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    HANDBALL: Zweite BUNDESLIGA, MÄNNER

    Essen stoppt den Lauf der Wölfe

    Rimpars Handballer verlieren beim TuSEM nach strapaziöser Anreise und einem Fehlwurf-Festival mit 21:23.

    Zugepackt: Rimpars Lukas Böhm (rechts) versucht, den Essener Jonas Ellwanger zu stoppen. Foto: Funke Foto Services

    Irgendwas ist ja fast immer, wenn es für die Zweitliga-Handballer der DJK Rimpar Wölfe zum TuSEM Essen geht. Aber manchmal gibt es schon seltsame Zufälle. Als die Unterfranken in der vorletzten Saison zum Spiel nach Nordrhein-Westfalen aufbrachen, es war der 26. Februar 2016, löste dort nahe der A40 der Fund einer Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg Wirbel und ein Verkehrschaos aus. An diesem Freitag sorgte bei ihrer Abfahrt eine Bombendrohung am Hubland-Campus in Würzburg für Aufregung und Gesprächsstoff. Beide Fälle gingen gut aus. Die Bombe damals war bereits entschärft, als die Wölfe in Essen eintrafen; die Bombe diesmal gab es glücklicherweise offenbar gar nicht, stattdessen Entwarnung.

    Siebenstündige Anreise und Schneetreiben

    Doch irgendwas war freilich trotzdem. Auch diesmal kamen die Rimparer viel später als erhofft im Ruhrpott an. Starke Schneefälle und mehrere Staus sorgten für eine strapaziöse siebenstündige Anreise. Und auch diesmal verloren sie knapp.

    Nachdem der Anpfiff in der Arena am Hallo um eine Viertelstunde verschoben worden war, unterlagen die Wölfe mit 21:23 (9:11) nach einem umkämpften Match auf der Margarethenhöhe – und einem wahren Fehlwurf-Festival mit rund 25 nicht genutzten Chancen auf beiden Seiten. Damit stoppten die Gastgeber den Lauf der Gäste, die genauso wie sie zuvor sechs Spiele in Serie ungeschlagen gewesen waren. Zugleich siegte Heimstärke über Auswärtsstärke. Während die Essener seit Mitte September zu Hause keine Niederlage mehr kassiert haben, war es für die Rimparer in fremder Halle erst ihre zweite in dieser Saison.

    „Eklatante Abschlussschwäche“

    „Der Tag hat nicht gut angefangen, und er hört nicht gut auf“, sagte DJK-Chefcoach Matthias Obinger, der sein Team aber dafür lobte, dass es sich „trotz Widrigkeiten zweimal nach Rückständen zurückgebissen hat“. „Am Ende weiß ich auch nicht, wie wir mit 23 Toren gewinnen konnten“, gab sein TuSEM-Kollege Jaron Siewert zu, mit 23 Jahren der jüngste Trainer in der bisherigen Bundesliga-Geschichte. Wahrscheinlich, so mutmaßte er, „weil wir nur 21 bekommen haben“. Beide Trainer sprachen von einer „eklatanten Abschlussschwäche“.

    Die Gäste mussten nicht nur ohne Lukas Siegler (Mittelhandbruch) antreten, sondern auch ohne gelernten Rechtsaußen. Max Bauer ist nach seinem Kreuzbandriss wie Siegler erst wieder in der Rückrunde einsatzfähig, Julian Sauer erlitt unter der Woche einen Hexenschuss. So rückte Lukas Böhm zunächst auf den Flügel, zeitweise ließ Obinger auch mit zwei Kreisläufern spielen.

    Die Partie startete mit jeweils drei Fehlwürfen und teils sehenswerten Paraden der beiden starken Schlussmänner Sebastian Bliss und Max Brustmann. Der Treffer zum 1:0 fiel erst nach sieben Minuten – und der zählte nicht mal: Noah Beyer übertrat beim Siebenmeter den Strich. So war es Steffen Kaufmann vorbehalten, das erste Tor für die Gäste zu erzielen.

