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    HANDBALL: ZWEITE BUNDESLIGA MÄNNER

    Warum die Wölfe aufsteigen (müssen)

    Zehn Gründe, die fünf Spiele vor Saisonende und vor der Auswärtsaufgabe bei der HSG Nordhorn-Lingen für die Sensation der Rimparer sprechen

    Nur bitten oder auch beten wird nicht helfen: Sebastian Kraus und die Rimparer Wölfe werden in den letzten fünf Spielen ... Foto: Frank Scheuring (foto2press.de)

     

    HSG Nordhorn-Lingen – DJK Rimpar Wölfe
    (Sonntag, 17 Uhr, Emsland-Arena)

    Noch ein knapper Monat und fünf letzte Duelle für die Zweitliga-Handballer der DJK Rimpar Wölfe (3./44:22). Fünfmal spielen für die Sensation. Fünfmal konzentrieren für den Coup. Fünfmal kämpfen für den Traum. Den Aufstieg in die erste Bundesliga. Am Sonntag steht bei der HSG Nordhorn-Lingen (7./34:32) das erste von bis zu fünf Finals für das Team von Trainer Matthias Obinger an. Vorab nennen wir zehn Gründe, warum die Wölfe am Ende aufsteigen werden – und warum sie jetzt aufsteigen müssen.

    1. Weil sie es wollen

    Der Sport hat unzählige Geschichten darüber geschrieben, was Willenskraft möglich macht. Wer wie die Wölfe sogar eine Legende schreiben will, der braucht pures Herzblut als Tinte dafür. Und es muss noch dicker sein als das Herzblut derer, die das Gleiche wollen. Als Warnung sollte den Rimparern die Saison 2014/15 dienen. Damals spielten sie schon einmal um den Aufstieg mit. Und damals ging es schief. Weil sie von den fünf Finals nur eines gewannen.

    2. Weil sie es ohne Hilfe können

    Die Rimparer haben es selbst in der Hand: Gewinnen sie alle fünf Partien, werden sie am Ende auf jeden Fall mindestens auf Platz drei stehen. Am vorletzten, vielleicht sogar schon entscheidenden Spieltag (Samstag, 3. Juni, 18 Uhr), könnte es zum großen Showdown in der s.Oliver Arena gegen den TV Hüttenberg kommen. Gegen den Vierten, der aktuell ein Spiel und einen Punkt weniger auf dem Konto hat, hätten sie dann alle Trümpfe auf ihrer Seite. Und zu Hause sind die Wölfe bisher eine Macht, davon zeugt auch der dritte Rang in der Heimtabelle. Realistischer ist dennoch, dass sie nicht alle Endspiele gewinnen. Doch selbst wenn sie noch einen bis zwei Zähler verlieren, könnte es reichen. Mehr Ausrutscher sind wohl nicht drin.

    3. Weil sie konstant spitze sind

    „Wenn du 33 Spieltage lang da oben mitmischst, willst du natürlich auch zum großen Schlag ausholen“, sagte Matthias Obinger nach dem letzten Heimsieg am Dienstag gegen den TV Emsdetten. Nach acht Spieltagen stand sein Team bisher auf dem dritten Aufstiegsplatz, nach 14 auf Verfolgerrang vier. Schwächer waren die Wölfe letztmals kurz vor der Winterpause. In der Hinrunde waren sie fünfmal Fünfter und zweimal Sechster. Die schlechtesten Plätze – zweimal Rang zehn, einmal neun – belegten sie direkt zum Saisonstart. Der Grund: Wegen einer Zugpanne hatten sie den Auftakt in Wilhelmshaven verpasst. In der Rückrunde rutschten die Rimparer dann nie unter Rang vier.

    4. Weil sie angriffslustig sind

    Die Abwehr war seit jeher das Prunkstück im Spiel der Grün-Weißen, wenngleich sie mit aktuell 25,8 Gegentreffern pro Partie etwas über ihrem Wunschwert von maximal 25 liegen. Deutlich gesteigert haben sich die Wölfe dagegen im Angriff. Erzielten sie in der zurückliegenden Saison im Durchschnitt 24,7 Tore pro Partie, sind es in der laufenden Runde bisher 27,2. Diese Entwicklung ist auch Resultat der Philosophie ihres Trainers vom „kreativen Chaos“: weg vom Schablonenhandball, hin zu einem freieren und selbstverantwortlicheren Angriffsspiel. Auch der zeitweilige Einsatz des siebten Feldspielers hat die Offensive der Obinger-Schützlinge variabler gemacht. Zuletzt hat der Kniff des Coachs sogar den Sieg gesichert: Gegen Emsdetten agierte Rimpar vorne eine dreiviertel Stunde lang zu siebt und kassierte dabei nur zwei Gegentreffer ins leere Tor. Zur neuen Angriffslust gesellt sich eine neue Abgezocktheit: Während in der vergangenen Spielzeit etliche Krimis knapp verloren gingen, gewannen die Wölfe diesmal die meisten engen Duelle.

