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    BASKETBALL: BUNDESLIGA, MÄNNER

    Würzburgs Basketballer verspielen erneut eine Führung

    Die Bundesliga-Basketballer von s.Oliver Würzburg brachten im Derby bei medi Bayreuth erneut einen Vorsprung nicht ins Ziel. Am Ende unterlag das Bauermann-Team mit 80:86.

    Tattoo-Duell: Würzburgs Maurice Stuckey (rechts) im Zweikampf mit dem Bayreuther Gabe York. Foto: Heiko Becker

    Für einen kurzen Moment, im Anschluss an die offizielle Pressekonferenz, gewährte Dirk Bauermann dann doch einen tieferen Blick in sein doch ziemlich aufgewühltes Seelenleben. Dem sonst nach außen stets beherrscht auftretenden, seine Worte sorgsam und penibel auswählenden 59-Jährigen entfuhr ein hörbar verärgertes „Das ist natürlich irre, ein Witz“, als es um die Ursachenforschung der kurz zuvor erlittenen 80:86 (39:43)-Niederlage von Basketball-Bundesligist s.Oliver Würzburg im Franken-Derby bei medi Bayreuth ging. Für die Baskets war es die vierte Pleite in der Fremde in Folge, die fünfte aus den letzten sechs Begegnungen.

    Auslöser für Bauermanns erhöhten Puls war die Analyse seines Gegenübers Raoul Korner wenige Augenblicke zuvor gewesen. Der Österreicher mit abgeschlossenem Jura-Studium hatte doziert, dass am Ende jene Mannschaft gewonnen habe, „die in den letzten fünf Minuten etwas variabler aufgetreten ist und die Last auf mehrere Schultern verteilen konnte.“ Ein ziemlich unverhohlener Seitenhieb auf die vermeintliche eindimensionale Spielweise der Würzburger, in den entscheidenden Momenten die Verantwortung in die Hände von Nationalmannschafts-Kapitän Robin Benzing zu legen.

    „Natürlich zieht Robin mit seinen Fähigkeiten das Spiel an sich und übernimmt viel Verantwortung bei uns. Aber der Spielzug bei 80:84 ging beispielsweise über Kreso Loncar, der leider den offenen Dreier aus der Ecke nicht getroffen hat. So viel zum Thema Variabilität.“

    Recht haben dürften wohl beide Trainer mit ihrer Sicht der Dinge, und auch unter den Baskets-Anhängern ist mittlerweile eine veritable Debatte über Benzings Rolle entbrannt. Gefühlt wirkt das Baskets-Spiel tatsächlich sehr stark auf den 28-jährigen Liga-Topscorer zugeschnitten. Benzing aber damit – zumindest unterschwellig – als Teil des Problems einzuordnen, wird seinen bisherigen Leistungen sicher nicht gerecht. Auch die Statistik spricht eine andere Sprache. In Bayreuth nahm Benzing ziemlich exakt ein Viertel aller Baskets-Wurfversuche – und erzielte mit 21 Punkten auch ziemlich exakt ein Viertel aller Punkte, wobei er neun davon an der Freiwurflinie einheimste (bei abermals hundertprozentiger Trefferquote).

    Der 2,08-Meter-Mann hat unter Bauermann seit Saisonbeginn nochmals einen Schritt nach vorne gemacht, stellt mit seinem offensiven Repertoire jede Abwehr der Liga vor Schwierigkeiten und unterstrich seine herausragende Form jüngst auch in den beiden WM-Qualifikationsspielen der Nationalmannschaft, wo er ebenfalls bester Werfer war. Man mag sich, auf den Punkt gebracht, die Baskets-Offensive nicht ohne ihren gefährlichsten Korbjäger vorstellen.

    Woran aber liegt es dann, dass die Baskets bereits zum dritten Mal in der Saison gegen einen direkten Konkurrenten um die Play-off-Plätze trotz einer teils deutlichen Führung vor dem Schluss-Viertel den Kürzeren zogen? Gegen Oldenburg (84:86) reichte ein 66:53 vor den letzten zehn Minuten nicht zum Sieg, in Bonn (75:78) war ein 53:47 zu wenig, am Samstag in Bayreuth ein 66:60.

