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    HANDBALL: ZWEITE BUNDESLIGA MÄNNER

    Sieg verpasst, aber Aufstiegsplatz erklommen

    Rimpars Handballer bringen in rassiger Partie den Zweiten aus Bietigheim an den Rand einer Niederlage - aber eben nur an den Rand. Warum es nicht zum Sieg gereicht hat

    Es soll nicht sein: Auch im sechsten Anlauf reichte es für die DJK Rimpar Wölfe zu keinem Sieg gegen die SG BBM Bietigheim. Doch der Punktgewinn nach diesem packenden, ja fast schon nervtötenden 31:31 (17:14) kann sich im Nachgang noch wie ein solcher anfühlen. Denn für den Moment sind die Rimparer in der Zweiten Handball-Bundesliga auf einen Aufstiegsplatz vorgerückt, weil Konkurrent TV Hüttenberg am Freitagabend überraschend beim Kellerkind in Leutershausen gestrauchelt ist.

    Es war von Anfang an ein Handballfest. Ein Fest, bei dem sich die Wölfe zu Beginn vorgekommen sein dürften wie eine zeltende Jugendgruppe, die des nächtens mitten im Wald überfallen wird. Die Schwaben legten mit extrem viel Schwung los und konnten ihr Tempospiel zunächst sauber aufziehen. Während die Rimparer erstmals nach knapp sechs Minuten trafen, hatten die Gäste zu diesem Zeitpunkt bereits dreimal eingenetzt. Christian Schäfer, letztjähriger Top-Torjäger in der Zweiten Liga, erhöhte per Siebenmeter auf 4:1. Zu allem Überfluss handelte sich der angeschlagene DJK-Kapitän Stefan Schmitt zwei frühe Zeitstrafen ein und musste daher fortan geschont werden.

    Doch nach einer knappen Viertelstunde gelang es den Wölfen mit ihrem lautstarken Publikum im Rücken, ein loderndes Lagerfeuer zu entfachen – und sich erfolgreich gegen die Überfaller zur Wehr zu setzen. Gerade auch in Unterzahl ging DJK-Trainer Matthias Obinger hohes Risiko – und nahm seinen Schlussmann Max Brustmann für einen zusätzlichen Feldspieler heraus. Dieser Schachzug sollte aufgehen: Steffen Kaufmann gelang in der 17. Minute der Ausgleich (7:7).

    Die erste Führung war dem im ersten Abschnitt bärenstarken Patrick Schmidt per Siebenmeter vorbehalten – 10:9 (20.). SGB-Trainer Hartmut Mayerhoffer sah sich zu einer ersten Auszeit gezwungen – und die zweite folgte zugleich fünf Minuten später. Denn die Wölfe vertrieben ihre Angreifer vorübergehend mit lodernden Fackeln im dunklen Wald. Kaufmann und Schmidt trafen jetzt beinahe nach Belieben, die Rimparer gingen mit vier Toren in Führung. Nach dem Seitenwechsel machten die Grün-Weißen zunächst genau dort weiter, wo sie zuvor aufgehört hatten. Kaufmann und Schmidt erhöhten auf 19:14, in der Bietigheimer Abwehr brannte es nun lichterloh. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Wölfe ihren Gegner aufgrund des besseren Torverhältnisses in der Tabelle überholt. Doch ein Handballspiel dauert bekanntlich 60 Minuten.

    Mit dem Mute der Verzweiflung biss sich der Tabellenzweite zurück ins Spiel. Mayerhoffer ließ nun extrem offensiv decken, nahm den kompletten DJK-Rückraum an die kurze Leine. Das sollte den Rimparer Angreifern den Zahn ziehen. Nun wären sie gefordert gewesen, besonnen die sich nun bietenden Lücken zu finden. Doch stattdessen leisteten sie sich zahlreiche technische Fehler, was die Gäste jedes Mal knallhart bestraften. Als SGB-Kreisläufer Patrick Rentschler glockenfrei zum 21:23 traf, tat es Obinger seinem Gegenüber gleich und nahm seine zweite Auszeit binnen weniger Minuten.

