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    Tauber-Quartett träumt von einer WM-Medaille in Leipzig

    Der FC Tauberbischofsheim stellt die Florett-Nationalmannschaft der Frauen. Küken Leonie Ebert aus Würzburg gilt für die Zukunft als deutsche Hoffnungsträgerin.

    Die WM kann kommen: Die Tauberbischofsheimerinnen Anne Sauer, Leonie Ebert, Eva Hampel und Carolin Golubytskyi (von link... Foto: Heiko Becker

    Die goldenen Zeiten des Fecht-Clubs Tauberbischofsheim mit Olympiasiegen und Weltmeisterschaften wie vom Fließband, sie sind lange vorbei. Im deutschen Aufgebot für die am Mittwoch in Leipzig beginnende Heim-Weltmeisterschaft ist der Klub von der Tauber immerhin mit einer Domäne verankert: er stellt die komplette Florett-Nationalmannschaft der Frauen. Dass Carolin Golubytskyi (31) aus Tauberbischofsheim, Anne Sauer (26) aus Walldürn, Eva Hampel (24) aus Kempten und Leonie Ebert (17) aus Würzburg im letzten Monat bei der Europameisterschaft Bronze holten, macht das Quartett am kommenden Montag auch zu einer leisen WM-Medaillenhoffnung.

    „Unausgesprochen haben wir alle dieses Ziel“, sagt Leonie Ebert. „Wir haben gezeigt, dass wir's können und gehen motivierter an die Sache heran.“ Die Medaille sporne zusätzlich an, „so ein Erfolg schweißt zusammen“, meint Kollegin Eva Hampel. Beim Heim-Weltcupturnier in Tauberbischofsheim gelang zudem noch Rang zwei nach einem Sieg über die starken Russinnen.

    Dass die vier ständig zusammen trainieren und sich in- und auswenig kennen, ist im Teamwettbewerb, wo die neun Gefechte nahtlos ineinander übergehen und die Treffer aufaddiert werden, ein nicht zu unterschätzender Vorteil. „Man weiß, was der andere im Wettkampf braucht“, sagt Ebert. Die Würzburgerin ist das Küken im Team, aber das merkt man ihr im Gespräch nicht an. „Wir sind sehr unterschiedliche Charaktere, aber gerade deswegen passt das gut zusammen“, sagt Hampel, die sich als den Ruhepol sieht. Zu Carolin Golubytskyi würden sie alle aufsehen, auch wenn daraus keine Hierarchie erwachse: „Sie hat unglaublich viel Erfahrung und ist die Einzige, die schon an Olympischen Spielen teilgenommen hat.“

    Von ihrem Außenbandriss im ersten Gefecht des olympischen Turniers von Rio hat sich Golubytskyi, die Vizeweltmeisterin von 2013, aber noch nicht wieder ganz erholt. Bei der EM in Tiflis schied sie in der ersten Runde unglücklich aus.

    Ebert hingegen überzeugte kurz nach dem bestandenen Abitur am Würzburger Deutschhaus-Gymnasium mit dem sechsten EM-Platz. Längst gilt sie als eine der Hoffnungsträgerinnen des deutschen Fechtens. Ihre Erwartungen für den bereits am Mittwoch beginnenden Einzelwettbewerb formuliert Ebert mit der gebotenen Zurückhaltung. Das EM-Abschneiden motiviere, es bei der WM vielleicht zu steigern. „Aber ich mache mir nicht so viel Druck. Dann ist man auch freier beim Fechten. Es kommt viel auf die Tagesform an.“ Dass bei der WM im eigenen Land „Familie und Freunde dabei sein können“, sei schön.

    Reisestress für Familie Ebert

    Die äußerst sportliche Familie Ebert sieht sich allerdings einem gewissen Reisestress ausgesetzt. Da Leonies Schwester Amelie, mittlerweile in Bochum daheim, parallel bei der Schwimm-WM in diversen Disziplinen des Synchronschwimmens startet, wird Bruder Konstantin – derzeit im Urlaub befindlicher Basketballprofi in Braunschweig – Mutter Nives zwischen Budapest und Leipzig hin und her chauffieren.

    Nach zwei Trainingslagern in der Sportschule Hennef und vergangene Woche in Tauberbischofsheim fühlen sich die Florettfechterinnen gut vorbereitet. Da auch andere Nationen zur WM-Vorbereitung im Tauberaner Fechtzentrum eintrafen, um die perfekten Möglichkeiten zu nutzen, waren gute Testgefechte möglich. Bundestrainer Giovanni Bortaloso ist mit seiner WM-Prognose jedoch vorsichtig: „Wir können ein gutes Ergebnis erzielen, aber wir müssen nicht. Ich will, das die Mädchen frei sind.“

    Vergeblicher Protest gegen Trainer-Kündigung

    Bortaloso ist erst seit März im Amt. Die Kündigung seines italienischen Landsmanns Andrea Magro mitten in der Saison hatte hohe Wellen geschlagen. Die Fechterinnen protestierten mit einem Brief an DOSB-Präsident Alfons Hörmann dagegen, doch auch in einer gemeinsamen Gesprächsrunde wurde sie nicht zurückgenommen. Betriebsbedingt gekündigt hatte dem prominenten Fechttrainer der FC Tauberbischofsheim, der nach Medienberichten vertragsgemäß ein Viertel des Monatsgehalts von 13 000 Euro hatte tragen müssen.

    „Für uns war es nötig, professionell zu reagieren, weiter zu trainieren und sich nicht verunsichern zu lassen“, sagt Leonie Ebert. Bisher gelang das. Aber so viel ist klar: Sie und ihre Teamkollegen hoffen noch immer, mit Magro den Weg zu den Olympischen Spielen 2020 gehen zu können. Am Donnerstag wird vor dem Arbeitsgericht Heilbronn zwischen Magro und dem FCT weiter verhandelt. Aber das soll für die WM-Tage ebenso in den Hintergrund rücken wie die Missbrauchsvorwürfe gegen einen ehemaligen Tauberbischofsheimer Trainer.

    „Ich mache mir nicht so viel Druck. Dann ist man auch freier beim Fechten.“
    Die Würzburgerin Leonie Ebert vor der WM in Leipzig

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