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    HANDBALL: ZWEITE BUNDESLIGA MÄNNER

    Wichtiger Wölfe-Sieg vor dem heißen Herbst

    Unspektakulär, aber ungefährdet: Rimpars Handballer bezwingen Konstanz und haben jetzt fünf Brocken vor der Brust.

    Der Rimparer Rückraum um Benedikt Brielmeier (am Ball, am Kreis Patrick Gempp) zeigte sich gegen die Konstanzer Abwehr (... Foto: Frank Scheuring

    Im Foyer der s.Oliver Arena hängen bei Heimspielen der DJK Rimpar Wölfe sportliche Porträtaufnahmen der Handballer aneinandergereiht wie in einer Ahnengalerie. Ein denkwürdiger Sieg für die Nachwelt war das unspektakuläre, aber ungefährdete 30:23 (17:9) vor 1401 Zuschauern gegen die HSG Konstanz nicht. Es war dennoch ein wichtigerer, als er im ersten Moment vielleicht erscheinen mag – sowohl in der Retrospektive als auch mit Blick nach vorne.

    Zum einen steht den Wölfen nun ein richtig heißer Herbst ins Haus mit gleich fünf schweren Gegnern in Serie, gegen die ihnen in den gegebenen Konstellationen noch kein einziger Zweitliga-Erfolg gelungen ist. Nicht in Wilhelmshaven (14.10.), nicht in Lübeck (3.11.) und nicht in Bietigheim (12.11.). Bei den beiden Heimspielen gegen die Bundesliga-Absteiger Bergischer HC (21.10.) und HBW Balingen-Weilstetten (10.11.) liegt das zwar auch daran, dass es die Duelle bislang noch nicht gegeben hat, das aber macht die Aufgaben nicht unbedingt leichter. Zum anderen waren die Rimparer gegen Konstanz mit der Hypothek von zwei Pleiten binnen drei Tagen mit jeweils mehr als 30 Gegentreffern ins Match gestartet.

    Kaufmann erneut torhungrig

    Mit beiden Perspektiven – dem Rück- und dem Ausblick – gingen die Grün-Weißen am Samstagabend in Worten und Taten ziemlich gut um. „Es waren keine einfachen Tage, nachdem wir zweimal in Folge verloren hatten“, bekannte DJK-Trainer Matthias Obinger, „das kennt die Mannschaft ja nach der letzten Saison so nicht mehr. Doch sie hat sich da nicht beirren lassen, die Köpfe noch mal zusammengesteckt und sehr fokussiert auf dieses Spiel hingearbeitet.“ Einer dieser Köpfe ist Routinier Sebastian Kraus, der nach der Partie zugab: „Man hat gemerkt, dass alle ein bisserl angespannt waren und alles nicht mehr so selbstverständlich war wie bei den drei Siegen zuvor.“ Viel zu sehen war von einer etwaigen Verunsicherung in der ersten Halbzeit nicht.

    Die indisponierten Südbadener schienen gedanklich noch auf der Fähre zwischen Konstanz und Meersburg über dem Bodensee zu sein, auf der sie am Morgen die fünf Stunden dauernde Anreise nach Würzburg begonnen hatten. Die Unterfranken ließen keinen Zweifel aufkommen, wer an diesem Abend das Kommando auf dem Dampfer angeben würde. Die 6:0-Abwehr stand vor einem genesenen Max Brustmann zwischen den Pfosten wieder so, wie man es von ihr gewohnt ist.

