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    HANDBALL: ZWEITE BUNDESLIGA, MÄNNER

    Ein Kantersieg als Kampfansage

    Die Zweitliga-Handballer der DJK Rimpar Wölfe haben das erfolgreichste Jahr ihrer Vereinsgeschichte mit einem Sieg beendet – und was für einem!

    Nicht zu halten: Der Rimparer Benjamin Herth (Nr. 64/rechts) setzt sich gegen seinen Dessauer Gegenspieler Johannes Wasi... Foto: Hartmut Boesener

    Die Zweitliga-Handballer der DJK Rimpar Wölfe haben das erfolgreichste Jahr ihrer Vereinsgeschichte mit einem Sieg beendet – und was für einem! Am zweiten Weihnachtsfeiertag deklassierten sie ihren Tabellennachbarn Dessau-Roßlauer HV mit 32:21 (17:9). Damit haben sie sich selbst zum Fest mit vier Punkten beschenkt und sind gleichzeitig gut in die Rückrunde gestartet.

    Bereits am Vorabend von Heiligabend hatten sie sich beim Aufsteiger Eintracht Hildesheim mit 27:25 (13:14) durchgesetzt. „Wir haben uns heute den ganzen Ärger über die beiden Auswärtsspiele an Weihnachten von der Seele gespielt“, sagte Rimpars Kreisläufer Jan Schäffer. „Über die gesamten 60 Minuten gesehen war das auf jeden Fall eines unser besten Spiele in dieser Saison.“ Ins neue Jahr gehen die Wölfe als Fünfter mit 27:13 Zählern und vier Rückstand auf den zweiten Aufstiegsrang – nur einen Platz und Punkt schlechter als sie 2017 begonnen hatten.

    Obinger: „Mit uns ist wieder zu rechnen"

    Ein Abschluss des alten Jahres als Ansage fürs neue? „Durchaus“, meinte DJK-Chefcoach Matthias Obinger: „Viele hatten ja nach unserer Übersaison prognostiziert, dass es ruhiger um uns werden würde. Aber wir haben gerade in den letzten drei Spielen noch mal gezeigt, dass auch in dieser Runde wieder mit uns zu rechnen ist.“ Der Schlüssel zum Erfolg in Dessau-Roßlau sei „eine über weite Strecken fantastische Abwehrleistung“ gewesen. DRHV-Trainer Uwe Jungandreas sprach indes von einem „kollektiven Blackout“ seiner Mannschaft. „Ihr hat die geistige und körperliche Frische gefehlt.“

    Nur 55 Stunden nach ihrer Rückkehr aus Hildesheim am frühen Samstagmorgen waren die Rimparer am Dienstagvormittag die 360 Kilometer Richtung Dessau aufgebrochen, wo ihnen am Abend die Wiedergutmachung für die ärgerliche Heimniederlage (28:32) in der Hinrunde auf beeindruckende Weise gelang. Am Tag der Deutschen Einheit hatten sie in der s.Oliver Arena nach einer Führung zur Pause in der zweiten Halbzeit 21 Gegentreffer kassiert und verdient verloren. „Auch dafür wollten wir uns revanchieren“, sagte Schäffer.

    Das Rückspiel in der Anhalt-Arena begann ganz ähnlich wie damals. In Würzburg war den Unterfranken ein 4:0-Blitzstart geglückt, diesmal legten sie mit 3:0 (5.) los durch zwei Kontertore von Sebastian Kraus und Jan Schäffer sowie einen Rückraumtreffer von Steffen Kaufmann. Sie wirkten von Anpfiff an sehr fokussiert.

    Wölfe überraschend frisch nach Weihnachten

    Auch in der Defensive, in der die Systeme fließend wechselten, merkte man den Gästen den etwaigen Genuss von Weihnachtsgänsen und Plätzchen nicht an. Leichtfüßig und beweglich, störten sie das in dieser Saison sonst so erfolgreiche Offensivspiel der Gastgeber und eroberten immer wieder Bälle. „Auch ich war positiv überrascht, wie frisch meine Spieler trotz der kurzen Regeneration gewirkt haben. Offenbar haben sie Weihnachten gut verdaut“, scherzte Obinger. Überhaupt lieferten sich beide Mannschaften in der stimmungsvollen Stahlgerüst-Halle der Bauhausstadt ein temporeiches Match.

