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    BASKETBALL: BUNDESLIGA

    Mit Vaughn Duggins zurück in die Erfolgsspur?

    Basketball-Bundesligist s.Oliver Würzburg tauscht D.J. Richardson gegen einen erfahrenen Landsmann aus.

    Ab sofort ein Würzburger: Vaughn Duggins, hier noch im Oldenburger Trikot. Foto: Heiko Becker

    BASKETBALL

    Bundesliga Männer

    Telekom Baskets Bonn – s.Oliver Würzburg

    (Sonntag, 17.30 Uhr, Telekom-Dome)

    Für ein paar Stunden rückte am Donnerstag der Alltag für Dirk Bauermann in den Hintergrund. Der 59-Jährige war – wie viele andere aus der deutschen Basketball-Szene – nach Iserlohn gefahren, um seinem ehemaligen Spieler Matthias Grothe, der nur 39 Jahre alt wurde, die letzte Ehre zu erweisen. Eigentlich sollte Grothe in dieser Saison seinem Herzensklub Phoenix Hagen als Cheftrainer nach dessen Insolvenz und Zwangsabstieg in die ProA wieder auf die Beine helfen, eine schwere Krebserkrankung machte den Plänen aber einen jähen Strich durch die Rechnung. Das von ihm zusammengestellte Team konnte er kein einziges Mal mehr coachen.

    In einem Videoclip während der Trauerfeier flimmerte Bauermanns oft zitierter Satz über den immer leicht pummelig daherkommenden Korbjäger über die Leinwand: „Es gibt nur zwei gute Basketballer mit ein paar Kilos zu viel – dich und Charles Barkley.“ (Anm. d. Red.: Mitglied des legendären US-„Dream Teams“ der olympischen Spiele von 1992). Eine letzte Reminiszenz an gemeinsame Tage. „Es war mir ein besonderes Anliegen, dabei zu sein, weil ich Matze schon seit Jugendtagen kenne. Er stand für alles, was unseren Sport ausmacht: Loyalität, Mannschaftsdienlichkeit, Löwenherz. Und dass mein Spruch über ihn noch mal gezeigt wurde, habe ich als besondere Ehre empfunden“, sagte Bauermann.

    Zum abendlichen Training war Bauermann wieder zurück in Würzburg, galt es doch, einen neuen Spieler in Reihen des hiesigen Basketball-Bundesligisten zu begrüßen. US-Guard Vaughn Duggins, der 2011 seine Profi-Karriere in Tübingen startete und in den beiden vergangenen Spielzeiten in Oldenburg auf Korbjagd ging, hat bei s.Oliver Würzburg (7. Platz/10:6 Punkte) einen Vertrag bis Saisonende unterschrieben. Im Gegenzug verlässt Landsmann D.J. Richardson den Klub in Richtung Polen. „Vaughn ist ein erfahrener Spieler und hat einen sehr guten Namen in der Liga. Ich bin überzeugt, dass er uns weiterhelfen und zusätzliche Stabilität geben wird“, freut sich Bauermann über den Neuzugang, der nach Aussage des Ex-Bundestrainers für den Wechsel zu den Baskets lukrativere Angebote aus der Türkei und Russland ausgeschlagen hat: „Er hat sich auch im Sinne seiner Frau und zwei Kinder für die sicherere Variante entschieden und auf viel Geld verzichtet. Wir konnten daher die Personalrochade fast budgetneutral ohne große finanzielle Mehrbelastung stemmen.“

    Sportlich ist der 30-Jährige in der Tat eine „Hausnummer“ in der Liga. Vor zwei Jahren war Duggins maßgeblich daran beteiligt, dass die Niedersachsen mit 27 Siegen in 34 Partien die beste Hauptrunde ihrer Geschichte spielten, vergangene Saison zog er mit ihnen in die Play-off-Finals ein. Dort allerdings konnte er wegen einer wieder aufgebrochenen Sprunggelenkverletzung, die ihn bereits zuvor von Dezember bis März außer Gefecht gesetzt hatte, nicht eingreifen.

    „Die Verletzung ist vollständig auskuriert, Vaughn ist körperlich in einem sehr guten Zustand und wird schnell auch wieder seinen basketballerischen Rhythmus finden“, sagt Bauermann, der betont, dass der personelle Wechsel nichts mit der jüngsten Serie von drei Niederlagen zu tun hat: „D.J. hat, aus welchen Gründen auch immer, nie richtig seinen Platz im Team gefunden. Zudem ist es auf hohem Niveau nichts Ungewöhnliches, dass es auch einmal einen Knick geben kann. Wichtig ist, richtig damit umzugehen. Unsere Verteidigung und die Ballbewegung im Angriff waren zuletzt nicht auf dem Niveau der ersten fünf Spiele. Wir haben hart daran gearbeitet, dies am Sonntag zu korrigieren.“

    „Duell der Angeschlagenen“

    Von einem „Duell der Angeschlagenen“ schreiben die Telekom Baskets Bonn (9./8:6) vor dem Aufeinandertreffen im Telekom Dome, nachdem die Rheinländer zuletzt ebenfalls zwei herbe Rückschläge einstecken mussten: In Jena verloren sie vergangenes Wochenende trotz einer 18-Punkte-Halbzeit-Führung noch mit 69:83, unter der Woche in der Fiba ChampionsLeague zu Hause gegen JF Nanterre aus Frankreich 62:84 – und ernteten lautstarke Pfiffe des eigenen Anhangs.

    Die Bonner hatten sich als Vorjahres-Siebter nicht nur die fast obligatorische Play-off-Teilnahme zum Ziel gesetzt, sondern sich vorgenommen, die Großen der Liga zu ärgern. Dafür wurden zahlreiche Leistungsträger wie US-Spielmacher Josh Mayo, mit 13,1 Punkten und 47,5 Prozent Dreier-Quote auch dieses Jahr Dreh-und Angelpunkt im Bonner Angriffsspiel, oder Center Julian Gable weiterverpflichtet. Anspruch und Wirklichkeit klaffen derzeit allerdings auseinander, was für Bauermann die Aufgabe eher noch schwieriger macht: „Ich erwarte einen harten Kampf in einer aufgeheizten Atmosphäre. Da müssen wir dagegenhalten.“

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