    Und im Angriff traf der Rückraum um Steffen Kaufmann, der zum dritten Mal binnen acht Tagen bester Feldtorschütze der Wölfe war, und Benedikt Brielmeier beinahe nach Belieben. „Wir haben letzte Saison ein gutes Heimspiel gegen Rimpar gemacht und uns vorgenommen, wieder genauso aufzutreten. Das haben wir in der ersten Halbzeit überhaupt nicht geschafft“, stellte André Melchert, sportlicher Leiter und Co-Trainer der mit erst einem Sieg angereisten Konstanzer hinterher fest: „Gegen eine so gute Mannschaft wird man da überlaufen.“

    Mit noch mehr Kaltschnäuzigkeit im Angriff hätten die Wölfe tatsächlich einen Rekord für die eigenen Geschichtsbücher aufstellen können: das Zweitliga-Spiel mit den am meisten geworfenen Toren. Der bisherige Bestwert datiert vom 20. Mai dieses Jahres, als Rimpar im Duell mit Saarlouis 36 Treffer erzielt hatte. Im Heimspiel gegen Konstanz war im vergangenen Jahr mit 31:19 der höchste Saisonsieg gelungen. Das 30:23 reicht dafür in dieser Runde vermutlich nicht. Schon vor der Pause vergaben die Rimparer trotz ihrer 17 Tore noch vier glockenfreie Würfe.

    Die zweite Halbzeit ging letztlich sogar knapp an die Gäste, die insgesamt zehn Siebenmeter zugesprochen bekamen, von denen sie allerdings nur sechs verwandelten. „Mit der zweiten Hälfte bin ich nur bedingt zufrieden. Wir haben knapp 50 Minuten richtig gut gespielt und auch im Abwehrverbund eine deutliche Steigerung gehabt“, erklärte Obinger. „Doch das Ende hatte irgendwas von Dahinplätschern.“ Die anstehenden Aufgaben würden nicht leichter, da brauche man wirklich 60 Minuten einen langen Atem, um dann den Gegner an die Wand spielen und schachmatt setzen zu können, betonte der DJK-Coach.

    Kein Erstarren in Ehrfurcht

    Seine Spieler scheinen ob dieser Anforderungen nicht in Ehrfurcht zu erstarren. „Natürlich kommen jetzt Brocken“, sagte der in dieser Saison bislang sehr agile und angriffslustige Brielmeier. Doch das seien schließlich die Spiele, warum man gerne in dieser starken Liga spiele: „Ich denke, wir haben auch da ganz gute Chancen, ein paar Punkte zu holen.“

    Obinger sagte mit Blick nach vorne: „Wir können überall gewinnen, wir können aber auch verlieren.“ Dass es in dieser verrückten Liga viel auf die Tagesform ankomme, habe nicht zuletzt der aktuelle Spieltag wieder gezeigt. „Das relativiert vielleicht auch mal den einen oder anderen Ausrutscher von uns. Wir sind gut beraten, wenn wir da auf uns schauen.“

    Ob den Wölfen in den nächsten Wochen Siege für die DJK-Geschichtsbücher gelingen – oder sogar für die halleneigene Ahnengalerie?


    Wolf des Tages

    JAN SCHÄFFER #15
    Der Kreisläufer stand als wichtiger Bestandteil des DJK-Deckungsverbundes vertretungsweise für die deutliche Leistungssteigerung der gesamten Abwehr. Auch vorne war das athletische Kraftpaket stets anspielbar und abschlussstark.
     

    Die Statistik des Spiels

    Rimpar: Brustmann (1.-60.), Wieser (n.e.) – Kraus 1, Schmitt, Schömig 1, Böhm 1, Karle 1, Gempp 2, Schäffer 5, Schmidt 4/2, Kaufmann 7, Meyer, Brielmeier 4, Herth 1, Sauer 3.
    Konstanz: Poltrum (31.-60.), Hanemann (1.-30.) – Schweda, Riedel 5, Wolf 5/5, Kaletsch 4, Krüger 1, Maier-Hasselmann 1, Gäßler, Jud 3/1, Berchtenbreiter 3, Schwarz, Bösing, Klingler 1, Heil.
    Spielfilm: 3:1 (7.), 7:3 (14.), 10:5 (21.), 14:7 (25.), 17:9 (Halbzeit), 19:12 (36.), 25:15 (46.), 30:20 (55.), 30:23 (Endstand). Siebenmeter: 3/2 – 10/6.
    Zeitstrafen: 4:2.
    Schiedsrichter: Frederic Linker/Sascha Schmidt (Herne/Bochum).
    Zuschauer: 1401.

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