    Doch auch danach herrschte im Angriff der Wölfe Torflaute. Es war nicht so, dass sie sich keine Chancen herausgespielt hätten, doch gingen sie teils leichtfertig damit um. Zu unkonzentriert waren sie im Abschluss, zu unplatziert waren ihre Würfe. In der Abwehr ackerten sie zwar, doch fehlte es ihnen an Spritzigkeit. Die Anreise steckte ihnen sichtlich in den Knochen und Köpfen. So zogen die beileibe auch nicht fehlerfrei agierenden und abschließenden Essener auf 8:3 (18.) davon.

    Brustmann hält Rimpar im Spiel

    Danach kam Benjamin Herth als neuer Spielmacher – Patrick Schmidt rückte von der Mitte für Benedikt Brielmeier auf Halblinks –, und mit ihm kam auch etwas mehr Übersicht ins Offensivspiel der Grün-Weißen. Sie verkürzten ihren Rückstand. Auch, weil Brustmann hielt, was das Zeug hielt. Die erste Halbzeit schloss er mit einer spektakulären Doppelparade ab. 11:9 stand es beim Seitenwechsel.

    Der zweite Durchgang begann für die Rimparer ähnlich wie der erste: mit zwei Fehlwürfen. Dafür eroberten sie dreimal in Folge in der Defensive den Ball und liefen Konter. Zwei davon verwandelte Dominik Schömig und stellte beim 11:12 (34.) den Anschluss her. Doch die Freude darüber währte nur kurz. Abermals zog der TuSEM auf vier Treffer davon (15:11, 40.), profitierte von Abstimmungsproblemen in der DJK-Deckung und stellte den Angriff der Gäste vor immer größere Schwierigkeiten.

    Nach einer Auszeit beim Stand von 13:18 aus Rimparer Sicht setzte Obinger alles auf eine Taktikkarte und ließ sein Team mit sieben Feldspielern in die Schlussviertelstunde starten. Es folgte erst ein 3:0-Lauf. Dann gelang den Wölfen trotz einer Roten Karte gegen Jan Schäffer sechs Minuten vor Schluss sogar die erste Führung. 19:18. Ab da spielten die Unterfranken aufgrund mehrerer Zeitstrafen allerdings nur noch in Unterzahl. Das kostete sie letztlich mit den Sieg. Einen weiteren Knackpunkt nannte Obinger: „Beim 20:19 haben wir vorne dreimal keine guten Entscheidungen getroffen. So war in der Besetzung leider kein Pünktchen mehr drin.“

     

    Wolf des Tages

    Max Brustmann #22

    Hielt in der ersten Halbzeit schon 13 Bälle und damit seinen nicht eben treffsicheren Vorderleuten so gut wie möglich den Rücken frei. Insgesamt kam er auf 22 Paraden, darunter auch ein gehaltener Siebenmeter.

     

    Die Statistik des Spiels

    Essen: Bliss (1.-60.), Mangold (n.e.) – Beyer 6/5, J. Ellwanger 5, Hegemann, L. Ellwanger, Rossna, Wöss 2, Kintrup 1, Szczesny 3, Käßler 2, Ridder 1, Müller, Seidel, Skroblien, Zechel 3.

    Rimpar: Brustmann (1.-60.), Wieser (n.e.)– Kraus, Schmitt 1, Schömig 3, Böhm 1, Gempp 1, Schäffer 1, Schmidt 5/3, Kaufmann 3, Meyer, Brielmeier 2, Herth 4.

    Spielfilm: 0:1 (7.), 2:2 (10.), 5:2 (14.), 8:3 (18.), 8:5 (20.), 10:6 (23.), 11:9 (HZ), 12:11 (34.), 15:11 (40.), 18:13 (46.), 18:19 (54.), 21:20 (57.), 23:21 (Endstand).

    Siebenmeter: 7/5 : 4/3.

    Zeitstrafen: 5:7.

    Rot: Jan Schäffer (Rimpar, 50., dritte Zeitstrafe).

    Schiedsrichter: Christian Kroll/Emanuel Oliver Polke (beide Berlin).

    Zuschauer: 1685.

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