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    HANDBALL: ZWEITE BUNDESLIGA MÄNNER

    Pannentag für die Rimparer Wölfe

    Nach der Niederlage in Hamm blieb der Mannschaftsbus der Handballer auf der Heimfahrt mit einem Motorschaden auf der Autobahn liegen. Da halfen nur noch Süßigkeiten.

    An manchen Tagen läuft einfach nichts rund. Noch nicht mal mehr der Motor im Mannschaftsbus. Es war kurz nach Mitternacht am Samstagabend, rund 160 Kilometer von der Heimat entfernt, als das weiß-grüne Gefährt der DJK Rimpar Wölfe auf der A 7 in den Kasseler Bergen plötzlich zu ruckeln anfing. Eine rote Warnlampe begann aufzublinken, und es piepte lästig. Einige der schläfrigen Zweitliga-Handballer wurden wach und richteten sich irritiert in ihren Sitzen auf. Elke Weippert steuerte den Bus auf den nächsten Parkplatz. „Der zieht nicht mehr. Vermutlich ein Motorschaden“, sagte die Fahrerin, als sie der Mannschaft um 0.15 Uhr per Mikrofon mitteilte: „Jungs, das wird dauern. Stellt euch auf eine lange Nacht ein.“

    Das Warten auf den Ersatzbus aus Zellingen dauerte fast zweidreiviertel Stunden. Da halfen nur noch Schokolade und Gummibärchen. „Karola, hol die Süßigkeiten raus“, bat Wölfe-Trainer Matthias Obinger Betreuerin Karola Endres angesichts der Panne. Obwohl er sie nach der 28:33 (16:18)-Niederlage beim ASV Hamm-Westfalen noch aufgefordert hatte, die Naschtüte, die sie stets für die Spieler dabei hat, unter Verschluss zu halten. „Heute gibt es keine Belohnung“, hatte er gesagt. Aber dann brauchte es eben Nervennahrung.

    Rimparer Abwehrproblem

    Während also die Süßigkeiten reihum gingen wie Zigaretten auf Teenagerpartys, hatte Obinger genügend Zeit, die Niederlage noch einmal tiefergehender zu analysieren als zuvor auf der Pressekonferenz. Wie es sein könne, dass sein Team beim abstiegsbedrohten ASV schon zur Halbzeit so viele Gegentore kassiert habe wie in der Vorwoche beim 26:18-Sieg in Neuhausen im gesamten Spiel, war er da gefragt worden. Er hatte knapp geantwortet: „Weil Sportler Menschen sind.“ Und weil Menschen eben nicht immer so verlässlich funktionieren wie meistens Maschinen (wenn es nicht gerade der Motor des Wölfe-Mannschaftsbusses ist).

    Wie sehr seine Sportler die verdiente Niederlage stimmungsmäßig niederdrückte, war nicht nur Kapitän Stefan Schmitt nach dem Abpfiff anzusehen gewesen. Noch Minuten danach hockte er in der Westpress Arena auf der Bank und stierte ins Leere. Der Frust saß tief. „Wir haben heute immer nur reagiert statt agiert“, haderte Schmitt und gestand als Defensivchef selbstkritisch ein: „Vor allem aber haben wir quasi keine Abwehr gespielt.“

    „Wer auswärts 28 Tore wirft, kann durchaus gewinnen“, packte Obinger noch eine in ihrer Einfachheit bestechend einleuchtende Handballerwahrheit aus. „Wer aber 33 Tore kassiert, kann eigentlich überall nur verlieren.“ Freilich war das offensichtliche Rimparer Abwehrproblem in der 5:1- wie auch in der 6:0-Formation etwas komplexer. Und das lag nicht nur daran, dass die Wölfe durch den arbeitsbedingten Ausfall von Kreisläufer Julian Bötsch hatten improvisieren müssen. Lukas Böhm musste zeitweise im Innenblock aushelfen, um Jan Schäffer und Stefan Schmitt zu entlasten; am Kreis wechselten sich die beiden Abwehrexperten ab.

    Die menschlichen Fehler, die dafür sorgten, dass diesmal nicht ein Rädchen ins andere griff, nervten den DJK-Coach besonders deswegen, „weil es immer noch zu oft wiederkehrend basale Fehler sind, vor allem im Zweikampfverhalten und im Kontakt gegen die Werfer. Da waren wir heute auch einfach zu passiv und zu demütig“, erklärte Obinger des Nächtens auf dem Parkplatz. Und so stotterte der Motor seiner Mannschaft auf dem Spielfeld wie später der des Busses auf der Autobahn.

