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    HANDBALL: ZWEITE BUNDESLIGA MÄNNER

    Wölfe erleben ein bitteres Déjà-vu

    Gegen Bietigheim verspielen die Rimparer beim Remis erneut einen Sieben-Tore-Vorsprung.

    „Babywolf“ Lukas Siegler (rechts), der am Sonntag vor Spielfreude sprühte, versucht sich gegen Max Emanuel von der SG BB... Foto: Meike Kreidler, foto2press

    Favoriten ärgern, das Finale: Im fünften Spiel in Serie gegen einen „großen“ Gegner haben die Zweitliga-Handballer der DJK Rimpar Wölfe erneut einen Punkt gewonnen. Oder wohl doch eher verloren. Nach dem Remis am Freitag im Heimspiel gegen den HBW Balingen-Weilstetten (27:27) teilten sie sich auch am Sonntagnachmittag im zweiten Teil des unterfränkisch-schwäbischen Doppelspieltages mit der SG BBM Bietigheim die Zähler. Beim 26:26 (8:15) erlebten sie ein bitteres Déjà-vu. Oder sollte man sagen ein dämliches? Sie ärgerten sich jedenfalls darüber. Wie schon in der vergangenen Saison verspielten sie einen Sieben-Tore-Vorsprung. Wie damals brachte eine Abwehrumstellung der Schwaben die Unterfranken um den erhofften ersten Sieg im siebten Vergleich.

    „Phasenweise Angsthasenhandball" 

    „Mit der ersten Halbzeit bin ich sehr zufrieden, mit der zweiten nicht, da haben wir phasenweise Angsthasenhandball gespielt.“, sagte DJK-Coach Matthias Obinger. „In der Summe ist es ein verlorener Punkt."

    Sein SG-Kollege Hartmut Mayerhoffer sprach von einem „gerechten Unentschieden, weil das Pendel in jeder Hälfte in eine andere Richtung ausgeschlagen hat“. Aus ihrem „heißen Herbst“ gegen die „Big Five“ nehmen die Wölfe 6:4 Punkte mit in den Winter.

    Und der naht. Schneegestöber begleitete die Rimparer und ihre rund 50 Fans auf ihrem Weg nach Ludwigsburg. In der dortigen MHPArena, atmosphärische Heimspielstätte der MHPRiesen in der Basketball-Bundesliga, lieferten sich der Fünfte und der Vierte der vergangenen Saison, die beide bis zum Ende im Aufstiegsrennen mitgemischt hatten, ein dramatisches Match mit zwei völlig unterschiedlichen Durchgängen.

    Rimparer wirken beim Start frischer

    Die Gäste erwischten den besseren Start. Über 3:1 zogen sie auf 6:3 (12.) davon. Sie wirkten frischer, Lukas Siegler im linken Rückraum neben Spielmacher Patrick Schmidt und Lukas Böhm auf Rechtsaußen sorgten zudem für frisches Blut in der Startsieben. Vor allem „Babywolf“ Siegler sprühte nur so vor Spielfreude, nachdem er nach seiner Verletzungspause am Freitag gegen Balingen erstmals wieder zum Einsatz gekommen war und ein klasse Comeback gefeiert hatte.

    Gegen Bietigheim traf er in den ersten 18 Minuten vier Mal. Kurz darauf gingen die Grün-Weißen erstmals mit fünf Toren in Führung: 11:6 (23.).

    In der Abwehr waren die Wölfe schnell auf den Beinen, wirkten im Gegensatz zu den Gastgebern nicht, als hätten sie ein intensives Duell nur 44 Stunden vorher in den Knochen und den Köpfen. Sie störten die Schwaben frühzeitig und schlugen diese immer wieder mit ihrer eigenen Waffe: dem Konterspiel. Während die Rimparer dieses durch einen geordneten Rückzug zunächst weitgehend unterbanden, eroberten sie selbst immer wieder Bälle und leiteten Gegenstöße ein.

    Brustmann, der „Teufel" im DJK-Tor

    Noch ein entscheidender Unterschied trug zur anfänglichen Überlegenheit der Unterfranken bei: Er stand im Tor. Max Brustmann. „Er hält wie der Teufel“, sagte der Hallensprecher nach der neunten Parade des DJK-Keepers kurz vor der Pause. Die beiden SG-Schlussmänner dagegen kamen in Hälfte eins zusammen auf nur vier Paraden, wobei zwei davon gehaltene Strafwürfe waren.

