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    Fußball: Zweite Bundesliga

    Würzburger Kickers: Ein halbes Jahr als Zweitligist

    Jubel im Mai, Wechselspiele im Sommer, Welpenschutz im Herbst – die Entwicklung im Zeitraffer

    Foto: Markus Römer (foto2press)

    Ein halbes Jahr ist schnell vergangen. Genau sechs Monate war es am Donnerstag her: Am 24. Mai siegte der FC Würzburger Kickers 2:1 in Duisburg und schaffte nach 38 Jahren die Rückkehr in die zweite Fußball-Bundesliga. Vor dem Treffen mit Mitaufsteiger FC Erzgebirge Aue an diesem Freitag (18.30 Uhr, Flyeralarm Arena) blicken wir im Schnelldurchlauf zurück.

    24. Mai

    Die magische Nacht von Duisburg: Die Kickers sind im siebten Fußballhimmel. Elia Soriano und Rico Benatelli erzielen die Tore für die Rothosen. Der 16. der zweiten Liga, der MSV Duisburg, ist am Boden. Nach dem 2:0 im Hinspiel gewinnen die Kickers als Drittliga-Dritter auch im Relegationsrückspiel um den letzten freien Zweitliga-Platz. Die Würzburger schaffen durch das 2:1 als zweites Team nach RB Leipzig das Kunststück aus der Regionalliga schnurstracks in die zweite Liga zu marschieren. In der Würzburger Kabine herrscht Partystimmung.

    Nur einer macht sich Sorgen: „Ich habe mir nach dem Aufstieg schnell Gedanken gemacht“, wird Trainer Bernd Hollerbach später erzählen: „Mir war klar, dass die zweite Liga noch einmal eine ganz andere Nummer wird als die dritte Liga.“ Der Triumph ist auch das Ende jener Mannschaft, mit der Hollerbach zwei Jahre zuvor in der Regionalliga gestartet war, um möglichst rasch in den Profifußball zu kommen. Der Aufstieg frisst seine Helden. Am Ende der Transferperiode im September haben 13 Spieler die Kickers verlassen, elf neue sind hinzugekommen.

    23. Juni

    Von riesigen roten Stühlen herab verkünden die Kickers, die Vertragsverlängerung von Trainer Hollerbach bis 2019. Die mit reichlich Tam-Tam angekündigte Zeremonie in einem Möbelhaus wirkt arg übertrieben und unpassend für den Trainer, der stets recht glaubhaft seine Bodenständigkeit betont. Aber was soll's! Was die Kickers von so manchem Liga-Rivalen bislang unterscheidet, zeigt auch eine andere Geschichte. Am gleichen Tag meldet die Nachrichtenagentur dpa nämlich: „Thomas Eichin ist der neue starke Mann bei 1860 München.

    “ Fünf Monate später ist Eichin schon wieder entmachtet. Dass Hollerbach in Würzburg weiterhin alleine das Sagen hat, ist auch in der zweiten Liga ein Erfolgsrezept. Darin liegt aber auch eine Gefahr. Ohne Hollerbach bliebe derzeit wohl nur wenig von der Kickers-Herrlichkeit. Der Trainer und Manager ist ungeduldig, fordert viel von Verein und Umfeld.

    7. August

    Endlich geht es los. Die harte Vorbereitung hat die Kickers-Akteure geschlaucht. Bestes Beispiel ist Sturm-Neuzugang Marco Königs, der zehn Kilo abgespeckt hat. Auf Testspiele hat Trainer Bernd Hollerbach bei seinem Programm keine Rücksicht genommen. Vor der Partie bei Eintracht Braunschweig ist die Frage, wie stark die Würzburger sind. Zum Auftakt setzt es eine 1:2-Niederlage. „Auch an die dritte Liga mussten wir uns erst gewöhnen“, sagt Hollerbach nach dem Spiel. Seine Mannschaft wird erstaunlich schnell lernen.

    20. August

    Wieder Braunschweig. Erneut geht es gegen die Eintracht. Diesmal im DFB-Pokalwettbewerb und im heimischen Stadion. Die Kickers siegen mit 1:0 nach Verlängerung. Im Rückblick ist es dieses Spiel, in dem bei den Kickers ein Knoten aufgeht. Die Mannschaft merkt: Wir können mithalten. Der Beginn einer Siegesserie: Auch in der Liga gewinnen die Kickers dreimal in Serie. Die Kontrahenten reiben sich die Augen. Was ist denn da in Würzburg los?

