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    FUßBALL: DRITTE LIGA

    Michael Schiele will seine Chance bei den Kickers nutzen

    Der Interimscoach könnte zum Cheftrainer werden. Zumindest gehört er zum Kandidatenkreis.

    Da gehts lang: Interimstrainer Michael Schiele will bei den Kickers neue Reize setzen. Foto: Heiko Becker

    Wenn man die Internetseite des FC Würzburger Kickers aufruft und sich dort den Betreuerstab anschaut, ist der Job klar definiert: „Interimstrainer“ steht unter dem Foto von Michael Schiele. Interim ist lateinisch und bedeutet – so steht es im Duden – inzwischen, einstweilen. Ob der Drittligist sich inzwischen wirklich intensiv um einen neuen Trainer bemüht? Ob Schiele nicht einstweilen doch das Sagen beim Tabellen-17. behält? Wer dachte, die Kickers würden schon am Samstag (14 Uhr) beim Auswärtsspiel in Karlsruhe mit einem neuen Chefcoach auf der Bank antreten, sieht sich getäuscht.

    Vier Drittliga-Spiele soll die Bewährungsphase für den einstigen Co-Trainer des entlassenen Stephan Schmidt andauern. Dann ist wieder Länderspielpause und Zeit, sich zu entscheiden. So zumindest konnte man Kickers-Vorstandsvorsitzenden Daniel Sauer am Donnerstag verstehen: Es sei zwar relativ einfach, in den nächsten Tagen einen Trainer zu präsentieren. Dies werde aber nicht passieren: „Wir geben uns die Zeit, die es braucht, um eine fundierte Entscheidung im Sinne des Vereins zu finden.“

    Man könnte, angesichts des zögerlichen Vorgehens der Kickers auch auf die Idee kommen, das Ganze sei eine finanzielle Sache und sie wollen es erst einmal mit der womöglich am wenigsten kostspieligen Alternative probieren. Man werde die Entwicklung der Mannschaft genau beobachten „und gleichzeitig schauen, welche Kandidaten wirklich zu den Würzburger Kickers passen“, so der Kickers-Chef und Sportdirektor. Auch Michael Schiele gehöre zu dem Kandidatenkreis.

    Seit Frühjahr Fußball-Lehrer

    Für den 39-jährigen Interimstrainer bietet sich in den kommenden Wochen also eine große Chance. Ex-Trainer Schmidt selbst sei es gewesen, der ihn im Sommer kontaktiert und nach Würzburg gelotst habe, berichtet Schiele, der im Frühjahr unter anderem gemeinsam mit dem neuen Ingolstädter Cheftrainer Stefan Leitl und dem kürzlich beim VfL Bochum entlassenen Ismail Atalan den Fußball-Lehrer-Lehrgang erfolgreich abschloss. Schiele, der sowohl unter Stefan Ruthenbeck als auch unter Ralph Hasenhüttl schon als Co-Trainer arbeitete, dürfte – zumindest aus Verbandssicht – ohne Probleme zum Cheftrainer aufsteigen. „Ich werde versuchen, der Mannschaft ein eigenes Bild zu geben und die Oberen von mir zu überzeugen“, sagt Schiele.

    Er würde es sich also zutrauen, die Kickers auf den Erfolgsweg zurückzuführen. Auf den war er übrigens in seiner Spielerzeit beim FC Schweinfurt 05 nicht gekommen: Lediglich in zwei Partien schnürte Schiele für die Schnüdel in der Zweitliga-Saison 2001/02 die Schuhe. „Der Schritt kam für mich zu früh“, sagt er rückblickend.

    Training im Kraftraum

    Mit schwäbischem Akzent erklärt der gebürtige Heidenheimer auch, was er in den letzten Tagen so alles verändert hat. „Neue Reize“ habe er setzen wollen. „Intensiv“ sei trainiert worden. Offenbar auch deutlich häufiger als noch unter Schmidt. „Wir sind auch einmal zum Training nach Randersacker gegangen, um im athletischen Bereich zu arbeiten und im Kraftraum etwas zu tun.“ Schmidt hatte das Team immer auf dem Vereinsgelände an der Sieboldshöhe üben lassen. „Es gibt Spieler, die körperlich gerne mehr arbeiten“, berichtet Schiele. Die Stimmung im Team sei gut. Mannschaftskapitän Sebastian Neumann erzählt davon, dass auch einmal morgens um sieben Uhr trainiert wurde und sagt: „Die Intensität ist deutlich größer geworden.“

    Eine Breitseite in Richtung des Ex-Trainers? Schiele ringt um Worte. Er will Schmidt nicht schlecht dastehen lassen. Aber er will sich und seine Arbeit auch erklären: „Jeder Trainer setzt andere Akzente“, sagt er. Und für den Spielstil, der ihm vorschwebt, brauche man womöglich „ein paar Körner mehr“. Vielleicht gab es die Konzentrationsschwächen bei dem ein oder anderen Gegentor, weil mancher Spieler etwas müde war, spekuliert der Interimstrainer. „Am Anfang der Saison haben wir viel mehr Fußball gespielt“, stellt Schiele fest. Das, so könnte man ihn verstehen, soll bald wieder so sein.

    Schon in Karlsruhe? Der Absteiger-Vergleich ist, da gibt es kein Vertun, ein richtungsweisendes Spiel. Die Badener sind nicht viel besser in die Saison gestartet als die Kickers. Von ihren zwölf Punkten haben sie elf im heimischen Wildparkstadion gesammelt. Zu Hause hat das Team mit dem Ex-Würzburger David Pisot in der Abwehr noch nicht verloren. Im Falle einer Niederlage droht den Kickers das Abrutschen auf einen Abstiegsplatz. Noch immer aber gibt sich Vereinschef Sauer gelassen: „Wir werden die nächsten Wochen nicht rein nach den Resultaten beurteilen.“ Ein Endspiel für Schiele ist die Partie am Samstag in Karlsruhe also offenbar nicht.

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