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    HANDBALL: ZWEITE BUNDESLIGA MÄNNER

    Schwache Abwehr kostet die Wölfe Punkte in Hamm

    Rimpars Handballer verlieren beim abstiegsbedrohten ASV verdient mit 28:33, bleiben aber Tabellenvierter.

    Rimparer Wölfe gegen ASV Hamm-Westfalen Foto: Robert Szkudlarek

    Wie viele Klubs in der zweiten Handball-Bundesliga, so lässt auch der ASV Hamm-Westfalen sogenannte sehr wichtige Personen der Stadt im Hallenheft den Ausgang seiner Heimspiele vorhersagen. Im VIP-Tipp zum Duell gegen die DJK Rimpar Wölfe tippten 17 der 18 Befragten auf einen Sieg des abstiegsgefährdeten Tabellen-17. über den Vierten, einer auf ein Unentschieden – keiner auf eine Niederlage. Ob es sich um einen Fall von Handball-Schwarmsachversand handelt, von erfolgreicher Motivation des eigenen Teams oder um puren Zufall – die 17 VIPs sollten Recht haben. Mit 33:28 (18:16) setzten sich die Westfalen am Samstagabend vor 1744 Zuschauern in der Westpress Arena verdient gegen die Unterfranken durch.

    Die Wölfe bleiben auf Rang vier, haben durch den Erfolg des Zweiten Hüttenberg (34:29 gegen Saarlouis) und das Unentschieden des Dritten Bietigheim (31:31 gegen Ludwigshafen-Friesenheim) nun aber zwei Punkte Rückstand auf einen Aufstiegsrang.

    „Wir hatten heute ein Abwehrproblem, und zwar in jeder Formation“, konstatierte DJK-Chefcoach Matthias Obinger nach der Niederlage in Hamm. „Mit 28 Toren könnte man auswärts durchaus gewinnen.“ Sein ASV-Kollege Stephan Just sagte: „Wir haben den Kampf angenommen, auch den gegen den Abstieg, und über 60 Minuten konzentriert gearbeitet. Unser Angriffsspiel mit 33 Treffern war natürlich überragend.“

    Wie die Hammer VIPs, so hatte den Ausgang auch im Rimparer Rudel einer geahnt: Co-Trainer Josef Schömig. „Ich befürchte, die hauen heute einen raus“, hatte er eine Stunde vor dem Anpfiff gesagt. Nach dem Aufwärtstrend der vergangenen Wochen seien die Gastgeber „gefestigt genug, dass sie sich vom Druck des Gewinnenmüssens nicht lähmen lassen, sondern ihn in Energie umwandeln“. Wie so oft sollte Schömig auch diesmal sein Gefühl nicht trügen.

    Anders als am vergangenen Wochenende in Neuhausen, als die Wölfe dank ihrer aggressiven Abwehr einen Auswärtssieg gelandet und dabei in der ersten Halbzeit nur acht und insgesamt nur 18 Gegentore zugelassen hatten, taten sie sich diesmal schwer, einen Zugriff in der Deckung zu bekommen. Zur Pause hatten sie bereits so viele Treffer kassiert wie im gesamten letzten Spiel, am Ende waren es 33. Was freilich auch dem ASV-Angriff geschuldet war - ein anderes Kaliber jener der Vorwoche. Vor allem aus dem agilen und wurfstarken Rückraum flogen DJK-Keeper Max Brustmann die Bälle reihenweise um die Ohren. Nach 18 Minuten und nur einer Parade machte er Andreas Wieser im Kasten Platz. Doch auch er tat sich schwer gegen die oft unbedrängt zum Abschluss kommenden Roten. „Wir wollten rausgehen auf unsere Gegenspieler, aber dadurch haben wir ihnen wahnsinnig viele Räume aufgemacht“, sagte Rimpars sichtlich frustrierter Kapitän Stefan Schmitt hinterher.

    Auf beiden Seiten dominierten so die Offensivreihen das anfangs noch ausgeglichene, durchaus gefällige und schnelle Spiel. Immer, wenn die Gäste zu voreilig oder nicht zwingend genug abschlossen, passierte das, wovor Obinger im Vorfeld gewarnt hatte: Sie wurden mit Kontern dafür bestraft. Vier Treffer markierte Hamm im ersten Durchgang nach Tempogegenstößen – Rimpar zwei. Insgesamt gewann der ASV die Konterquote mit 8:4, doch das war nicht mal unbedingt entscheidend. Vorerst aber sorgten die paar verpassten Chancen dafür, dass die Westfalen bis zur Pause immer wieder auf bis zu drei Tore davonzogen. Beim Stand von 18:16 ging es in die Kabinen.

    Nach dem Wiederanpfiff setzten sich die Gastgeber auf 21:17 (35.) ab – erneut durch Konter des pfeilschnellen Rechtsaußen Lars Gudat nach drei zu schlampigen und unplatzierten Würfen der Wölfe. Diese mussten in der Deckung improvisieren. Durch den arbeitsbedingten Ausfall von Kreisläufer Julian Bötsch musste Lukas Böhm zeitweise im Innenblock aushelfen, um Jan Schäffer und Stefan Schmitt zu entlasten; am Kreis wechselten sich die beiden Abwehrchefs ab.

    Als die Westfalen in der 47. Minute mit sechs Toren in Führung gingen, spürten die Heimzuschauer, dass ihrer mit Lust und Leidenschaft kämpfenden Mannschaft an diesem Abend der Sieg nicht mehr zu entreißen war. Sie erhoben sich erstmals von ihren Plätzen und applaudierten im Stehen, während die ASV-Akteure mitunter schon die Fäuste ballten. Den Grün-Weißen fiel gegen die im Spielverlauf auch immer kompakter und aggressiver werdende ASV-Abwehr indes nicht mehr allzu viel ein. So wuchs ihr Rückstand auf bis zu sieben Treffer an (30:23, 51.). Uneinholbar für die Unterfranken.

    Nach zwei Auswärtsauftritten steht nun wieder ein Heimspiel für die Rimparer an. Am kommenden Samstag (20 Uhr) ist der Dessau-Roßlauer HV zu Gast in der s.Oliver Arena. Mal sehen, was die VIPs im Hallenheft der Wölfe tippen…
     

    Die Statistik des Spiels

    Hamm: Storbeck (1.-60.), Doden (bei einem Siebenmeter) – Huesmann, Brosch 1, Fuchs 1, Fridgeirsson 3, Eggert, Macke 3, Ritterbach 2, Pretzewofsky, Gudat 4, Zintel 8/3, Höning 6, Neuhold 5.
    Rimpar: Brustmann (1.-18., 43.-60.), Wieser (19.-42.) – Kraus 1, Schmitt 2, Schömig 1, Böhm, Schäffer 3, Schmidt 6/3, Kaufmann 4, Siegler 2, Bauer 3, Brielmeier, Herth 3, Sauer 3.
    Spielfilm: 3:3 (6.), 5:3 (7.), 6:6 (12.), 9:6 (14.), 12:9 (17.), 12:11 (19.), 16:13 (24.), 18:16 (Halbzeit), 21:17 (35.), 24:19 (42.), 30:23 (51.), 33:28 (Endstand).
    Siebenmeter: 4/3 : 4/3.
    Zeitstrafen: 2:2.
    Schiedsrichter: Fabian vom Dorff/Christian vom Dorff (Kaarst).
    Zuschauer: 1744.
     

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