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    HANDBALL: ZWEITE BUNDESLIGA MÄNNER

    Wer ist hier der schlechte Verlierer?

    Unsportliches Nachspiel im Aufstiegskampf um die Rimparer Wölfe und drei Lübbecker Spieler auf Mallorca

    Die Rimparer Wölfe um Cheftrainer Matthias Obinger bei ihrer letzten Saisonniederlage in Lübeck gegen den VfL Bad Schwar... Foto: Frank Scheuring, foto2press

    Wo es im Sport um viel geht und wo es Gewinner und Verlierer gibt, gibt es oft auch unsportliche Nachspiele. So, wie in der Zweiten Handball-Bundesliga, in der es am vergangenen Wochenende noch um richtig viel ging. Um zwei verbleibende Aufstiegsplätze hinter Meister TuS N-Lübbecke nämlich, um die im Saisonfinale noch vier Mannschaften kämpften: neben der DJK Rimpar Wölfe der TV Hüttenberg, die TSG Ludwigshafen-Friesenheim und die SG BBM Bietigheim. Der Ausgang ist bekannt. Die Rimparer verpassten den Sprung in die Eliteklasse, weil sie in Lübeck mit 29:31 beim VfL Bad Schwartau verloren. Davon profitierten die Hüttenberger, die ihr Heimspiel gegen Meister TuS N-Lübbecke gewannen (25:19), sowie die Friesenheimer, die zu Hause Absteiger HC Empor Rostock besiegten (32:27).

    Nach Ende der Partie in der Hansehalle zu Lübeck hatten sich schnell Spekulationen über einen nicht ganz fairen Wettbewerb wie ein Spinnennetz übers Spielfeld gesponnen, auf dem die Wölfe ihrer verpassten Chance hinterherheulten. Die Fäden verwoben sich zu dem Gerücht: Der Meister soll bereits vor dem letzten Duell in Hüttenberg auf Mallorca seinen Titel gefeiert und so für ungleiche Voraussetzungen im Finale gesorgt haben.

    Mit dem Abpfiff im Aufstiegskampf war damit ein Nachspiel angepfiffen, das seit Mittwoch vor allem im Internet ausgetragen wird – während die meisten Sportler längst urlauben.

    Trip in trainingsfreier Zeit beim TuS

    Wo es tagelang nur Gerüchte gab, gib es nun endlich Fakten. „Es ist richtig: Drei unserer Spieler waren vor der Partie in Hüttenberg ohne unsere Genehmigung und ohne unser Wissen auf Mallorca“, bestätigt Torsten Appel, der Geschäftsführer des TuS N-Lübbecke, am Freitagmittag auf Anfrage dieser Redaktion. „Wir hatten das untersagt.“ Dass sich ein Trio über das „Verbot“ hinweggesetzt habe, davon habe der Verein erst am Mittwochabend erfahren.

    Gegenüber dem „Westfalen Blatt“ (Mittwochsausgabe) hatte TuS-Trainer Aaron Ziercke zuvor noch gesagt: „Es ist eine Frechheit von Rimpar, so etwas zu behaupten. Sie schieben uns jetzt den Schwarzen Peter zu, obwohl sie selbst ihr Spiel verloren haben. Deswegen steigen sie nicht auf. Sich jetzt einen anderen Grund aus den Fingern zu saugen, ist uns gegenüber ziemlich mies und vor allem ziemlich haltlos. Das zeigt mir, dass es sich um ganz schlechte Verlierer handelt."

    Zeitlich bedingt habe es beim TuS keinen gemeinsamen Ausflug gegeben, so Ziercke weiter, die Ersparnisse aus der Mannschaftskasse seien an die Spieler ausgezahlt worden: „Fakt ist jedenfalls, dass es keine Fahrt nach Mallorca gegeben hat. Punkt.“

    Die Faktenlage ist nun eine andere. Auf die Frage, warum das Fehlen besagter dreier Spieler, deren Namen Appel nicht nennen will, nicht aufgefallen sei, antwortete der Geschäftsführer gegenüber dieser Redaktion: „Weil wir eine trainingsfreie Zeit hatten.“ Mehr werde der Verein zu diesem Thema nicht mehr öffentlich äußern. Nur so viel noch: „Wir haben das sehr empfindlich sanktioniert.“

    Wölfe-Boss Roland Sauer möchte zu den Vorfällen ebenfalls nicht mehr Stellung nehmen. „Das bringt nur noch mehr Unruhe, und damit schaden wir dem Sport. Letztlich ändert das alles nichts daran, dass wir gegen Bad Schwartau hätten gewinnen müssen, um aufzusteigen.“

    Bitterer Beigeschmack bleibt

    Für die Rimparer bleibt dennoch ein bitterer Beigeschmack – ungeachtet der Tatsache, dass sie ihre Chance ganz alleine verspielt haben. Der Sport ist dabei nur die eine Seite. Während die Wölfe einem Gegner unterlagen, der kämpfte, als ginge es für ihn selbst noch um den Aufstieg und nicht um nichts, trafen die Hüttenberger auf eine Mannschaft, die zumindest nicht so vorbereitet ins Finale ging wie in andere Spiele und die dadurch nach einer dominanten Saison eine von fünf Niederlagen kassierte, wobei der beste Angriff der Liga nur 19 Tore zustande brachte.

    Die andere Seite ist die der öffentlichen Darstellung. Obwohl es keine einzige zitierte Aussage eines Rimparer Spielers über den Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung gegenüber Lübbecke gegeben hatte, machten diverse Medien und Menschen in den sozialen Netzwerken diesen daraus. DJK-Trainer Matthias Obinger hatte gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ sogar gesagt: „Wir müssen erst mit uns ins Gericht gehen. Wir sind für unser Schicksal selbst verantwortlich.“ Daraufhin vom Kollegen als „schlechte Verlierer“ tituliert zu werden, hinterlässt nach der jetzigen Faktenlage nur eine Frage: Wer ist hier der schlechte Verlierer?

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