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    FUßBALL: DRITTE LIGA

    Kickers feiern vierten Sieg in Serie

    Auch Großaspach kann den Lauf der Schiele-Elf nicht stoppen. Die Würzburger kommen immer mehr in Fahrt.

    Und plötzlich hört man es wieder: Oh du fröhliche! So trüb das Jahr 2017 für den FC Würzburger Kickers auch verlaufen ist, am Ende sorgt der Fußball-Drittligist tatsächlich wieder für Jubelstimmung bei seinem Anhang. Dabei ist es gerade einmal ein paar Wochen her, da hatte sich Tristesse am Dallenberg breit gemacht. Als Tabellenletzter waren die Kickers in den Monat November gestartet. Am ersten Advent scheint das alles ganz weit weg zu sein. Vier Siege haben die Kickers in Serie erreicht, mal erkämpft und mal – wie an diesem Sonntag - erspielt. Zehn Punkte liegen inzwischen zwischen den Würzburgern und dem Tabellenende. Nach dem vollauf verdienten 3:1 (2:1)-Auswärtssieg bei der zuvor fünf Partien ungeschlagenen SG Sonnenhof Großaspach, verbesserten sich die Kickers in der Tabelle auf Platz elf.

    Vor den beiden Heimspielen gegen Tabellenschlusslicht Erfurt am Freitag und den SV Meppen zum Rückrundenauftat am 16. Dezember müht sich Trainer Michael Schiele nun, die Begeisterung etwas zu bremsen. Es solle bloß niemand denken, es würde nun von alleine laufen. Dabei hatte man Sonntag im schwäbischen Schneetreiben bisweilen doch den Eindruck, die Kickers würden mit dem Gegner Hase und Igel spielen.

    Wo auch immer ein Aspacher hinwollte, ein Würzburger war schon da. Diese Lauffreude ist es, die die Schiele-Mannschaft in diesen Tagen vor allem auszeichnet. Hinter der scheinbaren Leichtigkeit steckt jene Arbeit auf dem Trainingsplatz, die der 39-jährige Übungsleiter seit seinem Amtsantritt so intensiviert hat und die nun auch Früchte trägt. Genau das betonen auch die Spieler bei jeder sich bietenden Gelegenheit.

    Effektive Kickers

    Großaspach war durchaus mit breiter Brust angetreten. Es war das letzte Heimspiel des Jahres für die Schwaben, die das Stadion mit einer Kartenaktion für Fußballklubs das Stadion füllen wollten. 4500 Besucher kamen schließlich. Doch in dem 10 000-Zuschauer-Stadion in der Provinz, wo die Atmosphäre mit der Almhütte hinter der Haupttribüne so gar nicht zum sonstigen Fußballbetrieb passt, waren es nicht nur die Kickers-Fans, die den Ton angaben. Die Kickers verstanden es, dem Gegner von Beginn an den Schneid abzukaufen und sie agierten effektiv. Ein Musterbeispiel war der Konter zum ersten Würzburger Treffer, als es nach einem Eckball für die Hausherren in rasendem Tempo in die andere Richtung ging und Orhan Ademi die gute Vorarbeit seiner Mitspieler verwertete.

    Überhaupt war der 26-jährige Schweizer der Mann des Tages. Nicht nur weil er mit dem 3:1 in der 83. Minute einen Doppelpack schnürte. Sondern weil er ein Musterbeispiel an Einsatzwillen und Laufbereitschaft war. Tugenden, die dem in vielen Partien eher phlegmatisch wirkenden Angreifer manch ein Rothosen-Fan bereits abgesprochen hatte. Doch auch er scheint nun körperlich in jenem Zustand zu sein, um den von Schiele geforderten kraftintensiven Fußball, der den Angreifern bereits viel Defensivarbeit abverlangt, zeigen zu können.

    Im Duo mit Marco Königs sorgte Ademi für Wirbel. Schiele hatte diesmal eine Doppelspitze aufgeboten. Eine Überraschung, die dem Trainer gelungen war. „No risk, no fun“, sagte Simon Skarlatidis grinsend zur offensiven Würzburger Grundausrichtung. Der Deutsch-Grieche hatte bei seiner Rückkehr nach Großaspach, wo er den Sprung in den Profifußball geschafft hatte, nicht nur den ersten Würzburger Treffer vorbereitet, sondern auch das 2:1 (38.) mit einem Aufsetzer aus rund 20 Metern selbst erzielt. Auf den Jubel hatte er nach dem Tor verzichtet. „Ich wollte erst – aus der Emotion heraus – jubeln. Aber das gehört sich nicht, wenn man sechs Jahre hier gespielt hat.“ Spaß am Erfolg gegen den Ex-Klub hatte Skarlatidis trotzdem. Auch weil auch er feststellte, „dass die Räder bei uns nun immer besser ineinander greifen.“

    Die Kickers sind auf der Zielgerade des Jahres erst so richtig in Fahrt gekommen. Daran konnten auch die Sperren für Kapitän Sebastian Neumann, der die Partie im Fanblock verfolgte, und Jannis Nikolaou nichts ändern. Außer beim 1:1 durch Timo Röttger (33.), als die Hintermannschaft einen Moment nicht sortiert war, ließen die Kickers kaum einmal eine Chance zu. Einmal musste Torhüter Patrick Drewes gegen Röttger retten (17.). Das war?s dann aber auch schon mit Chancen für die Hausherren. „Nach dem 1:0 hatte wir eine Phase, in der wir nicht mehr so intensiv verteidigt haben“, fand Trainer Schiele noch etwas zu bekritteln. Viel war es freilich nicht, was sich an diesem Nachmittag kritisieren ließ.

    Als sich am Abend dann eine Schneedecke übers Land gelegt hatte und die Kickers sich auf den Weg in die Heimat machten, war die Hoffnung endgültig zurückgekehrt. Vielleicht wird es ja doch noch eine gute Saison für den Zweitliga-Absteiger.

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