    Über 36 Minuten hatten die Würzburger vor 3300 Zuschauern in der ausverkauften Oberfrankenhalle dabei geführt, erst 3:19 Minuten vor Spielschluss waren die Oberfranken in einem phasenweise hochklassigen und immer intensiven Schlagabtausch erstmals überhaupt in Führung gegangen, die sie bis zum Ertönen der Schluss-Sirene nicht mehr hergeben sollten.

    „Wir hatten ab Ende des dritten Viertels zu viele Aussetzer und den Ball nicht mehr so gut bewegt. Es reicht auf diesem Niveau einfach nicht, die Leistung über 36 Minuten abzurufen, sondern wir müssen es über 40 Minuten schaffen, so zu spielen“, resümierte ein sichtlich enttäuschter Maurice Stuckey, neben Benzing mit 18 Punkten bester Mann auf dem Parkett. Für Leon Kratzer, der in seiner Geburtsstadt mit viel Applaus von den stimmungsvollen Rängen begrüßt worden war und seine bislang vielleicht beste Leistung im Baskets-Dress ablieferte, war vor allem die Defensiv-Leistung ausschlaggebend. „Wir haben überragend angefangen und nur zehn Zähler im ersten Viertel zugelassen, danach aber 76 Punkte in den nächsten drei Abschnitten kassiert. Wenn dann das Spiel kippt und du scoren musst, um dranzubleiben, wird es immer schwer, gerade auswärts.“

    Und so müssen sich die Baskets unterm Strich als Hauptvorwurf nach einer über weite Strecken überzeugenden Vorstellung, bei der der jüngste Neuzugang E.J. Singler noch keine Akzente setzen konnte und in gut vier Minuten Spielzeit ohne Punkt blieb, wohl ankreiden lassen, es zum wiederholten Male in dieser Saison verpasst zu haben, rechtzeitig „den Sack zuzumachen“, wie es Bauermann formulierte: „Da müssen wir uns auch selbstkritisch hinterfragen und den Finger in die Wunde legen. Wir müssen lernen, unser Spiel weiter durchzuziehen, auch wenn es eng wird. Unter Druck versuchen wir es zu sehr auf eigene Faust.“

    Zugleich war der neunmalige Meistertrainer aber bemüht, der aufkommenden Ungeduld im Umfeld mit ungebremstem Optimismus entgegenzutreten: „Wir haben über 36 Minuten sehr gut gespielt und hätten dieses Spiel sicher genauso gut gewinnen können. Leider haben wir uns am Ende nicht für unsere belohnt. Aber kein Vorwurf an die Mannschaft, sie ist insgesamt mit viel Qualität aufgetreten.“

    Dies und ein bisschen mehr wird auch kommenden Samstag vonnöten sein. Dann gastiert der wiedererstarkte Ex-Serienmeister und Tabellenzweite Alba Berlin (18 Uhr, Liveticker auf www.mainpost.de) in der bereits ausverkauften s.Oliver Arena.

    Basketballer von s.Oliver Würzburg grillen auf dem Weihnachtsmarkt für einen guten Zweck

    Alle Jahre wieder: An diesem Montag ab 17.30 Uhr grillen unter anderem Abdul Gaddy, Leon Kratzer und Felix Hoffmann von s.Oliver Würzburg eine Stunde lang auf dem Würzburger Weihnachtsmarkt am Stand „Hahns Herzle“ der Festwirtfamilie Hahn in der Eichhornstraße Bratwürste für einen guten Zweck. Inhaber Michael Hahn spendet den kompletten Erlös des Verkaufs der „Wördsburcher Winzerbratwurst“.

    Zudem gibt es bei einem Gewinnspiel zwei VIP-Tickets für das Heimspiel gegen Göttingen zu ergattern. sam

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