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    Fußball: Zweite Bundesliga

    Der Club als idealer Gegner

    Nürnbergs Trainer Köllner macht den Würzburger Kickers vor dem Frankenduell Komplimente, geht aber von einem Sieg aus.

    So will er auch am Sonntag in Würzburg jubeln: Nürnbergs Trainer Michael Köllner. Foto: Daniel Karmann, dpa

    Was so ein Sieg nicht alles bewirken kann. Am vergangenen Samstag hat Fußball-Zweitligist 1. FC Nürnberg mit 2:1 gegen Erzgebirge Aue gewonnen und seither ist beim notorisch aufgeregten FCN plötzlich alles nur noch halb so wild. Da stört vor dem Gastspiel beim FC Würzburger Kickers am Sonntag (13 Uhr, Flyeralarm Arena) selbst eine öffentlich ausgetragene Torwart-Debatte nicht die Laune.

    Der eher zufällig in Würzburg geborene und in Mittelfranken aufgewachsene Thorsten Kirschbaum hatte sich vor dem Gastspiel in seiner Geburtsstadt über die „Bild“-Zeitung beklagt, dass er trotz auskurierter Bauchmuskel-Verletzung gegen Aue nicht im Kasten stand. Stattdessen hatte Torwart-Oldie Raphael Schäfer wieder das Vertrauen. Für Kirschbaum ein klarer Fingerzeig, ehe er in der kommenden Saison mit Fabian Bredlow, der vom Drittligisten Hallescher FC kommt, einen neuen Kontrahenten hat. „Das Schwierige am Trainerberuf ist, dass du jemanden mit deiner Aufstellung im Stolz verletzen musst. Danach geht es aber darum, ihn dazu zu bringen, wieder Gas zu geben.“ Kirschbaum habe gut trainiert, verriet Nürnbergs Trainer Michael Köllner am Freitag.

    Die Torwart-Geschichte zeigt ein bisschen wie der gebürtige Oberpfälzer Köllner, der sich selbst als Trainer-Autodidakt beschreibt, die Mannschaft führt. Spaß am Wettstreit im Training soll Erfolg auf dem Platz bringen. Die Bilanz bleibt zwar durchwachsen, der Klassenerhalt aber ist mit dem Sieg über Aue wohl unter Dach und Fach.

    Auf „schmutziges Spiele“ einstellen

    „Ein idealer Gegner“ sei der Club nun für die Würzburger Kickers, glaubt Nürnbergs Trainer. Denn mit nur einem Sieg gegen den zuletzt vier Mal auf fremden Plätzen erfolglosen FCN könnte das Hollerbach-Team nicht nur einen entscheidenden Schritt in Richtung Klassenerhalt machen, sondern auch die bislang so ernüchternde Rückrunde durchaus aufhübschen. „Für Würzburg ist das natürlich ein Highlight-Spiel gegen den großen Nachbarn“, glaubt Köllner. Mit fußballerischen Feinheiten rechnet Nürnbergs Coach eher nicht. Wenn er von den Kickers spricht, verwendet er immer wieder das Wort Zweikämpfe. „Wir müssen uns da auf ein schmutziges Spiel einstellen.

    “ Am Ende aber müsse sein Team „einen Gegner, der mit dem Rücken zur Wand steht“, schon schlagen können. Schließlich habe diese Partie für die Fans schon eine Bedeutung, weiß Köllner. „Die vielen Anhänger im Frankenland erwarten gerade in diesem Spiel von uns schon eine stabile, gute Leistung.“

    23. Oktober 1977: Als die Kickers den Club abfertigten

    Für die Kickers findet Köllner die fast schon üblichen warmen Worte: „Man muss den Hut ziehen. Aus den Niederungen des Amateurfußballs bis in die zweite Bundesliga aufzusteigen, ist eine Energieleistung des ganzen Vereins.“ Nun aber, glaubt der Nürnberger Coach, stelle sich eine völlig neue Situation. „Mit einem solchen Absturz hat man in Würzburg sicher nicht gerechnet“, glaubt er mit Blick auf die sieglose Rückrunde der Rothosen. Schließlich sei es für die Kickers in den vergangenen Jahren „kometenhaft“ nach oben gegangen. „Jetzt muss man als Verein lernen, mit einer solchen Negativserie umzugehen. Da hat Würzburg hart dran zu knabbern“, glaubt Köllner.

    Buchautor und Autobiograf

    Selbstbewusst tritt der Mann, der eigentlich als Leiter des Nachwuchs-Leistungszentrums nach Nürnberg geholt wurde, durchaus auf. Auch das ist bei ihm Programm. Auf der eigenen Internetseite von Köllner, Autor des Buches „Dein Weg zum Fußballprofi“, kann man eine immerhin achtseitige Auto-Biografie herunterladen. Ob Köllner in der kommenden Saison wieder zuvorderst für die Nachwuchsarbeit beim Klub oder doch für das Profiteam verantwortlich sein wird, wird auch entscheidend von der Stimmung am Valznerweiher abhängen. Und dieser wäre ein Erfolg gegen den kleinen Emporkömmling aus Unterfranken gewiss nicht abträglich.

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