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    Fußball: Zweite Bundesliga

    Kickers belohnen sich erneut nicht

    Beim 1:1 gegen die SpVgg Greuther Fürth erzielt der Würzburger Zweitligist beide Tore

    Die erfreuliche Nachricht vorneweg: Fußball-Zweitligist FC Würzburger Kickers gelang es in diesem Jahr erstmals, kein Tor jenseits der 80. Spielminute zu kassieren. Im Frankenduell am Freitagabend vor 10251 Zuschauern in der Flyeralarm Arena trennten sich die Rothosen von der SpVgg Greuther Fürth 1:1, was den Kickers nach einem Remis und zuletzt drei Niederlagen am Stück den zweiten Punkt im Jahre 2017 bescherte. Und den Gästen gelang das Kunststück, ohne einen einzigen Schuss aufs Tor dennoch einen Treffer gutgeschrieben bekommen zu haben. „Was wir uns vorgenommen haben, konnten wir nur sehr wenig umsetzen“, sagte Fürths Trainer Janis Radoki, der vor allem mit seiner Offensive haderte.

    Sein Würzburger Kollege Bernd Hollerbach war mit der Leistung seiner Mannschaft „sehr zufrieden“, weil „wir das Spiel weitgehend kontrolliert haben“, ärgerte sich freilich über die „blöde Standardsituation“, die zum
    Ausgleich führte. Hollerbach, der auf den gelbgesperrten Clemens Schoppenhauer verzichten musste, beorderte seine vergangenen Samstag in Bochum gesperrten Abwehrspieler Junior Diaz und Kapitän Sebastian Neumann wieder vom Anpfiff weg in die Dreierkette. Und Winter-Neuzugang Sebastian Ernst durfte auch wieder von Beginn an mittun, im Mittelfeld neben Geburtstagskind Emanuel Taffertshofer, der am Freitag 22 wurde und sich mit einer ähnlich formidablen Leistung wie in der Vorwoche in Bochum beschenkte – und von Hollerbach ein Extralob bekam: „Er hat heute wie in Bochum ein klasse Spiel gemacht.“

    Soriano trifft den Pfosten

    Mit großem Abtasten hielten sich beide Mannschaften gar nicht lange auf. Von Anfang an entwickelte sich ein recht intensives Spiel, zwar mit vielen Zweikämpfen im Mittelfeld, aber auch mit der einen oder anderen hübschen Ballstafette. Nach einer solchen in der siebten Minute konnte sich Peter Kurzweg auf dem linken Flügel beherzt und mit großem Willen durchsetzen. Nach seiner klugen Hereingabe wurde Elia Sorianos Linksschuss von einem Fürther noch so leicht abgefälscht, dass die Kugel nur an den rechten Außenpfosten klatschte. „Wir haben in der ersten Halbzeit vor alle über die linke Seite viel Betrieb gemacht“, meinte Hollerbach. Sorianos Pfostenschuss sollte allerdings die einzige wirkliche Torchance bis zur Pause bleiben, weil das Schüsschen von Ernst, der sich erst noch ein wenig an die Liga gewöhnen muss, nach gut 20 Minuten bestimmt nicht als Tormöglichkeit gewertet werden darf. Der recht flotte Beginn versprach freilich mehr, als die erste Halbzeit dann hielt. Die Kickers erkämpften sich zwar eine optische Überlegenheit, und auch ein paar Eckbälle bekamen sie – allein: Etwas Zwingendes oder gar das Fürther Tor Gefährdende kam bei all dem Bemühen nicht heraus. So wurde das Ganze zu einer immer zäher werdenden Veranstaltung, die sich bis zur Pause dann letztlich hinzog wie ein ausgelutschter Kaugummi. Einzig unterbrochen von einer Aktion in der 35. Minute, als Soriano alleine versuchen musste, sich gegen zwei Fürther Abwehrspieler durchzusetzen, aber im Strafraum dann von Niko Gießelmann zwar recht waghalsig, aber völlig regelkonform gestoppt wurde. Diese Nichtchance taugte aber bereits als mittelprächtiger Aufreger in dem noch mittelmäßigeren ersten Abschnitt. „Da hat Soriano leider nicht abgezogen, sondern einen Schlenker zu viel gemacht“, analysierte Hollerbach treffend.

    Schröck bringt die Kickers in Führung

    Es schien, als wollten beide Mannschaften dies direkt nach der Pause wettmachen. Schwungvoll ging’s gleich richtig rund: Der in der Pause für den arg zurückhaltend agierenden Felix Müller eingewechselte Valdet Rama machte sich nach zwei Minuten auf dem offensichtlich arg ramponierten Rasen gleich verdient und setzte sich willensstark auf der rechten Seite durch. Seine eigentlich missratene, da zu lange gezogene Flanke bugsierte dann Peter Kurzweg von links in die Mitte, wo Tobias Schröck seinen Fuß hinhalten konnte zur 1:0-Führung der Rothosen.

    Diaz sorgt per unglücklichem Eigentor für den Ausgleich

    Wer freilich geglaubt hatte, das Tor würde den Kickers nun mehr Selbstvertrauen und Ruhe bescheren, sah sich getäuscht – und die unglückliche Aktion nur vier Minuten später konnte, jedenfalls in punctoSelbstsicherheit, natürlich auch nicht viel dabei helfen. Es war eine skurrile Szene, die vielleicht sinnbildlich stehen kann für die aktuelle Situation der Kickers: Nach einem Fürther Freistoß aus dem Halbfeld kam Kickers-Torwart Robert Wulnikowski herangeflogen – und faustete das Spielgerät Junior Diaz derart kräftig vor die Brust, dass es von dort aus sechs Metern in die Kiste trudelte. „Mir ist lieber, der Torwart kommt raus, als dass er passiv auf der Linie bleibt. Und dann passiert sowas halt auch mal“, meinte Hollerbach.

    Nagy vergibt die Siegchance

    „Das Spiel war insgesamt zerfahren“, meinte Radoki, „nach dem Ausgleich wurde es noch zerfahrener.“ Man merkte den Kickers fortan zwar durchaus ihren Willen an, das Eigentor-Missgeschick vergessen zu machen, aber wirklich zwingend kamen sie nur noch einmal vor den Fürther Kasten. Eine Viertelstunde vor Schluss setzte sich der eingewechselte Daniel Nagy auf der rechten Seite durch, aber anstatt auf Soriano zurückzulegen, schob er dem Fürther Torsteher Balazs Megyeri den Ball in die Arme. Weshalb die Kickers zwar ihre drei Niederlagen andauernde Serie nun also beendet haben, sich letztlich aber gegen arg harmlose Fürther, die sich keine einzige Torchance erspielen konnten, über zwei liegen gelassene und daher verschenkte Punkte auch ärgern durften. Wieder einmal hat sich die Hollerbach-Mannschaft nicht für ihre Mühen belohnt. Torschütze Tobias Schröck meinte, dass „das zwar schon sehr bitter ist“, aber er hat auch Hoffnung geschöpft für die Zukunft: „Wenn wir weiter hart arbeiten, wird das Glück auch wieder zurückkommen und wir werden auch wieder gewinnen.

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