    30. August

    Mit Junior Diaz verpflichten die Würzburger Kickers einen Tag vor Ende der Transferperiode einen WM-Teilnehmer. Der Costa-Ricaner kommt von Darmstadt 98. Gleichzeitig verlässt mit Royal-Dominique Fennell einer der auffälligsten Spieler des Drittliga-Teams aus der Vorsaison den Verein. Er spielt nun beim Halleschen FC in Liga drei. Der Umbau der Mannschaft ist fürs Erste abgeschlossen. Die Entscheidungen seien nicht immer leicht gewesen, berichtet Hollerbach später: „Aber das ist eben meine Aufgabe.“ Ein erfolgreiches Team so stark zu verändern ist ein Risiko.

    21. Oktober

    Den Kickers geht in doppelter Hinsicht der Saft aus: Zunächst fällt zu Beginn der zweiten Halbzeit beim Heimspiel gegen den Karlsruher SC der Strom aus und dann setzt es eine 0:2-Niederlage. Die Kickers werden von den im Tabellenkeller festsitzenden, aber bissig agierenden Karlsruhern mit ihren eigenen Mitteln geschlagen. Die Gäste stehen sicher in der Defensive und kontern effektiv. „Der Welpenschutz ist weg“, stellt Hollerbach fest. Die Würzburger werden ernstgenommen, ihr Spiel genau analysiert. Die Gegner entwickeln neue Strategien, um den Kickers ihre Stärken zu rauben. Aber das Team lässt sich auch von einer Negativserie nicht kirre machen. Nach drei Pflichtspielniederlagen gibt es gegen den FC St. Pauli beim 1:0 wieder einen Dreier.

    18. November

    Die Kickers spielen vor 37 673 Zuschauern 2:2 beim 1. FC Nürnberg und bleiben in der Tabelle die Nummer eins im Frankenland. Mehrere Tausend Fans begleiten das Team zum Auswärtsspiel vor der bislang größten Kulisse der Würzburger Fußballgeschichte. Die Begeisterung ist spürbar gewachsen. Der Fußball ist ein Thema in Würzburg und Umgebung.

    25. November

    Ein halbes Jahr nach dem Sprung in Liga zwei kommt mit Aue ein Mitaufsteiger nach Würzburg. Der FC Schweinfurt 05 hatte beim letzten Gastspiel eines Vereins aus der Region in der zweiten Liga am Ende der Saison 2001/02 24 Zähler auf dem Konto. Diesen Wert könnten die Würzburger im Falle eines Sieges bereits am 14. Spieltag erreichen. Hollerbach aber bleibt seiner Rolle treu und warnt: „Wenn ich auf die Tabelle schaue, weiß ich nicht, wer in dieser Liga absteigen soll. Für uns geht es nur um den Klassenerhalt.“

    FC Würzburger Kickers – FC Erzgebirge Aue (Freitag, 18.30 Uhr)

    Als Tabellenvorletzter kommt Mitaufsteiger FC Erzgebirge Aue (17./10 Punkte) zu den Würzburger Kickers (8./21). Wer nun glaubt, das Spiel sei für die Würzburger eine Pflichtaufgabe, ist aber völlig falsch gewickelt, betont Bernd Hollerbach. „Einen Abnutzungskampf“, erwartet der Kickers-Trainer und spricht von „vielleicht einem der schwersten Spiele der Saison“.

    Denn die Sachsen um Torjäger Pascal Köpke, der Sohn von Bundestorwarttrainer Andreas Köpke hat schon sechsmal getroffen, hätten zwar in dieser Saison oft das Glück nicht auf ihrer Seite gehabt: „Ich sehe in Aue einen Verein, der zusammensteht und eine Mannschaft, die leidenschaftlich kämpft. Das wird ein Spiel auf Augenhöhe, bei dem Kleinigkeiten entscheiden.“ Und womöglich auch die richtige Taktik. Ob er – wie zuletzt in Nürnberg – eine Dreierabwehrkette aufbieten wird, oder nach der Genesung von Innenverteidiger Clemens Schoppenhauer wieder auf die bewährte Viererkette setzt, lässt Hollerbach noch offen. „Das liegt auch daran, ob wir mit einer Dreierkette Druck über die Flügel machen wollen oder im Offensivspiel mehr den Weg durch das Zentrum suchen“, gibt Hollerbach Einblick in seine Überlegungen. Fehlen wird ihm in jedem Fall Patrick Weihrauch, der in der vergangenen Woche beim Abschlusstraining vor dem Nürnberg-Spiel einen Schlag auf das Knie bekommen hatte und noch nicht fit ist.

    Tickets für den Aufsteiger-Vergleich gibt es noch im Vorverkauf unter anderem im Internet (www.fwk.de) und an den Tageskassen, die um 16.30 Uhr öffnen.

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