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    BASKETBALL: BUNDESLIGA, MÄNNER

    Aufwecker für die Baskets und Glücksgriff des Gegners

    Gelingt der Start ins neue Jahr? Zum ersten Spiel 2018 muss s.Oliver Würzburg die Koffer packen und nach Gießen reisen. Wir sind live dabei heute Abend.

    Gießen 46er – s.Oliver Würzburg

    (Samstag, 7. Januar 2018, 20.30 Uhr, Sporthalle Gießen-Ost)

    Auf und nieder, immer wieder? Dirk Bauermann schaut ziemlich kritisch, wenn man ihn mit dem Refrain aus einem volkstümmelnden Schunkellied an die formidable Achternbahnfahrt seiner Mannschaft in der jüngeren Vergangenheit erinnert. Knappe Niederlage beim Hauptrundenersten der Vorsaison in Ulm. Nach aufopferungsvoller Aufholjagd verdienter Heimsieg gegen den Tabellenzweiten Ludwigsburg. Aufgrund der schwächsten Saisonleistung verdiente Schlappe bei Kellerkind Erfurt. Höchster Saisonerfolg gegen das Spitzenteam Frankfurt.

    Punktgleiche Tabellennachbarn

    Und nun geht's zum Abschluss der Hinrunde für den Zehnten der Basketball-Bundesliga s.Oliver Würzburg zum direkten und punktgleichen Tabellennachbarn nach Gießen. Der Elfte hat – wie die Würzburger – acht Siege und acht Niederlagen eingesammelt, und während man an der Lahn nach einem personellen Komplettumbruch vor Saisonbeginn durchaus zufrieden ist mit der Bilanz, ärgert man sich am Main schon ein wenig darüber, nicht mindestens zwei Siege mehr eingefahren zu haben. Mit denen wären die Baskets punktgleich mit dem Fünften, Titelverteidiger Bamberg.

    Bauermann halbwegs zufrieden

    „Wäre, wäre, Fahrradkette“, wie der große kreative Sportphilosoph Lothar Mattäus vergangenen Sommer dichtete. Bauermann ist trotz allem zumindest halbwegs zufrieden mit der Vorrunde: „Wir haben eine gute Ausgangsposition und in der Rückrunde ein Heimspiel mehr. Das ist gut“, sagt der Trainer, der natürlich zugibt, „dass wir auswärts stabiler und konzentrierter von Anfang an agieren und die Qualität abrufen müssen, die uns in vielen Heimspielen ausgezeichnet hat“.

    Die unterirdische Vorstellung in der jüngsten Partie in der Fremde in Erfurt nennt Bauermann einen „richtigen Aufwecker“, der „den Spielern bestimmt die Illusion geraubt hat, mal eben irgendwo hinzufahren und zwei Punkte mitzunehmen. Das funktioniert in dieser Liga nicht“.

    Ausgeglichene Liga

    Diese Liga, die so ausgeglichen ist wie vielleicht noch nie. Gerade einmal fünf Siege trennen den Drittletzten von einem Play-off-Rang. Und um einen der acht wollen die Baskets ja mitspielen. Bauermann weiß um die Schwere der Aufgabe in der mittelhessischen Universitätsstadt: „Die Gießener werfen viele Dreier, da müssen wir gallig sein, sonst schenken die dir auch gerne mal 80 plus ein.“ Gut 26 Dreier nehmen die Gießener in jeder Partie, die Baskets nur unwesentlich weniger (25,7 pro Spiel, nur der Vorletzte Göttingen versucht's mit 28,1 Mal noch häufiger aus der Distanz) – einen Vorteil gibt's bei den Fernwürfen aber weder für die Hessen noch die Unterfranken: Beide versenken exakt durchschnittliche 35 Prozent ihrer Dreierversuche.

    Heimstärke und Auswärtsschwäche

    Die ersten fünf der acht Bundesliga-Duelle mit Gießen gewannen die Würzburger, die jüngsten drei Partien allerdings allesamt die Gießener, die 2015 sich auch den Pro-A-Meistertitel mit zwei Erfolgen über die Baskets sicherten, gemeinsam kehrten die Klubs in die Beletage der Ballwerfer zurück. Und aktuell trifft in der Gießener Osthalle am Samstag Heimstärke auf Auswärtsschwäche.

    Fünf ihrer acht Heimspiele haben die Hessen gewonnen und daheim nur gegen München, Erfurt und Ulm verloren – gerade einmal zwei Siege fuhren die Unterfranken in der Fremde ein, in Jena und bei Tabellenführer Bayern München, dem sie die einzige Saisonniederlage zufügten. Sechsmal schlichen die Baskets auswärts geschlagen vom Parkett. Hoffnung auf Besserung der trüben Auswärtsbilanz zieht Bauermann vor allem aus den Auftritten in Ulm, Bayreuth und Bonn, die die Würzburger allesamt auch hätten gewinnen können.

    Interessant wird sein zu beobachten, wie die Baskets vor allem Gießens vorsaisonale Transferüberraschung in den Griff kriegen wollen. Der routinierte Center John Bryant legt mit im Schnitt 14,9 Punkten und 10,1 Rebounds regelmäßig ein Double-Double auf. Zu seiner Ulmer Zeit (2010 bis 2013) wurde der 2,11 Meter große Bryant zweimal hintereinander zum wertvollsten Spieler der Bundesliga gewählt, mit dem FC Bayern München wurde er dann 2014 deutscher Meister.

    Spott wegen Übergewicht

    Zuletzt musste der Amerikaner viel Spott ertragen. Nach nur zwei Spielen (davon eines gegen Saragossa, wo damals Robin Benzing spielte, mit dem er in München gemeinsam auf dem Parkett stand) wurde Bryant im Oktober 2016 von Valencia Basket Club wegen starken Übergewichts gekündigt. Der französische Erstligist AS Monaco verpflichtete Bryant daraufhin – allerdings nur für zwei Monate als Ersatz für einen verletzten Spieler. Als der wieder fit war, musste Bryant gehen. Nach einem vereinslosen dreiviertel Jahr heuerte er dann im September in Gießen an.

    Einen „Glücksfall“ für die Hessen nennt Bauermann die Verpflichtung Bryants, von dem er fast schon schwärmt: „spielender Center“, „extrem viel Talent“, „sehr clever“, „nutzt die Freiheiten, die er hat“.

    Eine Sonderbehandlung will Bauermann dem 30-Jährigen aber offenbar dennoch nicht spendieren: „Wir schauen auf uns und werden konsequent dort weitermachen, wo wir zu Hause aufgehört haben.“ Galligkeit erwartet er von seinen Mannen, bei denen Owen Klassen mit Gießens Trainer Ingo Freyer den Mann wiedersieht, der ihn einst nach Hagen in die Bundesliga holte.

    tbr

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