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    HANDBALL: ZWEITE BUNDESLIGA MÄNNER

    Wölfe schicken Neuhausen auf den „Highway to Hell“

    Rimpar feiert klaren Start-Ziel-Sieg mit Traumtoren und Abwehrbollwerk beim Abstiegskandidaten und ist wieder dicht an den Aufstiegsrängen dran

    Tausendsassa im Tor: Rimpars Keeper Max Brustmann brachte Neuhausens Angreifer um Jan Reusch (Nr. 20) mit insgesamt 20 P... Foto: Eky Eibner

    „Highway to Hell“ dröhnte aus den Boxen in der Hofbühlhalle in Metzingen-Neuhausen, als die Zweitliga-Handballer des ortsansässigen Turnvereins am Samstagabend um kurz vor acht einliefen. Der AC/DC-Klassiker bekam rund eineinhalb Stunden später eine tragisch-komische Bedeutung für sie: Mit einem 26:18 (10:8)-Auswärtssieg schickte die DJK Rimpar Wölfe den TV Neuhausen aller Wahrscheinlichkeit nach in die „Hölle“ namens Dritte Liga. Wenngleich der neue Interimstrainer Alexander Job, den die Schwaben nach dem Rücktritt von Aleksandar Stevic vor zwei Wochen am Mittwoch präsentiert hatten, sich auf der Pressekonferenz noch um Zweckoptimismus mühte, hat der Tabellenvorletzte mit nunmehr acht Punkten Rückstand auf die Nichtabstiegszone allenfalls noch eine Minimalchance auf den Klassenerhalt.

    Feuriger Start der Gäste

    Für die Unterfranken riss dagegen der Himmel auf. Nach ihrem ärgerlichen Aussetzer eine Woche zuvor zu Hause gegen den TuSEM Essen (22:25) patzte diesmal ebenso überraschend die Konkurrenz. Der Zweite Hüttenberg verlor in Aue, der Dritte Bietigheim in Saarlouis. Damit ist das Team von Trainer Matthias Obinger als Vierter wieder auf einen Zähler an den Aufstiegsrängen dran – und zurück in der Erfolgsspur, wie diese Redaktion am Samstagabend im Online-Spielbericht titelte. „Zurück? Wir waren nie weg!“, kommentierten die Rimparer den Artikel auf ihrer Facebook-Seite. „Wir sind nur vielleicht kurz einen kleinen Schlenker gefahren.“ Die Stimmung ist nach gewitterwolkenverhangenem Wochenstart offenbar wieder sonnig im Wolfsrevier. Zumindest auf die sportliche Leistung hatte auch die überraschende Entlassung von Manager Jochen Bähr am Dienstag keine Auswirkungen.

    „Das war die perfekte Antwort auf die Niederlage gegen Essen“, sagte Rimpars Rückraumshooter Patrick Schmidt, mit neun Treffern bester Torschütze. „Wir haben unter der Woche gut trainiert und heute gut Druck und Tempo gemacht.“ Auch Obinger war „sehr zufrieden mit der kämpferischen und spielerischen Leistung“ seiner Mannschaft. „Sie hat von der ersten Sekunde an gezeigt, dass sie gewinnen will und kam mit sehr viel Feuer in die Partie.“

    In der Tat: Die Wölfe brannten, und sie rannten. Aus einer taktisch hervorragend eingestellten und aggressiven Abwehr heraus, wie sie lange nicht mehr zu sehen gewesen war, eroberten sie immer wieder Bälle. Was anfangs überhaupt auf ihr Tor kam, waren allenfalls „Halbchancen“, wie TVN-Trainer Job es nannte. „Wir haben gegen diese bewegliche Deckung kaum klare Abschlüsse generieren können“, klagte er und lobte „die Qualität des Gegners“ als einen der Gründe für die Niederlage seines Teams, das sich insgesamt 23 Fehlwürfe leistete, darunter alleine drei verworfene Siebenmeter.

    So spielten die Gäste auf dem Weg zu ihrem Start-Ziel-Sieg in den ersten 18 Minuten eine Fünf-Tore-Führung heraus (7:2). Den Biss hinten wandelten sie vorne in Besonnenheit um. Dann, wenn sie ihre Angriffe gegen die unangenehme, überraschend defensiv ausgerichtete 3:2:1-Formation Neuhausens geduldig ausspielten, waren sie in der Regel erfolgreich. Allerdings scheiterten sie auch mehrmals aus guten Wurfpositionen am besten gegnerischen Mann, Keeper Magnus Becker.

