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    FUßBALL: ZWEITE BUNDESLIGA

    Plant Hollerbach seinen Abgang?

    Der Trainer lässt nach der 0:1-Niederlage gegen Sandhausen die Frage offen, ob er im Falle des Abstiegs bei den Kickers bleibt.

    Sieger und Verlierer: Während sich im Vordergrund Sandhausener über den Klassenerhalt freuen, ist Kickers-Trainer Bernd ... Foto: Markus Römer/Foto2Press

    Den Wolkenguss, der bei Spielende über dem Dallenberg herniederging, hätte es eigentlich gar nicht mehr gebraucht, um die Szenerie nach dem 0:1 des FC Würzburger Kickers gegen den SV Sandhausen mit Trauer zu fluten. Und eigentlich ist dieses Bild ja auch viel zu abgedroschen, um es in diesem Text an dieser Stelle zu verwenden. Doch passte das Wetter eben einfach perfekt zur Tristesse dieser noch immer sieglosen Kickers-Rückrunde. 16 Spiele, jawohl 16 Spiele, haben die Kickers nun nicht mehr gewonnen. Warum, um alles in der Welt, soll es nun ausgerechnet beim 17. Versuch klappen, noch dazu noch am kommenden Sonntag in Stuttgart bei der VfB-Aufstiegsparty? „Wir werden so auftreten, dass wir uns vom Einsatz her nichts vorwerfen müssen“, sagte Kickers-Trainer Bernd Hollerbach. Das hörte sich nicht eben überzeugt an.

    Die Resultate auf den anderen Plätzen passten am Sonntagnachmittag noch zur tristen Situation der Kickers. Die Niederlage gegen den SV Sandhausen war – da muss man nicht drumherum reden – der gefühlte Abstieg. All die Hoffnung, die sie am Dallenberg in dieses letzte Heimspiel gesetzt hatten, war fortgeflossen wie das Regenwasser, das sich vom Dach der Haupttribüne in einen Gully ergoss.

    Womöglich war der Druck des Gewinnenmüssens auch zu groß gewesen.

    „Wir haben ja noch 90 Minuten“, sagte Kickers-Vorstandsvorsitzender Daniel Sauer, und Trainer Bernd Hollerbach stellte pflichtschuldig fest: „Aufgeben ist hier nicht.“ Schön und gut. Wirklich überzeugt wirkten die Würzburger Führungskräfte dabei nicht, genauso wenig wie die Mannschaft, die gegen Sandhausen zwar gekämpft und gerackert hatte, aber nicht den Eindruck hinterließ, mit der letzten Überzeugung im Abstiegskampf unterwegs zu sein.

    „Das ist kein schöner Moment, auch für mich“, sagte Hollerbach nach der Partie. Er wirkte niedergeschlagen und deprimiert wie selten in dieser oft nervenzehrenden Rückrunde. Als er sagte: „Es tut mir leid, für die vielen Ehrenamtlichen, die schon vor drei Jahren an dieses Projekt geglaubt haben“, hörte sich das fast schon wie ein Abgesang auf diese Saison an. Auch schon nach Abschied?

    Vorstandschef Sauer mag sich die Kickers auch in der Dritten Liga ohne Hollerbach nicht vorstellen: „Er ist ein Junge von hier. Ich glaube, dass er hier weiter arbeitet und habe ein Urvertrauen, dass er wieder eine starke Mannschaft zusammenstellen wird.“ Überhaupt sei auch im Falle eines Abstiegs doch längst alles geregelt: „Wir haben die ganze Zeit zweigleisig geplant.“ Der Schriftkram mit dem DFB sei geregelt. In Sachen Stadion-Kapazität stünden die Würzburger nicht so sehr unter Handlungsdruck wie in der zweiten Liga. „Fest steht, dass wir langfristig Zweitliga-Fußball in Würzburg etablieren wollen. Aber ich wehre mich dagegen, die Dritte Liga als Horrorszenario zu sehen. Vor noch gar nicht so langer Zeit, waren wir froh und stolz, da dabei zu sein“, so Sauer.

    Dass die Rothosen nach der klasse Vorrunde in dieser erfolglosen Rückrunde aber womöglich eine große Chance verspielt haben, daran dürfte – wenn der Abstieg denn dann perfekt sein sollte – kein Zweifel bestehen. Ob Hollerbach tatsächlich noch einmal Lust auf gewiss nicht einfache Aufbauarbeit in der Dritten Liga hat, scheint längst nicht mehr sicher zu sein. Das Statement des Trainers ließ jedenfalls sehr viel Raum für Interpretationen.

    Man werde sich nach der Saison zusammensetzen, sagte Hollerbach, dessen Vertragsverlängerung bis 2019 vor der Saison von den Kickers noch groß inszeniert worden war.

    Ob dieser Vertrag in der Dritten Liga überhaupt gültig ist? „Es wird bei den Kickers immer weitergehen, wie, das wird man sehen“, sagte Hollerbach. Mit wem als Trainer und sportlichen Verantwortlichen, darüber äußerte er sich nicht: „Jetzt irgendetwas zu sagen, wäre noch zu früh.“

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    Was bleibt, ist die Hoffnung auf ein Wunder: Nichts anderes wäre ein Erfolg in Stuttgart in der Verfassung der vergangenen Wochen. Und die Erinnerung an 17 Zweitliga-Heimspiele am Dallenberg, mit dem 3:0-Sieg im Hinspiel gegen den VfB Stuttgart im Dezember als Höhepunkt. Wenn man damals jemandem erzählt hätte, wie diese Saison wohl zu Ende gehen wird – er hätte es bestimmt nicht geglaubt.

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