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    FUßBALL: DRITTE LIGA

    Was sich bei den Kickers geändert hat

    Nach dem 1:0 gegen Halle gibt es viele kleine Stiche gegen den Ex-Trainer. Das Team passt seine Spielweise der Dritten Liga an.

    Okay, es war ein 1:0, und der Gegner hieß Hallescher FC. Jener Klub also, der in dieser Fußball-Drittliga-Saison gleich reihenweise den Aufbaugegner für den jeweiligen Tabellenletzten gab. Jena, Osnabrück, Chemnitz, Erfurt und nun der FC Würzburger Kickers traten als aktuelles Schlusslicht gegen den Verein aus Sachsen-Anhalt an. Alle punkteten und verließen den letzten Platz dadurch. Allzu viel sollte man sich am Dallenberg also doch nicht einbilden auf diesen allersten Heimsieg des Jahres 2017, 321 Tage nach dem längst schon legendären 3:0 gegen den VfB Stuttgart zu seligsten Zweitliga-Zeiten.

    Aber wer am Samstag nach Schlusspfiff in die Gesichter derer blickte, die in den letzten Wochen und Monaten so oft gelitten hatten, wer den Jubel speziell der Spieler sah, die auch schon die Durststrecke in der Zweitliga-Rückrunde miterlebt hatten, der konnte erahnen: Das war nicht irgendein Dreier fürs Tableau. Das war DER Heimsieg, auf den sie hier so unendlich lange gewartet hatten.

    Diesmal war es die Kickers-Kabine, in der die Partymusik wummerte. Und diesmal war es Marco Königs, der einstige Stürmer der traurigen Gestalt, der über beide Ohren strahlte. „Ich habe immer gesagt, dass ich die Qualitäten eines Torjägers habe“, sagte Königs nach der Partie. Ernst genommen hatte man ihn deshalb in Würzburg lange Zeit nicht. Ein Torjäger, der 16 Monate lang nicht trifft, da stimmte etwas nicht. Und jetzt: Erst der am Ende für die Kickers recht nutzlose Premierentreffer beim 1:2 in Köln und jetzt der (zu) stürmisch bejubelte Siegtreffer gegen Halle. „Ich denke, ich habe den Trainer nicht enttäuscht“, so Königs.

    Tatsächlich hatte Chefcoach Michael Schiele nach seinem ersten Sieg als verantwortlicher Kickers-Trainer Königs noch auf dem Rasen innig geherzt. Dabei hätte Schiele durchaus auch Grund genug gehabt, dem Torschützen des Tages, der nach einem atemberaubend schlimmen Fehlpass von Halles Tobias Müller in der 53. Minute vor dem Kasten eiskalt geblieben war, eine deutliche Ansage zu machen. Dass Königs nämlich in der Freude über seinen Treffer einen Hüpfer an den Zaun vor dem Kickers-Fanblock machte, war, wie der 27-jährige Stürmer später feststellte, „ein bisschen dumm“.

    Die vom in diesem Fall absolut regelgetreu handelnden, ansonsten manchmal merkwürdig pfeifenden Schiedsrichter Frank Willenborg (Osnabrück) gezeigte gelb-rote Karte hätte die Kickers in arge Bedrängnis bringen können. „Ich muss den Jungs einen ausgeben“, sagte Königs. Denn die Kickers rückten in Unterzahl noch etwas enger zusammen, rannten und ackerten gefühlt wie noch nie in dieser Saison.

    Am Ende stand das Bild von Königs, der auf dem Vorsängerpodest im Fanblock die Mannschaft gemeinsam mit den Anhängern anfeuert symbolisch für dieses Spiel, an dem Mannschaft und Publikum wieder zusammenrückten. Trainer Schiele machte in der zweiten Halbzeit immer wieder eine Geste, die man auch vom Würzburger Basketball-Coach Dirk Bauermann kennt.

    Mit rudernden Armbewegungen forderte er die Anhänger zum Lärmmachen auf. „Die Zuschauer sind hier zuletzt nicht mit leidenschaftlichen Spielen gesegnet worden worden“, sagte Schiele: „Heute war es – finde ich – sehr leidenschaftlich. Der Funke muss überspringen. Wenn das heute noch nicht ganz geklappt hat, dann beim nächsten Mal.“ Die Leidenschaft, mit der die Rothosen spielten und mit der sie den Sieg am Ende feierten, war gewiss auch der auffälligste Unterschied zu den letzten Wochen.

    Die Mannschaft hat, so ist allüberall zu hören, nun so langsam auch die Puste, um diese von Schiele geforderte Spielweise umzusetzen. Man greife die Gegner nun noch weiter in der gegnerischen Hälfte an, berichtete am Samstag Würzburgs Bester Felix Müller: „Das kostet Kraft.“ Es sind viele kleine Stiche gegen Ex-Coach Stephan Schmidt. Auch dass es den Kickers nun gelang, die Fehlerzahl im eigenen Spiel zu minimieren, liegt wohl an der besseren Kondition.

    Wer diese Behauptung aufstellt, bekommt eigentlich nur Zustimmung. Es ist ein anderer Fußball, den die Kickers nun spielen. Einer der zu „dieser dreckigen Liga“ (Felix Müller) wohl besser passt als der zuvor praktizierte. Dass es am Samstag letztlich ein Spiel ohne große Torchancen war – geschenkt! Am schönsten sind doch sowieso die Spiele, die man gewinnt. In Würzburg weiß man das nach 321 Tagen ohne Heimsieg nur allzu gut.

    Die Statistik des Spiels

    FC Würzburger Kickers – Hallescher FC 1:0 (0:0)

    Würzburg: Drewes – Ahlschwede, Neumann, Schuppan – P. Göbel, Nikolaou, Taffertshofer (90.+1 Skarlatidis), Wagner – Fe. Müller (79. Baumann), Königs, Mast (83. Syhre). Halle: Tom Müller – Starostzik, Kleineheismann (74. Ludwig), Barnofsky (63. Manu) – Tob. Müller, Zenga (58. El-Helwe) – Schilk, Lindenhahn, Baumgärtel – Anjani, Röser.

    Schiedsrichter: Willenborg (Osnabrück). Zuschauer: 5104. Tore: 1:0 Königs (53.). Gelb: Ahlschwede (2) / Zenga (3), El-Helwe (2). Gelb-Rot: Königs (54./Würzburg/Foul+Unsportlichkeit).

     

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