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    FUßBALL: DRITTE LIGA

    Kickers erwarten die Skandalnudel

    Vor dem Flutlichtspiel gegen Erfurt grübelt Trainer Schiele über der Aufstellung. Er hat die Qual der Wahl und wünscht dem ein oder anderen Spieler einen Schnupfen.

    Vertauschte Rollen: Jannis Nikolaou (Mitte) im Trikot von Rot-Weiß Erfurt gegen die Ex-Kickers-Spieler Rico Benatelli (v... Foto: Foto2press, Frank Scheuring

    Wenn es in der dritthöchsten deutschen Fußballliga derzeit einen Klub gibt, der den Ruf einer Skandalnudel besitzt, dann ist es Rot-Weiß Erfurt. Die Thüringer, übrigens der einzige Verein, der in den zehn Jahren seit der Gründung immer in der Dritten Liga dabei war, sind klamm. Auf 6,8 Millionen Euro beläuft sich, laut Medienberichten, der Schuldenberg. Viel in dieser Spielklasse, in der die (Fernseh-) Geldquellen eben nicht so sprudeln wie in den beiden Bundesligen. Noch schlimmer freilich: Der Verein hat Ausstände, konnte zuletzt seine Rechnungen nicht mehr bezahlen. Auch Spielergehälter wurden zeitweise nicht überwiesen. Das wurde öffentlich. Sogar bei der Miete für die Geschäftsstelle sei man in Rückstand, stand in Erfurt in der Zeitung. Zuletzt nun soll der Vereinsboss einen Teil der Schulden beglichen haben, indem er in die Kasse des Nachwuchsleistungszentrums griff, berichtet die „Thüringer Allgemeine“. Beim nächsten Gegner der Würzburger Kickers, der laut „Bild“ bis Ende Januar 1,5 Millionen Euro beim Deutschen Fußball-Bund hinterlegen muss, um einem Punktabzug zu entgehen, herrscht ein großes Kuddelmuddel.

    Zehn Spiele ohne Sieg

    Dazu kommt die sportliche Misere. Zehn Spiele ist der Tabellenletzte jetzt schon ohne Sieg. Da ist das Spiel am Freitagabend (18.30 Uhr) am Dallenberg doch nur noch eine Formsache für die Kickers? Ist der fünfte Sieg in Serie bereits ganz fest eingeplant? Und überhaupt: Sollten die Kickers siegen, hätten sie zum Vorrundenabschluss tatsächlich exakt so viele Punkte auf dem Konto wie in der Aufstiegssaison 2015/16. Die Kickers sind ins Rollen gekommen.

    Zwei Erfurter 0:0 in Serie

    Michael Schiele braucht beim Pressegespräch vor dem Training am Mittwochvormittag nicht lange, um seine Botschaft loszuwerden: „Das ist ein gefährliches Spiel“, sagt er gleich zu Beginn. Schließlich hat Erfurt unter dem neuen Trainer Stefan Emmering, dessen Assistent übrigens Ex-Bundesliga-Angreifer Patrick Helmes ist, den Negativtrend zumindest gestoppt. Zwei torlose Unentschieden gab es zuletzt, am vergangenen Wochenende beim 0:0 gegen Meppen saß Schiele auf der Tribüne. „Die Erfurter treten jetzt deutlich kompakter auf. Vor dem Trainerwechsel hat Erfurt noch offensiven Fußball gespielt. Da war ein großes Risiko dabei. Das ist jetzt anders."

    Schiele erwartet einen defensiv orientierten Gegner, gegen den – wie schon beim 3:1 in Großaspach – den Kickers womöglich eine Doppelspitze gut zu Gesicht stehen würde. Dort ging der Plan mit den beiden Angreifern Marco Königs und Orhan Ademi, die immer wieder Lücken in die Defensive rissen, perfekt auf.

    Kickers-TV: Keine leichte Aufgabe gegen Schlusslicht Erfurt

    Womit wir beim Aufstellungsproblem des Trainers wären. Der Kickers-Coach blies die Backen auf. „Puh, das wird ganz schwer“, sagte er beim Gedanken daran, unter welchen Spielern er sich in Sachen Startelf entscheiden muss. Kapitän und Abwehrchef Sebastian Neumann sowie Abräumer Jannis Nikolaou waren in Großaspach gelbgesperrt. Jetzt sind sie wieder dabei. Und weil Schiele sie als „Säulen der Mannschaft“ bezeichnet, dürften sie wieder in die Startelf rücken. Nur wer bleibt draußen? Schließlich hat das Kickers-Team ohne die beiden in Großaspach das beste Saisonspiel abgeliefert. „Vielleicht bekommt ja einer noch Schnupfen“, sagt Schiele lächelnd: „Das würde mir die Entscheidung einfacher machen. Es wird spannend“, sagt er über die Aufstellung, bei der er sich tatsächlich noch nicht ganz sicher zu sein scheint.

    Der Gelbe-Karten-König

    Bestes Beispiel: die zentrale Position im defensiven Mittelfeld. Dort agierte am Sonntag Emanuel Taffertshofer, und machte seine Sache sehr gut. Konkurrent Nikolaou wird am Freitag aber eine Portion Extramotivation verspüren. Der 24-jährige gebürtige Bonner, der beim 1. FC Köln ausgebildet wurde, spielte vor seinem Wechsel an den Dallenberg für die Erfurter. „Ich habe dort den Sprung in den Profifußball geschafft, habe natürlich noch einige Kontakte. Aber am Freitag zählt das natürlich nicht.“ In Würzburg ist Nikolaou, der in der vergangenen Drittliga-Saison mit 16 Gelben Karten in dieser Kategorie der Rekordspieler der Liga war, prompt zum Führungsspieler geworden. „Er hat sich weiterentwickelt. Ist jetzt auch auf dem Feld lauter geworden. Über seine Qualität braucht man nicht zu diskutieren“, so Schiele, der womöglich auch mit Taffertshofer und Nikolaou ins Spiel starten könnte. Dann freilich müsste er einen Offensivakteur opfern.

    Christopher Biebers Rückkehr

    In Erfurt wäre man ganz gewiss froh um solcherlei Probleme. Bei den Rot-Weißen wird der Ex-Würzburger Liridon Vocaj fehlen. Er laboriert an einer hartnäckigen Rückenverletzung. Auf einen Akteur wird man sich am Dallenberg freilich ganz besonders freuen. Stürmer Christopher Bieberdurfte gegen Meppen mal wieder von Beginn an ran, wurde dann aber ausgewechselt. Zum Stammspieler hat es der 28-Jährige in Erfurt nicht geschafft. Aus dem aktuellen Kickers-Team spielte der Publikumsliebling aus Regionalligazeiten nur noch mit Ioannis Karsanidis zusammen und eben mit Nikolaou in der vergangenen Saison in Erfurt. Der freut sich noch aus einem ganz anderen Grund auf den Freitagabend: „Flutlichtspiele“, sagt er, „haben für Fußballer einen ganz besonderen Reiz. Wir hatten uns eines gewünscht. Schön, dass es geklappt hat.“

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