    5. Weil sie auswärts stärker sind

    Stand jetzt sind die Wölfe auswärts achtmal so erfolgreich wie in der vergangenen Saison. Gelang ihnen da nur ein Sieg in fremden Hallen, waren es diesmal bisher acht. Damit rangieren sie in der Gast-Tabelle auf Platz vier. Bei der HSG Nordhorn-Lingen gelang ihnen schon zweimal ein Punkteklau: In ihrer Erfolgssaison 2014/15 gewannen die Rimparer dort mit 28:25. In der vergangenen Spielzeit nahmen sie beim 20:20 immerhin einen Zähler mit. Unentschieden (22:22) endete übrigens auch das Hinspiel im Dezember. Nach der Reise an die niederländische Grenze müssen die Unterfranken noch ins Siegerland zum mutmaßlichen Absteiger TuS Ferndorf. Zum möglichen Herzschlagfinale geht es dann am 10. Juni noch in den hohen Norden zum VfL Bad Schwartau.

    6. Weil die Generation golden ist

    Rimpar rockt! Noch nie zuvor und auch auf absehbare Zeit nicht wieder wird der Aufstieg mit so vielen Eigengewächsen möglich sein. Fünf Spieler aus dem 15-köpfigen Kader stammen aus der Marktgemeinde, ebenso wie Coach Obinger und sein Assistent Josef Schömig. Für die goldene Generation um Kapitän Stefan Schmitt, Linksaußen Sebastian Kraus, Rechtsaußen Julian Sauer und Torwart Max Brustmann, die vor zehn Jahren noch in der Landesliga spielte, wäre der Aufstieg die Krönung ihrer im Spätherbst angekommenen Karrieren. Obinger und Schömig würden wohl mindestens zu Helden in ihrem Heimatort, vielleicht würde ja sogar eine Gasse nach ihnen benannt werden.

    7. Weil sie Rolf Brack haben

    Als Trainer hat Rolf Brack in über drei Jahrzehnten kleinere Vereine groß gemacht. Drei führte er zusammen viermal in die Erste Liga, darunter den HBW Balingen-Weilstetten. Das gelang noch keinem vor und nach ihm. Als sportlicher Berater in Rimpar platzte er bereits bei seinem Amtsantritt vor Ehrgeiz, auch dem Dorfklub zum Sprung in die stärkste Handballliga der Welt zu verhelfen. „Ich hatte bisher immer ein Näschen dafür, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein“, sagte er im August. Die Zusammenarbeit mit seinem einstigen Trainerlehrling und ebenso passionierten Taktiktüftler Matthias Obinger beurteilen beide promovierte Sportwissenschaftler als höchst fruchtbar. Vielleicht fahren sie erstmals gemeinsam die Aufstiegsernte ein.

    8. Weil Rivalen für sie spielen

    Wenn die Wölfe bisher überraschend patzten, war oft auch auf die Konkurrenz Verlass, die es ihnen ebenso überraschend nach- oder auch mal vormachte. Bestes Beispiel: Als Rimpar sich jüngst den Ausrutscher in Konstanz erlaubte, verlor kurz darauf der Zweite Bietigheim in Dessau-Roßlau und der da noch Dritte Hüttenberg in Hamm-Westfalen.

    9. Weil ihr Restprogramm geht

    Von den drei Klubs hinter dem seit Mittwoch feststehenden Meister TuS N-Lübbecke hat Rimpar das vermeintlich leichteste Restprogramm. Bietigheim und Hüttenberg nehmen sich im direkten Vergleich noch gegenseitig Punkte weg; beide müssen zudem noch gegen den Spitzenreiter ran, auch wenn dieser durch die vollbrachte Bundesliga-Rückkehr womöglich nicht mehr mit allerletzter Konsequenz zu Werke gehen wird. In Lauerstellung schielt noch der Fünfte Ludwigshafen-Friesenheim auf die Aufstiegsplätze – und der hat bei zwei Punkten Rückstand auf Hüttenberg noch sehr machbare Aufgaben vor sich. Die Eulen könnten den Wölfen vielleicht sogar noch am gefährlichsten werden.

    10. Weil die Chance einmalig ist

    In diesem Jahr steigen noch die ersten drei Klubs auf, ab der nächsten Saison nur noch die ersten zwei. Vielleicht noch nie war eine Liga so ausgeglichen wie diese, vielleicht nie mehr wird ein Verein mit mehr als 20 Minuspunkten aufsteigen können. Alles läuft in dieser Saison also für die Wölfe – selbst von langwierigen Verletzungen blieben sie bis auf den kürzlich passierten Kreuzbandriss von Max Bauer verschont. Nun haben sie die legendäre Chance auf den Erstliga-Aufstieg und damit den größten Erfolg der Vereinsgeschichte. Eine vermutlich einmalige Chance.

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