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    BASKETBALL: BUNDESLIGA MÄNNER

    Ein Familienmensch führt bei den Würzburger Baskets Regie

    US-Spielmacher Cliff Hammonds erwartet mit Würzburgs Bundesliga-Basketballern seinen Ex-Klub Alba Berlin.

    Schon zweimal zum besten Defensivspieler der Liga gewählt: Würzburgs Spielmacher Clifford Hammonds. Foto: Heiko Becker (HMB Media/ Heiko Becker)

    Gastspiele von Alba Berlin (2. Platz/18:6 Punkte) in der s.Oliver Arena waren in der Vergangenheit stets etwas Besonders, nicht selten „Festspiele“ für Basketball-Bundesligist s.Oliver Würzburg (9. /12:10). Erinnert sei nur an die denkwürdige Saison 2011/12, als der damalige Aufsteiger den Hauptstadt-Klub nicht nur in der regulären Saison mit 84:65 vom Parkett fegte, sich anschließend ob seiner vermeintlich aggressiven Spielweise den Vorwurf des „Metzger-Basketballs“ einhandelte und später in den Play-offs den hohen Favoriten sensationell mit 3:1 eliminierte.

    Es ist bis heute der Höhepunkt der Baskets-Klubgeschichte. Es waren aber auch die Berliner, die anno 1997 um Star-Trainer Svetislav Pesic noch das Maß aller Dinge im deutschen Basketball waren und im ersten Bundesliga-Spiel der X-Rays den „jungen Wilden“ um den damals 19-jährigen Dirk Nowitzki und seinen Mitstreitern Robert Garrett oder Demond Greene mit 108:70 gehörig das Fell über die Ohren zogen.

    Wenn an diesem Samstag (18 Uhr, Live-Ticker auf www.mainpost.de) die wiedererstarkten Albatrosse (lesen Sie dazu auch nebenstehende „Starting5: Fünf Fakten zu Alba Berlin“) in der seit Wochen ausverkauften „Turnhölle“ zu Gast sein werden, ist es zumindest für einen Korbjäger der Heimmannschaft kein ganz gewöhnliches Spiel: US-Spielmacher Clifford „Cliff“ Hammonds stand von 2014 bis 2016 in Berlin unter Vertrag und in 85 Bundesliga-Spielen auf dem Parkett und erlebte dort die die bislang sportlich erfolgreichste Zeit seiner Karriere: Zweimal wurde Hammonds zum „besten Defensiv-Spieler der Liga“ gewählt, gewann 2014 den Pokal und stand im gleichen Jahr im Play-off-Finale gegen den FC Bayern. 2015 verpasste er nur knapp mit seinem Team als erster deutscher Verein die „Top 16“ der EuroLeague. „Ich habe die Stadt und den Klub sehr gemocht und viele Freunde gefunden. Aber diese Liebe muss am Samstag für mindestens 40 Minuten ruhen“, sagt der 31-Jährige vor dem Wiedersehen mit seinem Ex-Klub.

    Vier Söhne und eine Tochter

    Seit dieser Saison, nach einem einjährigen Gastspiel bei Liga-Konkurrent Ludwigsburg, bekleidet Hammonds die Position des Spielgestalters bei den Baskets, die sich in der spielfreien Sommerpause intensiv um seine Dienste bemüht hatten. Auch dank der Unterstützung eines Sponsors konnte die gesamte Familie mit Ehefrau Lakendra und den vier Jungs Clifford V. (10 Jahre) „KJ“ Kaliff (6), Kendre (4), Klidran (2) und Tochter Clidrayan (8) ein komplett möbliertes Haus im Stadtteil Steinbachtal beziehen. „Der Klub hat sich sehr ins Zeug gelegt, dass wir alle in Würzburg zusammensein können. Das war definitiv der ausschlaggebende Punkt für mich.“ Denn die Familie ist für den gläubigen Christ heilig: „An erster Stelle bin ich Vater und Ehemann, an zweiter Stelle Basketballer. Die Kids brauchen ihren Vater, und ich will sie aufwachsen sehen und miterziehen. Das ist mir sehr wichtig.“

    Vorbildliche Einstellung

    Wer aus diesen Worten ein vielleicht etwas laxes Arbeits-Ethos ableiten will, der täuscht sich. Hammonds gilt in der Szene als Muster-Profi, und auch Cheftrainer Dirk Bauermann weiß um die vorbildliche Einstellung seines verlängerten Arms auf dem Parkett: „Was Cliff jeden Tag im Training anbietet, ist einfach großartig. Er arbeitet immer auf hohem Niveau, es gab bislang kein Training, in dem man sich über seinen Einsatz hätte beschweren können.“ Dabei ist Hammonds ist alles andere als ein Lautsprecher, kein extrovertierter Spieler, keiner, der sich gerne in den Mittelpunkt stellt, um Aufmerksamkeit zu erzielen, sondern eher ein leiser Vertreter seiner Zunft. Als „leader by example“, frei übersetzt als „Anführer durch Beispiel geben“, charakterisiert Hammonds sich und seine Rolle: „Ich versuche die Dinge, die die Coaches von mir verlangen, bestmöglich umzusetzen. Zudem möchte ich, ob auf oder neben dem Court, gerade den jungen Spielern durch meine Erfahrung weiterhelfen und Verantwortung für das Team übernehmen.“

    Der Wert des 90-Kilogramm-Kraftpakets für die Baskets lässt sich nur bedingt in Zahlen ausdrücken: Durchschnittlich 7,9 Punkte erzielt er pro Partie, pflückt sich zudem 1,9 Rebounds und verteilt 3,1 Korbvorlagen. Hammonds ist vor allem der Abwehr-Anker im Würzburger Spiel, „er ist in der Lage, jeden Aufbauspieler in der Liga an die Kette zu legen“, sagt Bauermann. Hammonds defensive Fähigkeiten werden an diesem Samstag gegen Berlin vielleicht mehr denn je gefordert sein, denn eifrige Chronisten haben herausgefunden, dass Alba aktuell so korbgefährlich ist wie seit 12 Jahren nicht mehr. „Es ist eine sehr talentierte Mannschaft, aber für uns gibt es keinen Grund sich zu Verstecken. Wir haben ein Heimspiel und unsere Fans im Rücken. Wir haben zuletzt zwar ein paar Rückschläge wegstecken müssen, aber wenn wir daraus lernen, werden wir als noch besseres Team auf das Feld zurückkommen“, sagt Hammonds, der wie auch Bauermann ein enges, und umkämpftes Spiel erwartet.

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