    Gelenkige Bietigheimer Abwehr

    Im folgenden Angriff zeigten sich die Rimparer trotz angezeigtem Zeitspiel dann besonnen – und warteten bis Max Bauer die Kreislinie entlang einlaufen konnte und zum 24:21 einnetzte (44.). Vorne brachte Obinger jetzt verstärkt seine jungen Wilden, die mit ihrer Dynamik zu Torerfolgen kommen sollten. Doch gegen die gelenkige Bietigheimer Abwehr sahen sie alt aus. So entwickelte sich eine packende Schlussviertelstunde, die die frenetischen Zuschauer vermutlich so schnell nicht vergessen werden. Die Wölfe hielten zunächst einen dünnen Vorsprung. Doch 75 Sekunden vor dem Ende gelang dem insgesamt zehnmal erfolgreichen Gäste-Spieler Robin Haller der 30:30-Ausgleich.

    DJK-Kreisläufer Jan Schäffer brachte die Seinen mit dem letzten Willen nochmals in Führung. Die Bietigheimer glichen jedoch erneut aus - 31:31. Das war es.

    Obgleich seine Sieben einen Sieben-Tore-Vorsprung noch aus der Hand gegeben hat, war DJK-Trainer Matthias Obinger zufrieden und stolz: „Wenn man gegen den Zweiten einen Punkt holt, ist das auf jeden Fall aller Ehren wert. Die Mannschaft hat sich sehr gut verkauft. Von der 10. bis zur 40. Minute haben wir uns in einen Rausch gespielt“, erklärte Obinger. „Der Knackpunkt war die Umstellung des Gegners in ein variables offensives Abwehrsystem. Wir haben uns innerhalb der letzten zehn Minuten acht technische Fehler geleistet. Da haben wir nicht gut gespielt und waren zu hektisch.“

    Für den sonntäglichen Gegner der Wölfe ist der Doppelspieltag an diesem Wochenende übrigens gar keiner. Die HSG Konstanz hat seit dem Ostermontag Zeit, um sich zu erholen und sich mit dem Spitzenteam aus Rimpar zu beschäftigen. Die Grün-Weißen erfahren dagegen erst am heutigen Samstag den Matchplan für das Auswärtsspiel am Bodensee, den Obinger freilich schon längst ausgearbeitet hat. Denn auch zwei Punkte in Konstanz wären zwei Punkte auf dem Weg zur ganz großen Nummer: dem Aufstieg in die erste Handball-Bundesliga.


    Die Statistik des Spiels

    Rimpar: Brustmann (1.-60.), Wieser (n.e.) – Kraus, Schömig 1, Bötsch 1, Schäffer 2, Schmidt 9/3, Kaufmann 7, Bauer 3, Brielmeier, Herth 4, Sauer 3, Schmitt, Böhm, Siegler 1.
    Bietigheim: Ebner, Edvardsson – Haller 10/3, Rentschler 3, Dahlhaus 1, Schäfer 2/2, Babarskas 4, Barthe 2, Asmuth 2, Scholz, Döll 3, Emrich 3, Emanuel 1.
    Spielfilm: 0:3, 4:7, 7:7, 10:9, 14:10, 17:14 (Halbzeit), 21:14, 23:21, 26:25, 30:28, 31:30, 31:31 (Endstand).
    Siebenmeter: 4/3 : 7/5.
    Zeitstrafen: 6:5.
    Schiedsrichter: Michael Kilp/Christoph Maier (Oberursel/Steinbach).
    Zuschauer: 2784.
     

    Wolf des Tages

    Max Brustmann #22
    Der DJK-Keeper läuft immer dann zu Höchstform auf, wenn ein Handballfest in der s.Oliver Arena ansteht. Gestern Abend hielt seine Mannschaft vor allem in der ersten Halbzeit mit zahlreichen Paraden im Spiel – am Ende waren es deren 15, darunter zwei gehaltene Siebenmeter.

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