hauptrundenersten Ulm die erste Heimniederlage nach 37 Siegen in Bundesliga und Pokal. Da kann man schon ins Zweifeln geraten – wenngleich Trinchieri behauptet: „Ich habe auch in dieser Phase gespürt, dass die Jungs unbedingt erneut Meister werden wollten.“

    Konsequenzen aus der Mammutsaison

    Als es darauf ankam, waren die Bamberger dann ja auch wieder auf der Höhe. Dem 92:93-Heimausrutscher gegen Bonn im ersten Viertelfinale folgten neun Siege. „Sweep“ nennen die Basketballer den Weg durch die Instanzen in kürzestmöglicher Zeit. Mit drei Wischs sind die Gegner weggefegt – vor allem das erneute 3:0 gegen die Bayern im Halbfinale dürfte den Bambergern besondere Genugtuung beschert haben.

    30 Spiele in der EuroLeague, 42 in der Bundesliga und drei im Pokal haben die Bamberger nach dieser Runde in den Knochen, und eine Erkenntnis aus dieser Mammutsaison könnte auch sein, dass der Kader noch breiter aufgestellt werden muss, soll die nationale Dominanz bewahrt und international mehr erreicht werden. Es wird ein Spagat, denn Bamberg steht vor einem Umbruch. Vor allem Nicolo Melli, Darius Miller und der deutsche Nationalspieler Daniel Theis haben mit ihren Auftritten das Interesse internationaler Schwergewichte geweckt. Melli und Miller sollen auf der Wunschliste von EuroLeague-Überraschungssieger Fenerbahce Istanbul stehen, und Theis schielt offenbar in Richtung NBA. „Wir werden den einen oder anderen Umbau in der Mannschaft haben, das wird wohl nicht zu vermeiden sein“, sagte Beyer am Sonntag, „aber wir sind natürlich auch stolz darauf, Spieler so entwickelt zu haben, dass sie interessant sind für den internationalen Markt.“

    Wunsch nach größerer Arena

    Die Richtung, in die die Oberfranken wollen, ist klar: endlich einmal unter die besten acht Europas. Beyer hofft auf einen kontinuierlichen Entwicklungsprozess: „Es ist ja nicht so, dass man sagt, man nimmt jetzt 30 Millionen und steht dann automatisch im Final Four“, also dem Endturnier der Königsklasse. „So geht das nicht“, meinte Beyer. „Wir haben dieses Jahr viel gelernt und auch viel Lehrgeld bezahlt. Wir müssen sukzessive wachsen.“ Dazu gehört womöglich auch eine größere Spielstätte. Beyer schließt aus, häufiger als ein paar Mal Gast zu sein in der Nürnberger Arena, wo die Bamberger zwei EuroLeague-Begegnungen austrugen. Ein Umzug scheitere schon an der Logistik, da die Halle durch Eishockey- und Handball-Bundesligisten sowie Konzerte gut ausgelastet ist.

    Das Tempo der Bayern

    Weshalb in Bamberg, wo praktisch jedes Heimspiel ausverkauft ist, – wie in Würzburg auch – der Wunsch nach einer neuen Arena groß ist. Bambergs Aufsichtsratsvorsitzender und Hauptgeldgeber Michael Stoschek hat unlängst bereits seinen Traum von einer 10 000 Menschen fassenden Halle kundgetan und möchte ihn vorantreiben. Auch, weil er davon überzeugt ist, „dass Bayern München ein Tempo vorlegen wird, das der Maßstab für alle anderen sein wird. Sie werden sich nicht zufrieden geben, immer wieder mit 0:3 gegen Bamberg zu verlieren.“

    Und in Bamberg werden sie sich nicht damit zufrieden geben, immer wieder „nur“ deutscher Meister zu werden. Wie sagte Beyer: „Wir müssen größer denken.“

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