    Gegen Ende der ersten Halbzeit entwickelte sich die Partie immer mehr zum Abnutzungskampf in den Abwehrreihen, ein Augenschmaus allenfalls für Taktikfreunde. Die Gastgeber drückten zunehmend aufs Gas und bremsten die Gäste damit etwas aus. Zur Halbzeit führte Rimpar nur noch mit zwei Toren (10:8.).

    Nach der Pause kamen die Unterfranken kurzzeitig sogar ins Schlingern. Die Schwaben konterten, und Schlussmann Becker parierte. Und die Wölfe? Behielten auf dem hitzigen Höhepunkt dennoch kühle Köpfe und die Kontrolle. Bis zum 13:14 setzte Neuhausen immer wieder zum Überholmanöver an – dann knallte es. Daniel Reusch sah für ein Foul an Schmidt die Rote Karte, und plötzlich bestand der ohnehin dezimierte TVN-Kader nur noch aus acht Feldspielern.

    Deren Aufholjagd geriet ins Stottern wie ein kraftstoffarmer Motor – und sie selbst gerieten damit wieder auf den „Highway to Hell“.

    Zwei Traumtore von Max Bauer

    Als sich Rimpars Rechtsaußen Max Bauer erst mit einem Rückhand-Kempatreffer zum 17:13 (46.) für das Tor des Monats in der Handball-Bundesliga bewarb und kurz darauf einen Dreher zum 19:14 (51.) folgen ließ, waren die demoralisierten Hausherren endgültig abgehängt. „Gut, ne?“, kommentierte Bauer seinen ersten Geniestreich hinterher grinsend, bevor er gestand: „Das war so nicht geplant, eher aus der Not geboren, weil mein Gegenspieler in den Siebenmeterraum mitreingesprungen ist und ich ihm erst mal den Ball aus den Händen reißen musste. Dann war ich mit dem Rücken zum Tor in der Luft und konnte nur noch so werfen.“ Es sah auf jeden Fall so spektakulär aus, dass selbst einheimische Zuschauer begeistert Beifall klatschten, nicht nur die rund 50 mitgereisten Gästefans.

    Die Schlussminuten waren vorne ein Schaulaufen für die Wölfe mit etlichen Tempogegenstößen und hinten die Demonstration einer Deckungsarbeit fürs Lehrbuch – inklusive Torwartshow von Max Brustmann, der nun fast alles hielt, was auf seinen Kasten kam. Am Ende standen 20 Paraden auf seinem Konto, zwölf davon aus der zweiten Halbzeit.

    Nächsten Samstag geht's für die Wölfe auf die Autobahn Richtung Westfalen zum nächsten abstiegsgefährdeten Klub in Hamm. Für sie ja vielleicht ein „Highway to Heaven“.


    Wolf des Tages

    Stefan Schmitt #7
    Der Wölfe-Kapitän räumte im Innenblock der Abwehr zusammen mit Jan Schäffer etliche Gegner aus dem Weg, bevor sie zum Torabschluss kamen. Er legte mit Schwerstarbeit nicht nur den Grundstein für die Rimparer Mauer, sondern auch für den Sieg.
     

    Die Statisik des Spiels

    Neuhausen: Rebmann (57.-60. und bei einem Siebemeter), Becker (1.- 57) – Stüber 2, D. Reusch 1, Schoch 3, Klingler 2, Keupp, Michalik 2, J. Reusch 1, Predragovic 5/1, Bornemann 2.
    Rimpar: Brustmann (1.-60.), Wieser (n.e.) – Kraus 1, Schmitt 1, Bötsch, Schäffer 4, Schmidt 9/3, Kaufmann 1, Bauer 4, Brielmeier 2, Herth 1, Sauer 2, Schömig 1, Böhm (n.e.), Siegler.
    Spielfilm: 1:4 (9.), 2:7 (18.), 5:8 (25.), 8:10 (Halbzeit), 9:10 (33.), 11:13 (36.), 13:18 (42.), 14:19 (51.), 14:23 (56.), 18:26 (Endstand).
    Siebenmeter: 4/1 : 4/3.
    Zeitstrafen: 0:3.
    Rot: D. Reusch (Neuhausen, 39., Foulspiel).
    Schiedsrichter: König/Siebert.
    Zuschauer: 829.
     

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