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    WÜRZBURG

    Söder folgt auf Seehofer: So reagiert Unterfranken

    Horst Seehofer räumt seinen Posten als Ministerpräsident für seinen Dauerrivalen Markus Söder. Der hat in der Region viele Unterstützer, die sich nun freuen.

    Ein Facebook-Post des Landtagsabgeordneten Steffen Vogel (CSU) zum Machtkampf in der Partei Screenshot: Benjamin Stahl Foto: Benjamin Stahl

    Der wochenlange, der manchmal auch schmutzige Machtkampf in der CSU ist beigelegt. In Unterfranken trifft die Einigung auf positives Echo. „Das ist vernünftig behandelt worden, wie es sich gehört“, so der unterfränkische Bezirkschef Gerhard Eck gegenüber dieser Redaktion. „Im Bezirksvorstand der unterfränkischen CSU haben wir darüber diskutiert. Wir haben gesagt, den Fahrplan tragen wir mit.“

    Auch beim unterfränkischen Parteinachwuchs ist von „großer Zustimmung“ die Rede. Dass Markus Söder wohl neuer Ministerpräsident von Bayern wird, sei „ein ganz starkes Zeichen“, sagte am Montag der Bezirksvorsitzende der Jungen Union (JU), Fabian Weber aus Ebern (Lkr. Haßberge). Er geht davon aus, dass die Erlanger Erklärung der JU Anfang November dazu beigetragen hat, dass Horst Seehofer jetzt als Ministerpräsident geht. Wie berichtet, hatte die Nachwuchsorganisation der CSU auf ihrer Landesversammlung in Erlangen einen personellen Neuanfang an der Spitze der Staatsregierung eingefordert und sich dabei klar für Söder ausgesprochen.„Das war eindeutig“, so Weber.

    Keine knallenden Sektkorken

    Ein allzu langes Hurra über Söders Durchbruch sei allerdings unangebracht. „Die Sektkorken werden jetzt nicht groß knallen“, skizzierte Weber die Stimmung in der JU und in der CSU. Es sei vielmehr wichtiger, statt über Personal wieder über Sachthemen zu diskutieren.

    Ähnlich sieht es der Bundestagsabgeordnete Alexander Hoffmann aus Retzbach (Lkr. Main-Spessart). Der parteiinterne Machtkampf habe „zunehmend zu Unmut in der eigenen Anhängerschaft geführt“, erklärte er. Lange habe man sich mit Personalfragen beschäftigt, jetzt gehe es endlich wieder nur um Sachfragen. Die Doppelspitze Seehofer/Söder nennt Hoffmann ein „sehr positives Ergebnis“. „Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass wir nach dem Ergebnis der Bundestagswahl einen Neuanfang brauchten. Söder war mein Wunschkandidat.“

    Die Personaldebatte am Laufen gehalten

    Hoffmann hatte sich seit dem schlechten Bundestagswahlergebnis seiner Partei für einen personellen Neuanfang stark gemacht. „Diese Diskussion durfte nach der Wahl nicht abebben, deswegen habe ich mich immer wieder öffentlich geäußert und deutliche Signale gesendet“, so der Abgeordnete weiter.

    Seehofer wird laut Hoffmann nun in Berlin eine „gewichtige Rolle“ spielen. Während der Jamaika-Verhandlungen habe er sich „auch beim politischen Mitbewerber Respekt verschafft“. Auf ihn komme es an, „wenn wir uns jetzt mit der SPD an einen Tisch setzen“, so Hoffmann. Auch JU-Bezirkschef Weber betont, als CSU-Vorsitzender könne Seehofer in Berlin seine „große bundespolitische Erfahrung“ einbringen und damit für die Belange Bayerns „sehr dienlich sein“.

    Waigel bot Seehofer Tipps an

    Staatssekretärin Dorothee Bär berichtete dieser Redaktion am Montag von einer „positiven, geschlossenen Stimmung“ im Parteivorstand. Auch Wirtschaftsministerin Ilse Aigner und Innenminister Joachim Herrmann – denen beiden Ambitionen auf das Amt des Ministerpräsidenten nachgesagt wurden – verstünden sich als Teil des Teams.

    Theo Waigel, selbst zwischen 1988 und 1999 CSU-Chef, hat laut Bär Seehofer in einer Wortmeldung Tipps angeboten, „wie man mit einem starken Ministerpräsidenten umgeht“. Waigel bildete Ende der 1990er Jahre eine Doppelspitze mit Edmund Stoiber als Ministerpräsident. Umgekehrt könne sich Söder Tipps für den Umgang mit einem starken Parteichef bei Stoiber holen. „Ein netter Moment“ sei das gewesen, so Bär.

    Ein Ministerposten für Seehofer?

    Ob und wenn ja welches Ministeramt Horst Seehofer in einer neuen Bundesregierung übernehmen könnte, darüber sei nicht gesprochen worden, sagte Bär auf Nachfrage. „Jetzt soll er zunächst in Berlin mit gleichem Durchsetzungsvermögen mit der SPD verhandeln.“

    Von Markus Söder wünscht sich Bär aus fränkischer Sicht, dass er „die Gleichwertigkeit aller Landesteile in Bayern“ auf die Agenda nimmt. „Der Landkreis Rhön-Grabfeld muss genauso wie der Landkreis München behandelt werden“, so die Politikerin aus Ebelsbach (Lkr. Haßberge).

    Landtagsabgeordneter kann sich rasieren

    Unterdessen kann sich Steffen Vogel rasieren: Noch am Sonntag hatte der CSU-Landtagsabgeordnete aus Theres (Lkr. Haßberge) auf Facebook ein Foto von sich mit einem zotteligen Bart gepostet. „Ich werde diesen erst rasieren, wenn wir eine neue Bundesregierung haben oder noch besser, wenn wieder ,Friede‘ in der CSU einkehrt!“, schrieb er dazu. „Nach außen hin haben wir ein Bild der Zerstrittenheit abgegeben. Das hat Wähler verschreckt“, sagte Vogel am Montag. Dabei sei man sich „inhaltlich immer einig“ gewesen.

    Von der Lösung des Streits erhofft er sich „neuen Schwung“. „Wir haben ein Wählerpotenzial von über 50 Prozent“, gibt sich Vogel für die Landtagswahl optimistisch. Aber: „Wenn die Wähler von der Berliner Politik enttäuscht werden, führt das zu Politikverdrossenheit und das führt zu Protestwählern.“ Niemand kenne „das Haifischbecken Berlin“ so gut wie Horst Seehofer, seine Aufgaben bleiben „unglaublich wichtig“. Auch Markus Söder traut er in neuer Position viel zu: „Er hat schon als Heimatminister einen guten Job gemacht“, so Vogel. Nun müsse er aber „auf alle zugehen, die ihn kritisch sehen“.

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