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    FUßBALL: ZWEITE BUNDESLIGA

    Abstieg würde Kickers über vier Millionen kosten

    Lizenz, TV-Geld, Trainer... Wie es am Dallenberg in der Dritten Liga weitergehen würde. Ein Überblick.

    Dunkle Wolken über dem Dallenberg: Den Kickers droht der Abstieg. Wie und mit welchem Personal es in der Dritten Liga we... Foto: Markus Römer, foto2press

    Das zarte Pflänzchen Hoffnung lebt noch. Ein Sieg beim VfB Stuttgart am Sonntag (15.30 Uhr) ist für den FC Würzburger Kickers die Grundvoraussetzung, damit es noch mit dem Klassenerhalt klappen könnte. Was aber, wenn die Kickers nicht zum Partyschreck bei den Stuttgarter Aufstiegsfeierlichkeiten werden, wenn die Rothosen nach nur einem Jahr in der Zweiten Bundesliga wieder runtermüssten in Liga drei? Halb so wild? Zumindest will der Vorstandsvorsitzende der Kickers AG, Daniel Sauer, das so verkaufen: „Die Dritte Liga ist keine Horrorversion“, sagt er. Aber was kostet der Abstieg die Kickers wirklich? Und wie würde es in der Dritten Liga am Dallenberg weitergehen? Wir haben bei den Kickers nachgefragt. Drei Viertel der schriftlich gestellten Fragen wurden nicht beantwortet. Man sei auf alle Eventualitäten vorbereitet, antwortet Sauer: „Wir äußern uns aber erst dann zu den nächsten Schritten in der Öffentlichkeit, wenn Fakten geschaffen sind.“ Auf jeden Fall müssten schnell Fakten geschaffen werden. Bereits am 21. Juli, eine Woche vor der Zweiten Bundesliga, startet die Dritte Liga in ihre neue Saison. Ein Überblick, über das, was bislang bekannt ist.

    Lizenz

    Da gibt es kein Problem. Die wirtschaftlichen Kennzahlen bei den Kickers stimmen offensichtlich. Der Klub hatte nicht nur eine Lizenz für die Zweite Fußball-Bundesliga bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL) beantragt und unter Auflagen erhalten. Auch um eine Spielerlaubnis für die Dritte Liga hatten sich die Würzburger frühzeitig beworben und diese vom Deutschen Fußballbund (DFB), der den Drittliga-Spielbetrieb organisiert, bekommen. Auch die Drittliga-Lizenz wurde, laut Verein, mit „Auflagen bezüglich des Stadions“ belegt. In der Zweiten Bundesliga aber müssten die Kickers das Fassungsvermögen der Flyeralarm Arena erhöhen. Eigentlich ist eine Mindestkapazität von 15 000 Zuschauern vorgeschrieben. Die gibt es in der Dritten Liga nicht. Da wären die – je nach Sicherheitslage – bis zu 13 000 Zuschauer, die derzeit ins Stadion am Dallenberg passen, ausreichend.

    Stadion

    Auch wenn die Kapazität des Stadions ausreicht. Im Vergleich mit anderen Drittliga-Stadien wirkt die Würzburger Flyeralarm Arena auch nach den Zweitliga-Umbauten noch immer antiquiert und wenig komfortabel. Für Kickers-Vorstandschef Sauer ist die Suche nach einem Standort für ein neues Stadion aber ohnehin eine Frage der Zukunftsfähigkeit: „Ein sportlicher Abstieg ändert nichts an unserer Vision, den Zweitligafußball in der Region dauerhaft etablieren zu wollen“, stellt er klar. „Dabei ist ein neues Stadion aufgrund der nicht gegebenen Zukunftsfähigkeit der Flyeralarm Arena ein wichtiger Baustein, da sonst kein Profifußball in der Region möglich ist. Unseres Erachtens gehen unabhängig von der Ligenzugehörigkeit die seitens der Stadt Würzburg in Auftrag gegebenen Standortanalysen weiter.“

    TV-Gelder

    Der größte Unterschied zwischen Zweiter und Dritter Liga ist die Einnahme aus der Vermarktung der TV-Übertragungsrechte. Rund fünf Millionen Euro haben die Kickers in dieser Zweitliga-Saison aus dem TV-Topf der DFL kassiert. Im Ligavergleich wenig, für die Kickers selbst aber eine große Summe. In der Dritten Liga wird es in der kommenden Saison rund 800 000 Euro geben, so viel erhielten die Klubs in der abgelaufenen Spielzeit. Allerdings könnte sich der Betrag nach unten verändern. Zweitvertretungen von Bundesligisten erhalten aus dem Fernsehtopf nichts. In der nächsten Saison könnte es – nach jetzigem Stand – eine Dritte Liga ohne zweite Mannschaften geben. Den Topf mit dem Fernsehgeld müssten sich dann mehr Vereine teilen. Ab der Saison 2018/19 steigen die Fernseheinnahmen.

    TV-Präsenz

    Auch wenn der neue Fernsehvertrag erst ab 2018 gilt. Bewegte Livebilder gibt es bereits in der kommende Saison von jedem Drittliga-Spiel. Die Telekom überträgt, ähnlich wie in der Basketball-Bundesliga, jede Partie in einem kostenpflichtigen Livestream im Internet.

    Sponsoren

    „Partner und Wegbegleiter“ hätten sich zu den Visionen der Kickers „klar bekannt“, teilten die Kickers schriftlich auf Nachfrage etwas nebulös mit. Konkrete Aussagen zum Engagement des neuen Ausrüsters Jako und ob s. Oliver auch in der Dritten Liga Brustsponsor bleiben würde, machen die Kickers nicht.