    Nach 18 Minuten stellte Julian Sauer mit einem Hattrick von Rechtsaußen eine Sechs-Tore-Führung für die Grün-Weißen her (10:4). DRHV-Coach Jungandreas nahm die bereits zweite Auszeit. Auch sie wirkte nicht. Rimpars Linksaußen Dominik Schömig erhöhte erst auf 13:6 (22.) und später auf 16:8 (28.). Beide Flügelspieler waren bestens aufgelegt. Acht Treffer Vorsprung nahmen die Wölfe mit in die Kabine (17:9).

    Konzentriert, kämpferisch, kompromisslos in der Abwehr

    Ihre erste Halbzeit verdiente das Prädikat herausragend. Konzentriert, kämpferisch, kompromisslos in der Abwehr. Stark, schnell, schnörkellos im Angriff. Hinten schlau organsiert von Kapitän Stefan Schmitt, vorne klug angeführt von Regisseur Bejamin Herth. Wie eine Maschinerie zogen die Rimparer ihr Spiel auf – und den Dessau-Roßlauern über wie Zwangsjacken. „Wir waren nicht da. Nicht in den Zweikämpfen, nicht im Tempospiel, nirgends“, konstatierte Jungandreas. „Stattdessen haben wir viel zu viele einfache Fehler gemacht und Rimpar zu Gegenstößen eingeladen.“

    Nur kurz keimte nach der Pause Hoffnung bei den Sachsen-Anhaltinern auf, das Ding noch drehen zu können. Ihr neuer Torwart Phil Döhler demonstrierte gleich mal drei Paraden, zudem glückten ihnen zwei Tore. Doch dann war das Strohfeuer auch schon wieder erloschen. Die Unterfranken ließen sich nicht beeindrucken, antworteten mit einem 3:0-Lauf und brannten wieder ihr Feuerwerk ab, von ein paar Fehlwürfen abgesehen. Ganz stark auch Steffen Kaufmann, der mit acht Treffern und acht Assists auffälligste Akteur im Angriff. 

    In der 45. Minute erhöhte Patrick Schmidt den Vorsprung auf zehn Tore. 24:14, auf dem Höhepunkt betrug die Differenz elf Treffer (27:16, 48.). Dann hatten die Wölfe die zunehmend demoralisierten Tabellennachbarn endgültig demontiert. „Am Ende hat tatsächlich alles bei uns geklappt“, meinte Obinger. Der DRHV hatte jedoch zu keiner Zeit in der Partie auch nur den Hauch einer Chance gehabt. 

    Urlaub bis 6. Januar

    „Nach den zähen vergangenen Wochen war das noch mal wie ein Befreiungsschlag“, sagte Schäffer, der sich jetzt auf Erholung für „Körper und Geist“ in der Winter- und EM-Pause freut. Bis 6. Januar haben die Wölfe Urlaub. Danach beginnt das individuelle Training wieder, ab 15. Januar steigen sie mit der Mannschaft in die Vorbereitung ein. Für ein, so hoffen sie, mindestens ebenso erfolgreiches Jahr 2018.

     

    Die Statistik des Spiels

    Dessau: Döhler (31.-60.), Ambrosius (1.- 30.) – Pavlicek 3/3, Vanco 2, Sohmann 2/1, Pfeiffer 1, Hanisch 2, Wasielewski, Schmidt, Hönicke 3/2, Zimmermann 2, Stryc 2, Hanner 1, Zahradnicek, Scheithauer 3.

    Rimpar: Brustmann (1.-45.), Wieser (bei zwei Siebenmetern, 46.-60.) – Kraus 1, Schmitt, Schömig 5, Böhm 1, Gempp 1, Schäffer 4, Schmidt 4, Kaufmann 8, Meyer, Brielmeier, Herth 5/2, Sauer 3.

    Spielfilm: 0:3 (5.), 1:5 (9.), 4:6 (13.), 4:10 (18.), 6:13 (22.), 8:15 (27.), 9:17 (Halbzeit), 11:17 (34.), 11:20 (39.), 14:24 (35.), 16:27 (48.), 20:28 (54.), 21:32 (Endstand).

    Siebenmeter: 9/6 : 3/2.

    Zeitstrafen: 3:1.

    Schiedsrichter: Jan Lier/Manuel Lier (Stuttgart).

    Zuschauer: 1535.

     

    Wolf des Tages

    Stefan Schmitt #7

    Der Kapitän und Abwehrchef schüttelt scheinbar alle Strapazen der Saison ab und wirkt zum Jahresabschluss auf dem Höhepunkt seiner Leistungskurve. Ganz stark, wie er die DJK-Deckung in den vergangenen drei Spielen organisierte und wieder zum Prunkstück machte.

     

     

     

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