    Nach anfangs ausgeglichener erster Halbzeit in einer flotten und durchaus gefälligen Partie gingen die Gastgeber schon vor der Pause mit bis zu drei Toren in Führung (9:6. 14.). Vor allem aus dem agilen und wurfstarken Rückraum flogen DJK-Keeper Max Brustmann die Bälle reihenweise um die Ohren. Nach 18 Minuten und nur einer Parade machte er Andreas Wieser im Kasten Platz. Doch auch er tat sich schwer gegen die oft unbedrängt zum Abschluss kommenden Hammer-Werfer um Christoph Neuhold und Max Hönig. „Wir wollten rausgehen auf unsere Gegenspieler, aber dadurch haben wir ihnen wahnsinnig viele Räume aufgemacht“, ärgerte sich Schmitt. Obinger ergänzte: „Unser letzte Woche noch großartiges Zusammenspiel von Abwehr und Torwart hat diesmal nicht funktioniert.“

    Was freilich auch das Verdienst des ASV-Angriffs war, den Trainer Stephan Just „überragend“ nannte: „Wir haben den Kampf angenommen, auch den gegen den Abstieg.“ Statt mit Angst agierte sein Team mit Lust und Leidenschaft. Und baute nach der Pause und einem holprigen Start der Gäste mit drei Fehlversuchen den Vorsprung auf zwischenzeitlich sieben Treffer aus (30:23, 51.). Da wurden die Roten längst im Stehen von ihren Anhängern gefeiert, die zwischendrin aus Fanfreundschaft mit den Supporters Rimpar aber auch die Grün-Weißen angefeuert hatten. „Bis zur 45. Minute hatte ich immer noch die Hoffnung, dass wir das Ding rumreißen können“, sagte Leitwolf Schmitt. „Aber die Hammer haben immer eine Lösung gefunden, und wir haben sie nicht vor genügend Probleme gestellt. Irgendwann kam ein Gefühl der Machtlosigkeit.“

    Hammer Wurfqualität

    „Manchmal muss man auch einfach akzeptieren, dass der Gegner besser war“, meinte Obinger und nannte beispielhaft auch die „Wurfqualität“ der Westfalen, die deutlich platzierter warfen als die Unterfranken. „Wir haben gerade Anfang der zweiten Halbzeit zu ungeduldig und überhastet abgeschlossen.“ Dass die Hausherren an diesem Abend die bessere Mannschaft waren, belegen auch ein paar über das bloße Ergebnis hinausgehende, entscheidende Zahlen. So gewann Hamm die Konterquote mit 8:4, traf aus dem nahen Rückraum 100 Prozent (Rimpar: 67) und aus dem fernen 52 Prozent (Rimpar: 36).

    Weil es den Wölfen vor allem auch nicht beständig gelang, das Spiel richtig zu lesen und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen, ließen sie beim Tabellen-17. die Punkte liegen. Punkte, die sie im Fall eines Sieges gleichauf gebracht hätten mit dem Dritten Bietigheim, der einen Zähler gegen Ludwigshafen-Friesenheim abgab. So bleibt Rimpar bis zum nächsten Heimspiel am Samstag gegen den Dessau-Roßlauer HV Vierter.

    Um 3 Uhr am Sonntagfrüh traf auf der A7 der Ersatzbus ein, kurz vor 5 setzte er die Handballer wieder in der Heimat ab. Damit endete eine lange Nacht nach einem Pannentag, an dem zu wenig für die Wölfe rund lief.
     

    Wolf des Tages

    Julian Sauer #68
    Drei Würfe, drei Tore. Mit seiner hundertprozentigen Ausbeute war der Rechtsaußen treffsicherster Schütze der Wölfe. In der zweiten Halbzeit bekamen die Flügelspieler nur wenige Bälle ab, zu sehr ballten sich die Rimparer Angriffsbemühungen im Rückraum.
     

    Die Statistik des Spiels

    Hamm: Storbeck (1.-60.), Doden (bei einem Siebenmeter) – Huesmann, Brosch 1, Fuchs 1, Fridgeirsson 3, Eggert, Macke 3, Ritterbach 2, Pretzewofsky, Gudat 4, Zintel 8/3, Höning 6, Neuhold 5.
    Rimpar: Brustmann (1.-18., 43.-60.), Wieser (19.-42.) – Kraus 1, Schmitt 2, Schömig 1, Böhm, Schäffer 3, Schmidt 6/3, Kaufmann 4, Siegler 2, Bauer 3, Brielmeier, Herth 3, Sauer 3.
    Spielfilm: 3:3 (6.), 5:3 (7.), 6:6 (12.), 9:6 (14.), 12:9 (17.), 12:11 (19.), 16:13 (24.), 18:16 (Halbzeit), 21:17 (35.), 24:19 (42.), 30:23 (51.), 33:28 (Endstand).
    Siebenmeter: 4/3 : 4/3.
    Zeitstrafen: 2:2.
    Schiedsrichter: Fabian vom Dorff/Christian vom Dorff (Kaarst).
    Zuschauer: 1744.

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