    DFB-Pokal

    Auch im Falle eines Abstiegs sind die Kickers für die kommende Saison im DFB-Pokal-Wettbewerb qualifiziert. Selbst wenn sie den Klassenerhalt als Zweiliga-15. schaffen, würden sie im Topf mit den Amateurklubs landen. Kurzum: Ein Heimspiel in der ersten Runde ist garantiert.

    Etat

    Über den Etat machen die Kickers keinerlei Angaben. Der Gesamtetat der Würzburger dürfte in dieser Zweitligasaison bei geschätzten zehn Millionen Euro gelegen haben. Allerdings wird nur knapp die Hälfte davon für die Spielergehälter reserviert sein. Allzu groß dürften die Einschnitte in diesem Bereich auch im Falle des Abstiegs nicht werden. Dafür wird Thorsten Fischer als wichtigster Geldgeber sorgen. Die Kickers dürften im Drittligavergleich einen leicht überdurchschnittlichen Spieleretat haben. Entsprechend hoch wären die Ansprüche. Geht es nach unten, werden die Kickers einen Kader zusammenstellen, mit dem sie das Ziel „Wiederaufstieg“ formulieren könnten.

    Mitarbeiter

    Bei einem Abstieg bangen Vereinsangestellte um ihren Job. Schließlich müssen Kosten gesenkt werden. Zur Zahl ihrer Mitarbeiter machen die Kickers keine Angaben. Fest steht aber, dass die Strukturen in Würzburg vergleichsweise schlank sind. So arbeiten auf der Geschäftsstelle rund 15 Mitarbeiter. Zum Vergleich: bei Fortuna Düsseldorf, das auch noch um den Klassenerhalt kämpft, sind es etwa 50. Der Kostendruck ist also nicht so groß wie andernorts

    Spieler

    Zu Vertragsangelegenheiten schweigt man am Dallenberg. Offiziell will niemand sagen, wer überhaupt einen Vertrag für die Dritte Liga besitzt und wer nicht. Fest steht bislang nur, dass Rico Benatelli, dessen Kontrakt ausläuft, ab der kommenden Spielzeit für Zweitligist Dynamo Dresden spielen wird. Nejmeddin Daghfous wollte, so war zu hören, im Falle des Klassenerhalts bei den Kickers verlängern. Ob er auch in der Dritten Liga bleibt, scheint unwahrscheinlich. Auch Clemens Schoppenhauer ist nach Saisonende ohne Vertrag. Überhaupt dürfte im Kader im Falle des Abstiegs ein Stühlerücken einsetzen. Leistungsträger wie Sebastian Neumann oder Tobias Schröck stehen sicher im Fokus anderer Zweitliga-Vereine.

    Trainer

    Im vergangenen Sommer zelebrierten die Kickers im großen Stil die Vertragsverlängerung mit Bernd Hollerbach bis 2019 und setzten ihn bei der Verkündung in einem Möbelhaus auf einen riesigen roten Stuhl. Nun sagt der Trainer, dass „man sich nach einem Jahr immer mit den Verantwortlichen zusammensetzen und reden muss, wie es weitergeht“. Ob der 47-Jährige bleibt, scheint nicht sicher. Möglicherweise wechselt er aber auch auf den Sportdirektorposten. Mit Hollerbachs einstigem HSV-Mitspieler Martin Pieckenhagen ist in der vergangenen Woche bei den Kickers schon einmal ein Mann aufgetaucht, den man sich als Coach unter Sportleiter Hollerbach vorstellen könnte.

    VfB Stuttgart – FC Würzburger Kickers (Sonntag, 15.30 Uhr)

    An ein Scheitern, eine deftige Niederlage gegen die Würzburger Kickers, die es für den VfB Stuttgart noch einmal knapp werden ließ im Aufstiegsrennen, glaubt im Schwabenland nun wirklich niemand. Da kümmert man sich doch lieber schon einmal um die Feierlichkeiten anlässlich der Rückkehr ins Fußball-Oberhaus. Auf der Internetseite des VfB steht der Aufruf, im Aufstiegsfall nach der Partie bitte nicht den Innenraum des Stadions zu stürmen.

    In der Rückrunde sind Stuttgarter zu Hause ungeschlagen. Das soll so bleiben. „Wir wollen als Erstplatzierter aufsteigen“, stellt VfB-Trainer Hannes Wolf klar. Man werde die Partie gegen die Kickers mit der nötigen Konzentration und Seriosität angehen: „Schließlich geht es für die Würzburger auch noch um etwas.“

    Vor den Kickers zeigt Wolf durchaus Respekt: „Sie haben gegen Braunschweig und Hannover gepunktet, aber auch einige Spiele unglücklich verloren.“Allzu viel Hoffnung, auf einen nachlässigen Gegner in Feierlaune zu treffen, dürften sich die Würzburger nicht machen. „Wir wissen, dass wir Stuttgart schlagen können“, sagt Kickers-Kapitän Sebastian Neumann und erinnert an das 3:0 im Hinspiel. Er und seine Kollegen aus dem Mannschaftsrat, zu dem der verletzte Robert Wulnikowski, Nejmeddin Daghfous und Junior Diaz gehören, hätten bereits Gespräche mit Mitspielern geführt. „Wir werden uns überlegen, wie wir uns noch einmal heiß machen“, so Neumann.

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