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    HANDBALL: ZWEITE BUNDESLIGA, MÄNNER

    Wer stoppt den Lauf der anderen?

    Wieso Essen und Rimpar zwei Teams der Stunde sind, weshalb der TuSEM mit seiner Trainerverpflichtung für Schlagzeilen sorgte und warum die Woche der Wölfe schwierig war

    Auch seit der frühere Nationalspieler Michael Hegemann (rechts) sein Comeback gab, läuft es beim TuSEM Essen deutlich be... Foto: Michael Gohl

    TuSEM Essen – DJK Rimpar Wölfe
    (Freitag, 8. Dezember, 19.30 Uhr, Sportpark am Hallo)

    Wenn's läuft, dann läuft's. Diese Erfahrung haben in der Zweiten Bundesliga zuletzt sowohl die Handballer der DJK Rimpar Wölfe (7./21:11) als auch die des TuSEM Essen (11./15:17) gemacht. Wenn sie an diesem Freitagabend (Liveticker auf www.mainpost.de) auf der Margarethenhöhe aufeinandertreffen, dann trifft also Lauf auf Lauf, Selbstvertrauen auf Selbstvertrauen und Heim- auf Auswärtsstärke.

    Jüngster Bundesliga-Cheftrainer

    Beide Mannschaften sind seit sechs Spielen ungeschlagen: Den Essenern gelangen seit Anfang November fünf Siege und ein Unentschieden, den Rimparern drei Siege und drei Remis. In der Arena am Hallo hat der TuSEM zuletzt Mitte September verloren (24:23 gegen den HC Rhein Vikings), die DJK kassierte auswärts ihre letzte Niederlage Ende September (29:35 beim TV Emsdetten). Von zwei „Mannschaften der Stunde“ spricht Rimpars Coach Matthias Obinger daher zurecht.

    Der 37-Jährige selbst trifft erstmals in dieser Saison auf einen Kollegen, den er noch nicht persönlich kennt. Die Essener Verpflichtung von Jaron Siewert als Cheftrainer im Sommer sorgte mächtig für Schlagzeilen. Warum? Der Mann, der nicht nur aussieht wie ein Student, sondern auch noch einer ist (BWL), hat gerade mal 23 Lebensjahre auf dem Buckel. Ein Jungspund beim Traditionsklub – das riss nicht zuletzt die Sportjournalisten der „Welt“ zu Superlativen hin. Sie schrieben von einer „Trainer-Revolution“, nannten ihn den „Nagelsmann des Handballs“ und das „Gesicht einer neuen Bewegung“. In jedem Fall ist der gebürtige Berliner, der früher als Rückraumspieler bei den Füchsen unter Vertrag stand, seine aktive Karriere aufgrund von Verletzungen aber bereits mit 20 beendete, nicht nur der jüngste A-Lizenz-Inhaber, sondern auch der jüngste Profitrainer der bisherigen Bundesliga-Geschichte. In der Jugend wurde Rimpars Rechtsaußen Max Bauer unter anderem von ihm ausgebildet.

    Siewerts Start im Pott allerdings war schwierig. Und das nicht nur, weil der TuSEM gleich auf vier Teams aus den aktuellen Top Fünf traf. Sondern auch, weil die Essener mit 0:10 Punkten ans Tabellenende katapultiert wurden und ihnen in den ersten zehn Spielen überhaupt nur ein Sieg glückte. Doch längst sind sie aus ihrer Schockstarre erwacht, haben sich als Mannschaft gefunden und spielen annähernd den Handball, den Siewert von ihnen sehen will. „Mit Tempo und Witz“, wie der 23-Jährige sagt. „Körperbetont und flott“, wie Obinger findet. „Wir haben in den letzten Partien unseren Rhythmus gefunden und eine gute Serie hingelegt“, wird Siewert im Vorfeld der Freitagspartie auf der Vereinshomepage zitiert. „In eigener Halle wollen wir natürlich diese Serie ausbauen und in keiner Weise nachlassen.“

    Alter Hase reaktiviert

    Die Rimparer reisen durchaus mit Respekt ins Ruhrgebiet. Und das nicht nur, weil bei den Gästen Anfang November ein 40 Jahre alter Hase mit der Erfahrung von 57 Länderspielen für die deutsche Nationalmannschaft und von einer Dekade in der Ersten und Zweiten Liga reaktiviert wurde: Michael Hegemann gab den vergleichsweise unerfahrenen, jungen Spielern (Altersdurchschnitt 22,5 Jahre) seither sichtlich Stabilität und Sicherheit. Sondern auch, weil die Wölfe arg mit Abnutzungserscheinungen zu kämpfen haben. „So kurz vor der Winterpause ist es immer zäh“, sagt Obinger, „aber diese Woche empfand ich es als besonders zäh.“ Das intensive Frankenderby gegen Coburg (31:29) am vergangenen Samstag habe seine Spieler viel Kraft gekostet. Ausgelaugt seien alle, angeschlagen einige noch dazu. Kapitän Stefan Schmitt etwa konnte gar nicht trainieren, weil er Wasser im Knie hat, andere nur eingeschränkt. Rückraumyoungster Lukas Siegler wird wie Max Bauer in der Hinrunde gar nicht mehr zum Einsatz kommen: Er brach sich im Derby die Mittelhand und fällt zehn bis zwölf Wochen aus.

    Eine interessante statistische Randnotiz: Zum gleichen Zeitpunkt der vergangenen Saison, also nach 16 Spieltagen, hatten die Rimparer genauso viele Punkte auf dem Konto wie jetzt – und sogar exakt die gleiche Tordifferenz (+21). Damals lagen sie als Tabellenfünfter fünf Zähler hinter einem Aufstiegsplatz, diesmal beträgt ihr Rückstand auf Rang zwei als Siebter drei Zähler. „Es ist also noch alles drin“, sagt Co-Trainer Josef Schömig. Erst recht, falls es am Freitag weiter läuft.

    Natalie Greß

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