    Sowohl Domenico Ebner als auch Jürgen Müller, der nach 20 Minuten zwischen die Pfosten kam, sich stetig steigerte und im zweiten Durchgang zum mitentscheidenden Faktor wurde, entschärften je einen Siebenmeter von Schmidt, bei dem sich die Fehlwürfe vom Strich häufen.

    Böse Erinnerungen werden wach

    In der Halbzeit beim Stand von 8:15 erinnerte der Hallensprecher die Zuschauer daran, dass die Bietigheimer bei der letzten Begegnung in Würzburg einen Sieben-Tore-Rückstand noch wettgemacht und am Ende einen Punkt geholt hatten. Damals hatte Mayerhoffer die Abwehr in den letzten gut 20 Minuten fast schon in einem Akt der Verzweiflung auf eine offensive 3:3-Formation umgestellt – und er tat es wieder. Und wieder mit Erfolg.

    „Wir wussten genau, was kommt. Wir haben uns darauf vorbereitet, vor dem Spiel schon und in der Pause noch mal“, sagte Obinger, der wie schon im April mit dem siebten Feldspieler reagierte. Trotzdem passierte das Gleiche noch mal wie beim damaligen 31:31. Die Wölfe verloren erst einen Ball nach dem anderen, damit ihre Linie und ihren Mut und schließlich Treffer um Treffer auch ihren stattlichen Vorsprung. In den sechs Minuten mit dem siebten Feldspieler kassierte Rimpar einen 0:5-Lauf und zwei sogenannte Empty-Net-Goals ins leere Tor.

    So stand es nach 37 Minuten nur noch 14:16. „Das lag nicht an einem taktischen Systemfehler, sondern an der hohen Anzahl an individuellen technischen Fehlern“, analysierte Obinger, der dann dennoch wieder auf Sechs gegen Sechs umstellte.

    Großartige Kulisse

    In dem an Spannung bis zum Schluss kaum zu überbietenden Schlagabtausch ließen sich die Schwaben von der Stimmung in der Halle und den 2200 sie anpeitschenden Zuschauern tragen. „Ohne diese Kulisse und diese Emotionen wäre eine solche Aufholjagd nicht möglich gewesen“, bedankte sich Mayerhoffer bei den Fans. Mit dem nun überragenden Müller im Rücken, der es am Ende auf 15 Paraden und eine Quote von 44 Prozent brachte (Brustmann: 13/28 Prozent), zog sein Team nun das gefürchtete Tempospiel auf. In der 55. Minute traf Paco Barthe zum ersten Ausgleich (24:24), in der 58. Kapitän Patrick Rentschler zur ersten von insgesamt nur zwei Führungen für seine Farben. Rimpars Benjamin Herth besorgte 30 Sekunden vor dem Abpfiff den 26:26-Endstand – als siebter Feldspieler von Linksaußen übrigens.

    Bis Weihnachten geht es für die Wölfe nun gegen eine Reihe von Teams aus der unteren Tabellenhälfte – abgesehen vom Derby gegen den HSC 2000 Coburg am 2. Dezember in Würzburg. Bis dahin sind die Rimparer selbst der Favorit, dann können sie wieder einen ärgern.

    Wolf des Tages

    Dominik Schömig #8

    Der pfeilschnelle Linksaußen traf fünf seiner sechs Versuche, drei davon vom Flügel. Sehr aufmerksam auch bei Abprallern: zwei nutzte er zu Abstaubern.

    Die Statistik des Spiels

    Bietigheim: Ebner (1.-19.), Müller (20.- 60.) – Haller, Rentschler 4, Claus, Erifopoulos 2, Schäfer 1/1, Schmidt 3, Babarskas 6, König, Barthe 2, Asmuth 2, Döll 1, Emanuel 5, Marcec.

    Rimpar: Brustmann (1.-60.), Wieser (n.e.)– Kraus, Schmitt, Schömig 5, Böhm, Gempp, Schäffer 3, Schmidt 2/1, Kaufmann 5, Siegler 4, Meyer (n.e.), Brielmeier 3, Herth 2/1, Sauer 1.

    Spielfilm: 1:3 (4.), 3:6 (12.), 4:8 (17.), 6:12 (26.), 8:15 (HZ), 9:6 (33.), 14:16 (37.), 17:21 (44.), 19:23 (50.), 22:23 (51.), 24:24 (58.), 25:24 (59.), 26:26 (Endstand).

    Siebenmeter: 1/1 : 1/3.

    Zeitstrafen: 4:4.

    Schiedsrichter: Pawel Fratczak/Paulo Ribeiro (Kamp-Lintfort).

    Zuschauer: 2258.

     

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