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    SCHWIMMEN: WM IN UNGARN

    Freiwasser-Neuling Ruwen Straub bezahlt Lehrgeld

    Der Würzburger führte zu Beginn des 5-Kilometer-Rennens, musste sich am Ende aber mit Rang 28 begnügen. Die Zukunft sieht er wieder im Becken.

    Ruwen Straub hatte einen Plan: Bloß nicht gleich zu Beginn den Anschluss verlieren bei seinem ersten internationalen Freiwasserrennen. Das hatte ihm Bundestrainer Stefan Lurz immer wieder eingeprägt: Das hier sind keine deutschen Meisterschaften, Junge. Das geht hier vom Start weg gleich richtig zur Sache. Da musst du schon flott losschwimmen, um nicht im Pulk steckenzubleiben.

    Und so kraulte Ruwen Straub also zum WM-Auftakt in Ungarn flott los, setzte sich bei leichtem Wellengang direkt an die Spitze des Feldes, dass er rund 1000 Meter anführte. Danach sollte sich der Würzburger etwas zurückfallen lassen, einen Platz in einer guten Gruppe finden, in der er ruhig schwimmen und somit seine Geschwindigkeitsvorteile ausspielen könne, die der DM-Dritte über 1500 Meter Freistil aus dem Becken mitbringt.

    „Da fehlte ihm dann aber einfach die Erfahrung, die richtigen Füße zu bekommen“, sagte Lurz später, was so viel heißt wie: sich in den Windschatten derer zu hängen, die an ihm vorbeizogen. Und doch: Lurz war zufrieden mit seinem Schützling. Straub sollte mutig schwimmen, sich nicht versteckt. „Das hat er gut gemacht.

    “ Dass die Platzierung nach 55:14,4 Minuten mit Rang 28, 43 Sekunden hinter dem frisch gekürten Weltmeister Marc-Antoine Olivier aus Frankreich, nicht dem vorgefassten Plan einer Top-20-Position entsprach, war da für Lurz zu verschmerzen. Der ebenfalls freiwasser-unerfahrene Marcus Herwig (Magdeburg) wurde 26. Erstmals seit 2001 blieben die deutschen Männer ohne Medaille über die fünf Kilometer – der Paradedisziplin des vor zwei Jahren zurückgetretenen Bundestrainer-Bruders Thomas Lurz.

    Die Nummer vier wird zur Nummer zwei
    Dass Straub überhaupt Teil des deutschen WM-Teams in Ungarn ist, das hat der 23-Jährige einer guten Leistung bei den deutschen Freiwassermeisterschaften und dem Startverzicht des deutschen Meisters Florian Wellbrock sowie des Drittplatzierten Rob Muffels zu verdanken. Wellbrock, der sich zuvor auch über die 1500 Meter Freistil für die WM qualifiziert hatte, musste sich zwischen Becken und Balaton entscheiden. Muffels ließ das Rennen zugunsten der einzig olympischen zehn Kilometer sausen, die am Dienstag auf dem Programm stehen. Und so gingen die deutschen Plätze also an den Zweitplatzierten Marcus Herwig sowie an die Nummer vier: Ruwen Straub.

    „Ich habe mir in dieser Saison etwas mehr Ruhe gegönnt, habe weniger trainiert, daher war es gar nicht mein Ziel, mir ein WM-Ticket zu sichern“, sagte Straub am Ufer des Plattensees. „Ich wollte es einfach nur mal machen und ein ordentliches Rennen abliefern.“

    Für Straub war es ein Ausflug, den jeder ambitionierte Schwimmer des SV Würzburg 05 früher oder später schon allein der Freiwasser-Tradition des Vereins wegen unternimmt. Und Straub ist der unberechenbaren Disziplin auch gar nicht abgeneigt. Spaß habe ihm dieses Rennen mit mehr als 60 Schwimmern gemacht. Auch das Gerangel um die besten Plätze an den Bojen vorbei habe ihm nichts ausgemacht. „Ich habe versucht, da sauber rumzukommen und mich auch mal reinzudrücken“, gab Straub später zu Protokoll: „Den ein oder anderen Fuß kriegste da schon auch ab, aber so lange kein Zahn fehlt, ist alles ok.“

    Für 800 Meter zurück ins Becken

    Für Ruwen Straub wird dieses Rennen am Samstag also nicht der letzte Freiwasser-Auftritt gewesen sein. Doch nach der verpassten Olympia-Qualifikation über 1500 Meter Freistil im vergangenen Jahr habe ihm die Nachricht, dass auch die 800 Meter ins olympische Programm aufgenommen wurden, einen Extra-Schub gegeben, um noch einmal im Becken angreifen. Sein Plan: „Nächsten Monat geht es los.“

    Bearbeitet von Hans Strauß

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